Saal

Umgehung Saal: Kostenexplosion und neue Konflikte

Alexander Schlegel vom Staatlichen Bauamt Schweinfurt erklärte die Vorgehensweise der Planer und erläuterte die bevorzugte Variante der Ortsumgehung N1. Foto: Regina Vossenkaul

Die Ergebnisse der Voruntersuchungen zur Ortsumgehung Saal stellten in einer gemeinsamen Bürgerversammlung von Saal und Wülfershausen Alexander Schlegel vom Staatlichen Bauamt Schweinfurt und Dipl. Ing. Walter Hauner vom Planungsbüro Baurconsult vor. In der vollbesetzten Festhalle wurden die Bürger nach der ersten Versammlung 2017 noch einmal auf den neuesten Stand gebracht, denn um weiterplanen zu können, müssen jetzt die beiden beteiligten Gemeinden dem Trassenverlauf zustimmen. Dieser ist allerdings noch strittig, wie die Diskussion bestätigte.

Bau einer Talbrücke notwendig

Von Bürgermeister Norbert Bauer begrüßt, staunten die Anwesenden über die Kostenexplosion: Von anfangs geschätzten 12,4 Millionen Euro soll die vom Bauamt favorisierte Trasse N1 nach neuen Schätzungen rund 60 Millionen Euro kosten. Vor allem die lange Talbrücke über das sensible Überschwemmungsgebiet, aber auch gestiegene Preise machte Schlegel dafür verantwortlich, dazu kommen 20 Prozent Spielraum nach oben. Befürchtungen wurden laut, dass das Kosten-/Nutzen-Verhältnis dadurch aus dem Ruder gerate und das ganze Umgehungsprojekt, das nach langen Kämpfen endlich in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans kam, gekippt werden könnte. Die Verkehrsströme zeigen, dass sich auf der B 279 durch Saal Richtung Autobahn täglich 7650 Pkw und 750 Lkw bewegen, das würde auch in Zukunft ungefähr so bleiben.

Die Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsstudie stellte Schlegel vor, bezogen auf Mensch, Landschaft, Landschaftsbild, Kultur/Sachgüter, Tiere und Pflanzen, Boden/Fläche, Wasser, Klima/Luft. Die Ergebnisse zeigen, dass es keinen konfliktarmen Korridor im Norden oder Süden von Saal gibt. Ausführlich betrachtet wurden auch die Lärmemissionen, die Grenzwerte für Wohngebiete werden - bis auf eine Ausnahme bei der Südvariante - eingehalten.

Geringere Konfliktdichte

Aufgrund der geringeren Konfliktdichte sprechen sich die Planer für die Variante Nord 1 aus, die nördlich um den Findelberg herum verläuft und am Parkplatz Richtung Großeibstadt wieder auf die B 279 trifft. Die Höhenunterschiede müssen durch Dämme entschärft werden, dadurch entstehen erhebliche Erdbewegungen, die bei dieser Variante aber am Geringsten sind. Durch die Überbrückung des Talgebiets leiden Flora und Fauna weniger als bei einer Südvariante. Die ebenfalls betrachtete Variante Südumgehung – von Wülfershausen gewünscht - hat durch die Nähe zum Neubaugebiet Saal (eine Lärmschutzwand müsste gebaut werden) und die Flächenverluste insgesamt größere Nachteile als die Nordvariante.

Wülfershausen lehnt die Variante Nord 1 ab

In der Diskussion machte Wülfershausens Bürgermeister Wolfgang Seifert klar, dass seine Gemeinde die N1-Variante ablehnt. Die Hoffnung, durch die Südvariante das eigene Gewerbegebiet und die B 279-Kreuzung in die Planung einbeziehen zu können, hat er nicht aufgegeben, er zeigte sich aber gesprächsbereit.

Schlegel machte klar, dass dieser Bereich nicht zum Planungsauftrag durch die Bundesregierung gehöre. Willi Irtel betonte, es sei den Wülfershäusern bewusst, dass Saal eine Umgehung braucht, aber die Belange der Wülfershäuser seien nicht berücksichtigt worden. Was passiert, wenn Wülfershausen die Planung ablehnt, wollte Harald Schwarz wissen. "Wir planen gegen den Willen einer Gemeinde keine Ortsumgehung", sagte Schlegel dazu. Schließlich verlaufe jede Variante zum Teil auf Wülfershäuser Gebiet.

Sachargumente des Straßenbauamtes

Bürgermeister Bauer fasste zusammen, dass insgesamt eine Ortsumgehung gewünscht wird, das gehe aber nicht ohne Einschränkungen, beispielsweise beim Flächenverbrauch oder Lärm. Die Sachargumente des Straßenbauamts sollten beachtet werden. Ernst Umhöfer erinnerte daran, dass die Wülfershäuser beim Kampf um die Ortsumgehung nicht auf den Zug mit aufgesprungen seien und die Nordtrasse lärmmäßig den Ort nicht mehr belaste als die alte Straße. Er gab zu bedenken, dass Leben und Gesundheit der Wülfershäuser derzeit auch beim Einkaufen, Arzt- und Schulbesuch gefährdet seien. Ein Bürger sprach sich dafür aus, Wülfershausen mit anzuschließen. Bei so vielen Millionen käme es darauf auch nicht mehr an.

Noch einmal wurde gefragt, ob die Wülfershäuser den Bau der Ortsumgehung verhindern können. "Wenn es einen gegensätzlichen Beschluss gibt, geht es mit der Ortsumgehung nicht weiter", so Schlegels Antwort. Es werden Gespräche stattfinden und Lösungsmöglichkeiten gesucht. Was beide Seiten nicht wollten, seien Streitereien zwischen zwei Gemeinden, die sich ansonsten gut verstehen würden, kam mehrmals in der Versammlung zur Sprache.

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