Rappershausen

Streutal: Das Prinzip der Dorfschwester soll wiederbelebt werden

Eine Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis, genannt Verah, nimmt einer Patientin bei einem Hausbesuch Blut ab. Foto: Marijan Murat/dpa

Die Idee, medizinische Versorgung ins flache Land, sprich kleinere Gemeinden abseits ärztlicher Praxissitze zu bringen, klingt sehr gut und ist sicherlich im Sinne der Menschen auf dem Lande. Es geht um Lösungen in der Zukunft. Eine Vision in dieser Hinsicht zielt auf die Dorfschwester "Verah" ab. Unter der Überschrift „Pilotprojekt Telemedizin in der Streutalallianz“  wurde das Thema in der Sitzung der Streutal-Bürgermeister ausgiebig und nachhaltig erörtert – unter dem Aspekt, wie ein solches Pilotprojekt in einer kleinen Gemeinde beispielhaft umzusetzen ist. Dabei gilt als oberste Prämisse: „Die Hausärzte vor Ort müssen wir mit einbinden. Ohne sie geht nichts.“

Felix Schmidl  und Werner Palancares sind Mitglieder des Vereins „HeimatUnternehmen Rhön“, der sich die Initiative für mehr Handwerk, mehr Kreativität, mehr Dorfläden und mehr Dorfleben zu eigen gemacht hat. Schmidl (Geschäftsführer der Bioenergie Ostheim)  sowie Palancares (medizinischer Marktforscher und Betreiber des Dorfladens „dreierlei“ in Willmars) waren gemeinsam auf die Streutalallianz zugegangen, um „ein mögliches Pilotprojekt im Bereich der Telemedizin vorzustellen und wie dieses in der Streutalallianz aussehen könnte“. Im Schullandheim Rappershausen war die Bürgermeister-Runde gespannt auf die Präsentation.

16 Hausärzte im Streutal

Laut der vorgelegten Potenzialanalyse sind im Streutal 16 Hausärzte tätig, davon zehn in Mellrichstadt und die weiteren in Ostheim, Nordheim und Fladungen. Einer Umfrage zufolge sind für 97 Prozent der Befragten „die Verfügbarkeit des  Hausarztes ein wichtiger Standortfaktor“, so Schmidl einleitend. Das erklärte Ziel einerseits sei, die Lebensqualität der Bürger durch die medizinische Versorgung zu erhöhen, andererseits die Hausärzte auf dem flachen Land zu entlasten.

Die Idee des Dorfladens, so schwebt Palancares vor, soll „multifunktional ausgerichtet werden“. Das heißt im übergeordneten Sinn: Der Dorfladen sei als Anker wichtig, um den Ortskern zu erhalten, sprich mit Leben zu erfüllen. Und da gehöre die medizinische Versorgung als Baustein dazu.

Wieder eine Dorfschwester in den Orten?

Die Vision von Schmidl und Palancares nimmt das Beispiel der Dorfschwester auf. Früher gab es sie in vielen Ortschaften, die sich um die kranken und alten Menschen in der Gemeinde gekümmert haben. So gab es auch in Orten ohne Arzt eine Person, die eine medizinische Grundversorgung leisten konnte. Jetzt ist die Dorfschwester wieder da – unter dem Begriff "Verah".

"Verah" steht für „Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis”. Dabei handelt es sich laut Deutschem Hausärzteverband um speziell ausgebildete medizinische Fachangestellte (MFA), die durch eine Zusatzausbildung delegierbare hausärztliche Tätigkeiten übernehmen und auch Hausbesuche machen können. Und "Mona" ist dabei die Telemedizin-Plattform für die Televisite (Übermittlung) bei den Hausbesuchen in die Arztpraxis.

Schwesternzimmer einrichten

Zum Konzept von "Verah" gehört natürlich auch die Einrichtung eines Schwesternzimmers, abgestimmt auf die medizinischen Anforderungen. Und der Kostenfaktor, so die herrschende Meinung, sei überschaubar und zu stemmen. Mit dem Aufbau solcher kooperativen Versorgungsstandorte  könnte, so ein weiterer Aspekt, im Streutal ein Netzwerk von Schwesternzimmern installiert und der Kassenärztlichen Vereinigung angeboten werden.

Soweit die Vorlage in der Theorie, wie sie Felix Schmidl und Werner Palancares ausgearbeitet hatten. Perspektivisch gesehen, darin stimmte die Bürgermeister-Riege überein, sei die Idee der Dorfschwester richtig und nachhaltig. Wenngleich das Modell in hiesigen Gefilden weder neu noch unbekannt ist: Wie die Rathauschefs betonten, sei diese Form der medizinischen Versorgung bei Ärzten dieser Region bereits gängige Praxis. Und funktioniere auch zur allgemeinen Zufriedenheit.

Als nächster Schritt stehen also die Konsultationen der Bürgermeister mit den niedergelassenen Hausärzten auf dem Programm. Vom Grundsatz her steht dem Start eines Pilotprojekts „in der Fläche“ wohl nichts im Wege.

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