Langenleiten

Trächtige Kuh qualvoll verendet: Wer tötet Rinder am Rhöner Feuerberg?

Eine trächtige Kuh verendete auf einer Weide bei Langenleiten (Lkr. Rhön-Grabfeld) qualvoll. In der Vergangenheit gab es bereits ähnliche Vorfälle.
Am Wochenende wurde eine trächtige Kuh auf einer Weide am Feuerberg (Lkr. Rhön-Grabfeld) getötet. Es ist nicht der erste Fall dieser Art. Foto: Symbolbild: Klaus Spielbuchler

Michael Voll ist fassungslos. Der Langenleitner bewirtschaftet mit seiner Rinderherde die Hänge des Feuerbergs (Lkr. Rhön-Grabfeld). Am Sonntag wollte er zu seinem Vieh auf die Weide – und fand dort ein totes Tier. Es war eine seiner Kühe. Eines natürlichen Todes ist sie offensichtlich nicht gestorben. Sie blutete aus dem Maul und dem After. Außerdem zog sich über den Bauch des Tieres eine große Wunde, aus der die Gedärme quollen.

Mittlerweile ermittelt die Polizei wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Der aktuelle Fall ist nicht der erste dieser Art an den Hängen des Feuerbergs.

Das Tier trug ein Kälbchen in sich

„Ich verstehe das nicht. Wer macht sowas?“, fragt sich der Landwirt kopfschüttelnd, als er vor dem Kadaver steht. Das Tier war jung, gesund – und trug ein Kälbchen in sich. „Es ist mir einfach unbegreiflich.“ Bei Voll weckt die brutale Tat Erinnerungen an sehr ähnliche Ereignisse der Vorjahre. Von Anfang Dezember 2017 bis April 2018 vergiftete ein unbekannter Täter acht seiner Rinder mit Rattengift. Blut trat aus Maul und After aus. Es war ein Tod, der nicht binnen Sekunden oder Minuten eintrat. Bis das Gift wirkte, dauerte es mehrere Tage. Letztlich verbluteten die Tiere innerlich. Der Schaden lag damals bei 12 500 Euro.

Angefangen hatte die Todesserie im Jahr 2005. Auch damals fand Voll eine getötete Kuh auf seiner Weide am Feuerberg. Dem verendeten Tier lief Blut aus dem After, das linke Auge war „fachmännisch herausgeschnitten", wie der gelernte Metzger 2005 gegenüber unserer Redaktion feststellte. Das linke Ohr war ebenfalls abgeschnitten und auch die vier Milchzitzen am Euter fehlten. Voll vermutete schon damals, dass die Kuh vergiftet worden sein könnte.

Rinder helfen mit, dass das Land nicht verbuscht

Der Landwirt zieht aus der Vergangenheit eine Parallele zum jetzigen Fall. „Das sieht für mich genauso aus“, sagt er. Auch bei der Kuh, die am Sonntag verendete, trat an beiden Stellen des Körpers Blut aus. Der Sachschaden liegt laut der Polizeiinspektion Bad Neustadt bei 2000 Euro. Beim wirtschaftlichen Schaden allein bleibt es jedoch nicht. „So etwas sorgt für Unruhe in der Herde“, heißt es von Voll. Seine Rinder auf dem Feuerberg helfen dabei mit, dass das Land der Offenen Fernen nicht verbuscht. Dadurch haben sich sogar seltene Pflanzenbestände – wie etwa Arnika – erholt. Der Nebeneffekt: Die artenreichen Wiesen tragen dazu bei, die Insektenfauna zu erhalten und verschiedenen Vogelarten Lebensräume zu bieten. „Man arbeitet mit den Tieren, investiert Zeit und Energie – und dann so etwas.“

Ob erneut Rattengift im Spiel war, sollen nun Veterinär-Pathologen in Erlangen herausfinden. „Je nachdem, was erforderlich ist, gibt es dann eine komplette pathologische Untersuchung oder eine Teiluntersuchung des Kadavers“, teilt Dr. Christoph Dumser, der im Sachgebiet Veterinärwesen des Landkreises Rhön Grabfeld tätig ist, mit.

Starke Anzeichen für eine Vergiftung

Vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, welches das Pathologielabor in Erlangen betreut, gab es bis bis Redaktionsschluss keine weiteren Informationen zu den anstehenden Untersuchungen des Tierkadavers.

Eine der Redaktion bekannte Person, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat starke Anzeichen für eine Vergiftung erkannt. Die Wunde an der Flanke deute ebenfalls auf Fremdeinwirkung hin. Der Täter habe das Tier mit einem scharfen Gegenstand an der Flanke „förmlich durchlöchert.“ Ob die Kuh nach der Vergiftung verwundet wurde oder direkt im Anschluss nach dem Fressen des Gifts, ist derzeit noch unklar.

Die Vermutung des Informanten: Die Rindermordserie aus dem vergangenen Jahr setzt sich fort. Bereits vor einigen Wochen verendete dem Landwirt ein Stück Vieh mit ähnlichen Symptomen. Außerdem würden sich die Tatzeiträume mit den Fällen aus dem Vorjahr decken. Die Kuh, die ein Kälbchen austrug, sei vom Täter ausgewählt worden, um dem Landwirt einen möglichst großen wirtschaftlichen Schaden zu zufügen.

Das Areal am Feuerberg ist zu groß, um es zu überwachen

Dem Langenleitner Landwirt sind in der Angelegenheit die Hände gebunden. Zu groß ist das Areal am Feuerberg, um es flächendeckend zu überwachen. „Hoffentlich nimmt die Polizei den Täter fest, bevor er noch mehr Schaden anrichtet.“ Von den Beamten heißt es, dass in „alle Richtungen ermittelt“ werde. „Es können persönliche oder psychologische Motive dahinter stehen“, heißt es von Gerd Jahrsdörfer von der Polizeiinspektion in Bad Neustadt. Eine Vergiftung kann er noch nicht bestätigen.

Zur Aufklärung der Tat soll nun unter anderem eine Ortsbefragung beitragen. Im Fokus stehen dabei laut Jahrsdörfer Leute, die einen festen Tagesablauf haben. Zum Beispiel Bürger, die regelmäßig zur gleichen Zeit Laufen gehen. „Möglicherweise hat jemand dabei etwas gesehen“, sagt Jahrsdörfer. „Wir sind auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Wenn jemand etwas gesehen hat, gibt es die Chance, den Täter zu fassen.“

Die Polizei bittet um Mithilfe. Sachdienliche Hinweise sind über die Telefonnummer 09771/6060 an die Polizeiinspektion Bad Neustadt zu richten.

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