MELLRICHSTADT

Süße Kügelchen statt bittere Pillen

Die Inhaberin Kathrin Lenhart und Referentin Daniela Reisbeck informierten umfassend über die Wirkweise der Homöopathie. Foto: Tanja Heier

Unser Gesundheitssystem krankt; Apotheken mit ihrem Fachpersonal sind ein wichtiger Ansprechpartner für Menschen geworden, die bei kleinen Wehwehchen nicht sofort zur Chemiekeule greifen wollen. Und der Markt an homöopathischen Erzeugnissen boomt. Was aber nehmen, wenn der Hals kratzt und die Nase läuft? Hierzu gab es am Mittwochabend am Rahmen des Vortrags „Homöopathie für Herbst und Winter“ jede Menge Informationen.

Längst hat sich Apothekerin Kathrin Lenhart einen Namen in Sachen Prävention und sanfter Medizin gemacht. Bereits zum zweiten Mal war Daniela Reisbeck der Einladung Lenharts nach Mellrichstadt gerne gefolgt. In der gut gefüllten Carl-Fritz-Stube erläuterte die Referentin, wie Homöopathie funktioniert und was den Erfolg der kleinen Kügelchen ausmacht. Dabei ging es der Lindacherin weniger darum, einen monotonen Vortrag zu halten – vielmehr bezog sie ihre Gäste locker ins Gespräch mit ein. Gleich zu Beginn stellte Reisbeck klar, dass ihr nichts daran liege, zig Mittel im Einzelnen zu besprechen. Ziel des Abends sei, die Ansätze der Homöopathie auch für den Laien verständlich machen. Man müsse diese Form der sanften und schonenden Behandlung zunächst gewissermaßen „lesen“ können, um sich selbst zu helfen.

Ähnliches gegen Ähnliches

Begründer der Homöopathie ist der Arzt und Apotheker Dr. med. Christian Friedrich Samuel Hahnemann (1755 bis 1843). Daniela Reisbeck streifte kurz die zu dessen Lebzeiten üblichen Behandlungsformen wie beispielsweise den Aderlass. Hahnemann sei ein Rebell gewesen; einer, der diese teils rabiaten Praktiken hinterfragte und nach schonenderen Ansätzen suchte. Der Begriff „Homoion pathos“ bedeutet so viel wie „Ähnliches Leiden“. Soll heißen, man könne Ähnliches mit Ähnlichem heilen.

Dabei komme es darauf an, den ganzen Menschen im Blick zu haben, hob Daniela Reisbeck hervor, denn Seele, Geist und Körper bilden eine Einheit. Wenn ein Teil aus dem Gleichgewicht gerate, seien in der Folge auch die anderen betroffen – die Balance muss also wieder hergestellt werden.

Die Referentin ging auf die drei Hauptprinzipien der Homöopathie ein und erklärte anhand praktischer Beispiele, wie man sich das Naturheilverfahren vorstellen darf. Als Ausgangssubstanzen dienen Pflanzen (65 Prozent), Mineralien (30 Prozent) und Tiere (5 Prozent). Gängigste Darreichungsform sind auf Milchzuckerbasis hergestellte Globuli. Die Potenz eines Mittels mache den Wirkungsrad aus; je höher potenziert, desto tiefer die Wirkung, informierte Reisbeck. Niedrige Potenzierungen wie D6 und D12 eignen sich bei Selbstmedikation von Husten und Schnupfen, höhere, gegen chronische Krankheitsbilder, gehörten unbedingt in die Hände eines Fachmanns, mahnte Reisbeck zur Umsicht. Schnell wurde deutlich, dass es kein allgemeingültiges Präparat für das Symptom X gibt, weil jeder Patient sich anders fühlt. Manch einer braucht bei laufender Nase und Kopfschmerzen Bewegung an der frischen Luft, ein anderer sucht Ruhe und Wärme. Deshalb ist es wichtig, sich eingehend beraten zu lassen, um das individuell passende Medikament zu finden. „Schnupfenglobuli“ kann es also nicht geben.

Dass Homöopathie bis auf wenige Ausnahmen nicht vorbeugend eingenommen wird, erläuterte die Referentin, nachdem es keine grundlegenden Fragen mehr gab. Der wichtigste Gradmesser bei dieser Lehre sei also immer die Frage, was die Beschwerden verbessere oder verschlimmere.

Kurz ging die Fachfrau auf die gängigsten Präparate ein. Nach dem Hinweis, dass homöopathische Wirkstoffe über die Schleimhäute aufgenommen, und daher immer gelutscht werden sollten, beendete sie ihren Streifzug durch die Welt von Belladonna, Euphrasia und Co.

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