Bad Königshofen

Tischtennis: Was den geistlichen Beistand beim Sport bewegt

Spaß, Spannung und Entspannung erleben die beiden Priester der Pfarreiengemeinschaft Grabfeldbrücke, Paul Mutume und Karl Feser, beim Tischtennis in der Shakehands-Arena.  Foto: Rudi Dümpert

Als die Tischtennis-Mannschaft des TSV Bad Königshofen noch in der Zweiten Liga spielte, hatte sie öfters geistlichen Beistand unter den Zuschauern. Im März 2017 gar den damaligen Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann. Er hatte spontan mit dem ehemaligen Stadtpfarrer Linus Eizenhöfer und Grabfeldbrücken-Pfarrer Karl Feser das Spiel gegen Borussia Dortmund besucht.

Feser und Eizenhöfer schauen immer wieder mal wieder vorbei in der Shakehands-Arena.  Der neue Pfarrvikar Paul Mutume ist sogar, „wenn immer es möglich ist“, Stammgast bei den Heimspielen des Bundesligisten. Inzwischen haben Feser und Mutume auch schon den neuen Gemeindereferenten Sebastian Krines mit dem Tischtennis-Virus infiziert. Für den kommenden Sonntag zum Heimspiel gegen den Post SV Mühlhausen haben auch Diakon Rudi Reuter und dessen Bruder Johannes, ein Pastoralreferent, Tickets geordert. Von Paul Mutume wird sogar berichtet, er habe anlässlich eines Friedhofbesuchs in Eyershausen am „Goldenen Sonntag“, einem traditionellen Dorf-Feiertag, den versammelten Gläubigen gesagt, „heute dauert es nicht so lange, ich muss zum Tischtennis.“

Was ist es, was die Kirchenmänner in der Shakehands-Arena so in seinen Bann zieht? Mit Karl Feser, Paul Mutume und Sebastian Krines führten wir ein Interview.

Haben Sie selbst jemals Tischtennis gespielt oder eine andere Sportart betrieben?

Feser: „Nein, nur als Student in der Priesterseminar-Mannschaft Fußball und ein bisschen Kung Fu. Ich war mehr im musischen Bereich tätig, im Spielmannszug. Da habe ich Teamgeist erfahren.“

Mutume: „Ja, als Kind Fußball und Tennis. Tischtennis später auch, aber nur kurz. Das war bei uns in Uganda nicht so verbreitet, nur in Schulen und Universitäten. So blieb es beim Fußball-Torwart.“

Krines: „Nein, eine Zeit lang Fußball in Schweinfurt, wo ich her komme.“

Wer oder was hat sie bewegt, zum ersten Mal und in der Folge wiederholt zu einem Spiel in die Halle zu kommen?

Karl Feser: „Die Martha, unsere Sekretärin, die Mutter von Kilian Ort.“

Paul Mutume: „Mich auch die Martha und der Josef, Kilians Papa, der mich neugierig gemacht hat. Inzwischen sind viele Tischtennis-Freundschaften entstanden.“

Sebastian Krines: „Auch die Martha.“

Was gefällt Ihnen besonders an der Sportart und an der Stimmung in der Halle?

Feser:Mich begeistern die Stimmung und die Begeisterung der Leute und besonders die Ruhe, die plötzlich einkehrt, wenn Aufschlag ist. Die Ballwechsel gehen mir fast zu schnell. Das ist ja der Wahnsinn. Dann stehen die vier Meter weg vom Tisch und schlagen den Ball zentimetergenau auf die Platte. Das ist höchste Kunst.“

Mutume: „Das sind oft atemberaubende Momente zwischen überschäumender Stimmung und absoluter Stille. Sensationell ist der Zusammenhalt der Königshofener. Die reden nicht davon, die tun es.

Krines: „Mich beeindruckt, dass dieser Sport eine Riesen-Konzentration erfordert. Es sind ja immer nur kurze Abschnitte, in denen Entscheidendes geschieht. Das sind emotional hoch geladene, spannende Momente. Da entscheiden Millimeter bei der Schlägerhaltung. Dann erst Hunderte von Menschen mit frenetischer Begeisterung, und binnen einer Sekunde könnte man die Stecknadel fallen hören.“

Selbst der oberste Würdenträger der Diözese, der damalige Bischof Hofmann, ließ sich schon von der  Tischtennis-Begeisterung anstecken: (von links) Josef Ort, Bischof Friedhelm Hoffmann, Karl Feser, Fan Egon Schüler und Linus Eizenhöfer. Foto: Rudi Dümpert
Sie haben sicherlich schon mitbekommen, wie fair es beim Tischtennis auf diesem Niveau zugeht. Da reklamieren Spieler freiwillig Schiedsrichter-Entscheidungen zu ihrem eigenen Nachteil und das nicht nur bei belanglosen Spielständen, sondern auch in ganz wichtigen, spielentscheidenden Momenten.

Feser: „Ich möchte sogar sagen, dass das Vorbildcharakter für die Kinder und Jugendlichen hat und in der Gesellschaft grundsätzlich. Oft wird, auch im Sport, für dumm gehalten, wer ehrlich ist. Wer geschickt betrügt, ist dagegen clever.“

Mutume: „Nein, hier gibt es keine Schwalben. Hier sieht man aber auch das Sprichwort bestätigt, ehrlich währt am längsten. Oft gewinnt der den Satz, der ehrlich war.“

Krines: „Sehe ich auch so.“

Was halten Sie von Bundesliga und Weltklasse-Sport in so einer kleinen Stadt?

Feser: „Ich finde das faszinierend, was hier aufgebaut und möglich gemacht wurde.“

Mutume: „Ich bin sogar etwas stolz auf unsere kleine Stadt und hoffe, dass man eines Tages Gastgeber für die Deutsche Meisterschaft wird, warum nicht. Da gilt, the sky is no longer the limit.“

Krines: „Das ist phänomenal. Aber nicht nur im Tischtennis. Hier ist ja für so eine kleine Stadt sportlich, kulturell, schulisch und von den Einkaufsmöglichkeiten her`ne Menge geboten."

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