Oberelsbach

Sternenführung: Was der große Wagen und der große Bär gemeinsam haben

Die Nachtaufnahme zeigt unter einem Sternenhimmel die Radarstation auf der Wasserkuppe. Welche Sterne im Sternenpark Rhön am winterlichen Nachthimmel zu sehen sind, zeigte Dr. Joachim Schneider bei einer Sternenführung auf. Foto: Arnulf Müller, DPA

Einmal im Jahr bietet die Umweltbildungsstätte eine öffentliche Sternenführung an. Über 50 Interessierte waren diesmal gekommen, um den Ausführungen des zertifizierten Sternenführers Dr. Joachim Schneider zu lauschen. Pünktlich zum Beginn der Führung riss der bislang wolkenverhangene Himmel auch soweit auf, dass die wichtigsten Wintersternbilder draußen gezeigt werden konnten.

Doch zunächst gab Schneider Informationen zum Sternenpark Rhön und dem Ziel die natürliche Nachtlandschaft zu erhalten. Dazu gehöre nicht automatisch ein freier Blick in den Himmel zu den Sternen, sondern auch Nebel, Wolken und ein bedeckter Himmel, seien natürlich Bestandteile der Nacht. Ein wolkenloser Nachthimmel sei eine wunderschöne Zugabe.

Die Umweltbildungsstätte Oberelsbach bot eine öffentliche Sternenführung an, bei der es auch um Fragen zu einer Sternenparkgerechten Beleuchtung ging. Dr. Joachim Schneider zeigte den Teilnehmern, wie faszinierend der Rhöner Nachthimmel ist. Foto: Marion Eckert

Beleuchtung nicht ausschalten, sondern effektiv nutzen

"Dunkelheit gehört zur Nacht", fasste es Schneider ganz banal zusammen. Es geht um eine Dunkelheit ohne künstliche Beleuchtung. So ging die Gruppe zunächst bis zur letzten Straßenlaterne von Oberelsbach. Schneider erläuterte wie wichtig eine sternenparktaugliche Beleuchtung in den Orten sei. Denn es gehe nicht darum, die Beleuchtung auszuschalten, sondern sie effektiv zu nutzen, das heißt das Licht, dahin zu lenken, wo es benötigt wird - auf den Gehweg und nicht in den Himmel oder an Hauswände. Oberelsbachs Straßenbeleuchtung sei ein gutes Beispiel dafür, wie die Nacht vor Lichtverschmutzung geschützt werden könne.

Weiter ging es in die Nacht und da zeigten sich die ersten Sterne und Sternbilder. Schneider begann mit dem wohl bekanntesten Sternbild, dem großen Wagen und der Frage nach der großen Bärin. Immer wieder werde er gefragt ob der große Wagen der große Bär sei, das sei so aber nicht ganz richtig: "Der große Wagen ist nur ein Teil des Sternbildes der großen Bärin, genauer das Hinterteil des großen Bären."

Orion ist am Gürtel erkennbar

Der kleine Bär sei dagegen mit dem kleinen Wagen identisch. Das Besondere am kleinen Wagen sei, dass die Spitze der Deichsel der Polarstern ist. Das sei allerdings nicht wie viele meinen der hellste Stern am Himmel sondern der Stern im Norden, um den sich der Sternenhimmel drehe. Für die Navigation der frühen Seefahrer war der Polarstern der Fixpunkt am Himmel, an dem sie sich orientierten und ihre Position auf den Breitengrad bestimmten.  Auf der Südhalbkugel gibt es keinen Fixstern, sondern das Kreuz des Südens als Orientierungsmarke.

Nicht fehlen durfte bei der Sternführung ein Blick zum Orion, der am besten an seinem Gürtel zu erkennen sei. "Es ist ein typisches Wintersternbild, das relativ gut zu erkennen ist", Schneider gab den Tipp, sich von bekannten Sternbildern aus zu orientieren, dann fänden sich bei klarem Himmel relativ problemlos die weiteren Sternbilder, die wie der Orion zum sogenannten Wintersechseck gehören. "Damit wissen Sie schon mehr, als die meisten Menschen in Deutschland", meinte er zu den Teilnehmern.

Ein "Roter Riese" am Ende seiner Lebenszeit

Schließlich kam auch Sirius, der hellste Stern am Himmel  hinter den Wolken hervor, er gehört zum Sternbild Hund. Weiter ging es zu Kastor und Pollux, einem hellen Sternenpaar im Wintersternbild der Zwillinge und zur Kapella, der zum Sternbild Fuhrmann gehört.

Interessant wurde es beim Sternbild Stier und dem Stern, der wie ein rotes Auge leuchtet. Dies sei ein Stern, der am Ende seiner Lebenszeit angekommen sei. Wobei "kurz vor" in astronomischen Zeiträumen zu denken sei. Ebenso sei Beteigeuze, der Schulterstern des Orion ein "roter Riese",  am Ende seiner Lebenszeit.

Alles Leben ist endlich

Schneider sprach mit den Teilnehmern über das Verlöschen von Sternen und der Super-Nova, einer großen Explosion eines Sterns. "Das Spannende ist, wenn er explodiert, wird er mehrere Wochen so hell sein wie die Venus oder der Vollmond, er wird dann am Taghimmel zu sehen sein". Wann das allerdings der Fall sein wird, konnte Schneider nicht sagen.  Damit war die Gruppe beim Thema Lichtjahre angekommen und der Tatsache, dass das Licht am Himmel heute ein Licht aus der Vergangenheit sei.

Auch die Lebenszeit der Sonne wurde thematisiert und damit die Endlichkeit des Lebens auf der Erde. 10 Milliarden Jahre Lebenszeit werden der Sonne bescheinigt, doch auch diese Zeit werde irgendwann einmal abgelaufen sein.

Wie groß ist das Weltall wirklich?

Das Alter von Sternen zeigte Schneider anhand des Orions. Unterhalb des Gürtels sei eine Art Nebel zu sehen, der als Schwert des Sternbildes gelte. Ein gutes Fernglas reiche aus, um diese "Sternengeburtsstätte" näher zu betrachten. Im Orion sehe man Geburt und Tod von Sternen aus der Perspektive der Erde also sehr nahe beieinander.

Wie groß das Weltall tatsächlich ist, wurde immer deutlicher, je länger die Blicke in den Himmel gingen. Die Nachbargalaxie Andromeda war in der Nacht nicht zu sehen. "Mit Milliarden von Sternen ist sie 2,5 Millionen Lichtjahre von uns entfernt."

Die Frage, ob es Galaxien mit einer zweiten Erde und Sonne gibt, konnten an diesem Abend nicht beantwortet werden. Doch die Größe des Universums verleitete zur Annahme: "Wenn nur ein Teil dieser Sterne Planeten außen herum hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns nicht so ganz alleine in diesem Universum aufhalten, recht hoch. Ob wir jemals etwas davon etwas mit bekommen, ist die andere Frage. Weil die Entfernung so groß ist und wir die wahrscheinlich nie überwinden können."

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