BAD NEUSTADT

Symbolische Mützen mit heilsamer Wirkung

Bis die Augen zufallen: Johanna Saal aus Herschfeld sitzt Abend für Abend in ihrem Lieblingssessel und häkelt Mützen für das Spendenprojekt „Abana-Baseka – Lachende Kinder“. Foto: Marion Eckert

Handarbeiten sind das große Hobby von Johanna Saal aus Herschfeld. Jeden Abend macht sie es sich in ihrem Lieblingssessel bequem, den Handarbeitskorb neben sich und das Häkelzeug im Schoß.

Blaue und gelbe Wollknäuel liegen in ihrem Handarbeitskorb, emsig huscht die Häkelnadel durch die Maschen. Johanna Saal häkelt eine Wollmütze nach der anderen. MyBoshi-Mützen waren im vorigen Winter der große Hit, Johanna Saal hat die ganze Familie samt Enkeln damit versorgt, doch jetzt häkelt sie Mützen für einen guten Zweck, und zwar für das Spendenprojekt „Abana-Baseka – lachende Kinder“ von Dekan Andreas Krefft. 25 gelb-blaue Mützen hat sie mittlerweile zusammen und 130 Euro an Spenden.

Doch wie kam sie darauf, Mützen für afrikanische Kinder in Ruanda zu häkeln? Durch die Presseberichterstattung sei sie auf das Projekt aufmerksam geworden. Sie und ihr Mann sind in der Flüchtlingsbetreuung aktiv, ihr Sohn lebte einige Jahre in Afrika – vor diesen Hintergründen engagieren sie sich für gesellschaftliche Fragen und Probleme und so entstand der Wunsch auch das Projekt von Dekan Krefft zu unterstützen. Werner Saal hatte Krefft bei der Essensausgabe für die Flüchtlinge kennengelernt.

Selbst ein Modell entworfen

„Ich brauche abends eine Beschäftigung“, erzählt Johanna Saal, und da kam in ihr der Gedanke auf, welches Klima denn in Ruanda eigentlich herrsche und, ob die Kinder dort Mützen brauchen könnten.

Sie entwarf ein Modell, nahm mit Dekan Krefft Kontakt auf und stellte ihm ihre Idee vor: „Ich häkele Mützen, verkaufe sie für zehn Euro, aber nur symbolisch. Geld und Mütze gehen dann nach Afrika“. Krefft war von dieser Idee begeistert: „Ich bin sehr dankbar, wenn Menschen solch eine Eigeninitiative ergreifen. Ihre guten Taten helfen unserem Projekt.“

Obwohl Ruanda fast direkt am Äquator liege, sei das Klima aufgrund der Höhenlage durchaus mitunter recht kühl, und so entstand das Projekt „Wärme schenken“. Mit dem Einverständnis des Pfarrers konnte Johanna Saal also loslegen und begann, Mützen in den Farben der Schul- und Kindergartenuniform in Blau und Gelb zu häkeln. Doch sie wollte natürlich so viele Mützen wie möglich „verkaufen“, um neben den Mützen auch Spendengelder für das Projekt zu sammeln. So sprach sie in der Schilling Bank in Bad Neustadt vor und tatsächlich wurde ein Schaufenster dekoriert. Auch in Zeisners Stadtapotheke, im Katholischen Kindergarten Mariä Himmelfahrt und im Pfarrbüro sind ihre Mützen – symbolisch – zu bekommen. „Damit die Kinder nicht frieren und ein warmes Essen und Schulgeld bekommen – Zweifach Gutes tun für die Schulkinder in Ruanda“, so der Text auf ihren Werbeplakaten.

Johanna Saal ist sich sicher, dass Schulbildung der einzige Weg ist, im Kampf gegen Elend, Flucht und Hunger. Auch im Familien- und Freundes- und Bekanntenkreis warb sie eifrig für ihr Mützenprojekt. Die Wolle kauft sie selbst und spendet sie dem Projekt, unterstützt wird sie dabei vom Wollstübchen Mack in Bad Neustadt, und auch die Häkelnadel wurde ihr ersetzt.

„Eine Häkelnadel ist mir schon zerbrochen vor lauter Schafferei.“ Zwei Abende braucht sie für eine Mütze. „Ich häkel, bis mir die Augen zufallen.“

Pfarrer Krefft ist ganz gerührt über so viel Engagement. „Die Mützen haben heilende Bedeutung für die Menschen in Ruanda“, sagt er. Sie werden in das „De Remera-Therapiezentrum für traumatisierte Kinder“ gehen und dort in mehrfacher Hinsicht heilsam wirken – Wärme und Schutz geben.

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