Aubstadt

Sternsinger heuer erstmals in Aubstadt unterwegs

Am Dreikönigstag sind sie wieder unterwegs, die Sternsinger. Sie schreiben "Christus, segne dieses Haus" an die Türen. Foto: Hanns Friedrich

Sigrun Weigelt und Susanne Werner betreuen die jungen Sternsinger in Aubstadt bei ihrer Premiere im Dorf. "Die Kinder gehen in die 3./4. Klasse, zwei sind katholisch, sechs evangelisch", sagt Sigrun Weigelt. Die Texte hat man von Bad Königshofen übernommen, von hier kommen auch die Gewänder sowie Stern und Rauchfass. Alles ist mit dem evangelischen Pfarrersehepaar Julia und Florian Mucha abgesprochen. Sie haben sich dafür begeistern lassen und die Suche nach Sternsingern in den Gottesdiensten verkündet.

Die Aussendung der Aubstädter erfolgt mit den Gruppen in Bad Königshofen um 10 Uhr beim ökumenischen Gottesdienst. In Bad Königshofen sind sieben Kinder-Gruppen, die Pfarrersgruppe und eine Erwachsenengruppe unterwegs. Da die Anzahl der Jungs und Mädchen, die sich für diesen Brauch zur Verfügung stellen, in den vergangenen Jahren rückläufig war, lagen in der Kirche Anmeldezettel aus. "Diejenigen, die sich hier eingetragen haben, werden vorrangig besucht, wenn dann noch Zeit bleibt, gehen unsere Sternsinger natürlich auch in andere Häuser", sagt Christiane Aman. Dass man in die Häuser geht, hat sich erst in den 1960er-Jahren eingebürgert. Ältere Königshofener erinnern sich noch, dass in der Zeit um 1947 die drei Könige auf der Straße sangen und sie speziell bei den Prominenten vorbeischauten.

Erst zu den Bürgern mit Namen Kaspar, Melchior oder Balthasar

In den 1960er-Jahren ging man dann unter Dekan Karl Merz in alle Häuser. Die Bürger mit dem Namen Kaspar, Melchior oder Balthasar wurden als Erste besucht. Hier gab es einige in Bad Königshofen. Damals wurden zwei Sternsingergruppen von den Ministranten gestellt. Als Gewand genügte zu Anfang oft ein weißes Tuch oder ein farbiger Umhang. Der Sternträger trug wie heute Ministrantenkleidung. Der große Stern, der auf einem Besenstil befestigt war, war auch von innen beleuchtet. Zunächst mit drei brennenden Kerzen, später mit kleinen Fahrradbirnchen. Damit die Batterie nicht zuviel Strom verbrauchte, gab es einen Kippschalter. Der Stern wurde also nur beleuchtet, wenn man zu Leuten ging. Selbstverständlich "malten“ sich die Dreikönige auch an. Ofenruß war die Grundlage für die schwarze Farbe bei König Kaspar. Damit dieser nicht in die Poren eindrang, wurden Gesicht und Hals zunächst mit Nivea eingeschmiert. Ein dunkles Halstuch sorgte dafür, dass die Kleider nicht schwarz wurden.

Um 1947 entstand dieses Foto der Sternsinger in Bad Königshofen mit (von links): Fritz Schunk, Günter Laubender, Konrad Trauth und Engelbert Weber. Foto: Repro-Friedrich

Um 1947 traf man sich am Abend vor Dreikönig. Erste Station war am Juliusspital, dann im Bereich des Anwesens Wiener in der Kellereistraße und an der Kreuzung „Kindergarten-Kloster“. Vom Kloster ging's durchs Gässchen in die Schottstraße zum Elisabethaspital. Nach rund einer Stunde hatten die Dreikönige ihre Tour geschafft. Letzter Auftritt war am Kornstein auf dem Marktplatz. Höchstens acht bis zehn Mark kamen an Spenden zusammen damals. Die gaben die Sternsinger im Pfarramt ab, sie waren für die Kirchenkasse bestimmt. Dabei hatte die Dreikönige ein Rauchfass, das Schiffchen, ein Behältnis für die Weihrauchkörner und eine Zigarrenschachtel für die Spenden, die ganz mit Goldpapier beklebt war.

Über Kindermissionswerk zu den Sternsingern
Das Dreikönigsbrauchtum reicht bis ins Mittelalter zurück. Nachweisbar ist, dass Auguste von Sartorius, eine 15-Jährige aus reichem Haus stammend, bei Freunden und Verwandten für notleidende Kinder sammelte. Daraus entstand das "Werk der heiligen Kindheit", das spätere "Kindermissionswerk". Selbst Johann Wolfgang von Goethe wusste von den Sternsingern. Überlieferungen zufolge wurde um 1780 der Brauch als "grober Unfug" bezeichnet. Goethe trug damals aus Protest eine Variation des Sternsingerliedes bei einer höfischen Veranstaltung vor.

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