Waldberg

Tiefe Einblicke in die Geschichte der Walddörfer

Alte Geschichten rund um die Walddörfer erzählten Herbert Holzheimer (rechts) und Karla Fleischhauer-Metz (Mitte) beim Sing- und Erzählnachmittag des Rhönklub-Zweigvereins Walddörfer im Dorfzentrum Waldberg. Günter Metz begleitete die alten Heimatlieder auf dem Akkorden.
Alte Geschichten rund um die Walddörfer erzählten Herbert Holzheimer (rechts) und Karla Fleischhauer-Metz (Mitte) beim Sing- und Erzählnachmittag des Rhönklub-Zweigvereins Walddörfer im Dorfzentrum Waldberg. Günter Metz begleitete die alten Heimatlieder auf dem Akkorden. Foto: Marion Eckert

Herbert Holzheimer liebt Geschichte, vor allem Rhöner Geschichte und noch enger gefasst die Geschichte seiner Heimat, der Walddörfer, speziell von Langenleiten. Alte Geschichten von früher, historisch belegt oder legendenhaft ausgeschmückt, wahre Begebenheiten aus einer früheren Zeit, die sich so oder beinahe so zugetragen haben, faszinieren ihn schon lange Jahre. Seine Sammlung an Büchern, Geschichten und Überlieferungen ist beachtlich und gerne stellt er diese auch zur Verfügung, beispielsweise beim Erzählnachmittag des Rhönklub-Zweigvereins Walddörfer im Dorfzentrum Waldberg.

Günter Metz begleitete die von Herbert Holzheimer und Karla Fleischhauer-Metz vorgetragenen Geschichten mit dem Akkordeon. Heimatlieder aus dem Liederschatz der Fränkischen Volksmusik und Wirtshauslieder, wie sie früher gesungen wurden, konnten die Besucher mitsingen. 

Die Rodungsdörfer

Die erste Geschichte, die Holzheimer vortrug, stammte aus dem Jahr 1956 und trugt den Titel "Im Rodungsdorf". Josef Dünninger beschrieb in der Zeitschrift "Frankenland" seine Eindrücke von Langenleiten, Waldberg und Sandberg. "Wer unvorbereitet vor diese drei Dörfer tritt, ist überrascht. Sie sind so ganz anders als all die anderen Rhöndörfer. Sie sehen aus, als wären sie Geschwister, als wären sie alle drei nach dem gleichen Plan entworfen."

Die Gründung Waldbergs

Weiter ging es mit der Geschichte zur Gründung Waldbergs im Jahr 1683. Drei Urkunden existieren. Der fürstbischöfliche Landesherr stellte Neuland für Kirche, Friedhof und Ackerland zur Anlage von zehn Höfen zur Verfügung. Das geschlagene Holz durften die Siedler für den Bau ihrer Häuser und Scheunen verwenden. Ihr Vieh durften sie zur Mast in den Salzforst treiben. "Die Uransiedler waren Bauern aus Premich, deren Namen urkundlich belegt sind. Sie zogen auf den `Waltberg` und begannen mit dem Roden."

Sonniges Gemüt

Nicht nur schmeichelhaftes hatten Herbert Holzheimer und Karla Fleischhauer-Metz, die ebenfalls einige Geschichten vortrug, mitgebracht. Aus der Dorfgeschichte von Schwester Valerie aus dem Jahr 1931 stammt die Beschreibung der Menschen in den Walddörfern. Als körperlich kräftig, mit fast viereckigem Kopf, dicker Nase, dunkeln Haaren und einem schwerfälligen Gang werden sie beschrieben. Der Ordensschwester ist aufgefallen, dass die meisten Frauen und Mädchen einen Kropf haben. Allerdings war ihr noch nicht bekannt, dass es vom Jodmangel kam, so vermutete sie, es komme von der harten Arbeit und dem Tragen schwerer Lasten. Ein recht raues, ja rohes Gemüt schreibt Schwester Valerie den Rhönern zu, ohne "tieferes Seelenleben", im Oberflächlichen und Althergebrachten verharrend. Allerdings stellte sie auch fest, dass die Menschen ein heiteres und sonniges Gemüt haben, Musik und Tanz lieben, gerne Bier und Schnaps zusprechen und überhaupt ein Völkchen voller Freude seien, das gerne feiert. Sogar als edel bezeichnet sie die Menschen, weil sie sich durch Hilfsbereitschaft und Liebe zu den Armen auszeichnen.

Bittere Armut

1925 berichtete die Rhön- und Saalepost über die Wohnverhältnisse in den Walddörfern. Der Geistliche Dr. Johann Pfeufer hatte es nieder geschrieben. Ein Wohnraum und sechs bis zehn Personen, jedem Bewohner habe rein rechnerisch drei bis vier Kubikmeter zugestanden. "Jeder Zuchthaussträfling muss einen Raum von 28 Kubik haben", werden die Zustände verglichen. "Die meisten Personen schlafen Sommer wie Winter unter den bloßen Dachziegeln. Hier herrscht wirklich bittere Armut, kein Brot und keine menschenwürdigen Wohn- und Schlafräume."

Eine Besonderheit gab es in Waldberg, ein "Koppelierhaus". Es handelte sich um ein im Grunde herunter gekommenes Gebäude, das von Brautleuten für wenige Gulden gekauft werden konnte. Hatten diese genug gespart, verkauften sie es wiederum für wenig Geld an ebenso arme Brautleute, damit der gesetzlichen Vorschrift genüge getan war und eine Heiratsbewilligung gegeben werden konnte. Denn um zu heiraten, musste ein Leumunds- und Vermögenszeugnis beigebracht werden, was für einen armen Mann nicht leicht war.

Streit ums Wasser

Weitere Geschichten handelten vom Trockenjahr 1947, als das Vieh auf den dürren Wiesen nicht satt wurde und die Leute ums Wasser stritten, von bedrückenden Einzelschicksalen, von Volksfrömmigkeit und der Auswanderung nach Amerika. In Cleveland (Ohio) gab es eine "nach vielen Hunderten zählende Kolonie Waldberger und anderer Vorderrhöner". Dr. Pfeufer berichtete: "Allein nach dem Krieg wanderten 130 junge Leute, und gewöhnlich waren es die stärksten und unternehmungslustigsten, das heißt zirka 25 Prozent der Bevölkerung aus; nur wenige kehrten wieder zurück und nur Einzelne von diesen mit einem für Äckerkauf und Hausbau reichendem Vermögen."

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