Großbardorf

Umweltschutz: Kunstrasen-Fußballplätze in der Kritik

Kaum denkbar: Erst fördern, dann verbieten? Die EU-Presseabteilung spricht von "Prüfungen im Rahmen der Kunststoffstrategie". Foto: Regina Vossenkaul

Erst mitfinanziert, jetzt kritisiert: Die Europäische Kommission lässt derzeit prüfen, welche Auswirkungen Kunstrasenplätze auf die Umwelt haben. Betroffene Sportvereine fürchten, dass dies der erste Schritt zu einem Verbot ist, davon wären rund 6.000 Plätze in Deutschland betroffen. Auch in Großbardorf macht sich der Vorstand des TSV Gedanken, denn der 2018 fertiggestellte Kunstrasenplatz, der Bestandteil des neuen Fußballförderzentrums ist, hat sich bisher bestens bewährt, wie TSV-Vorsitzender Klaus Lemmer bestätigt.

Viel Geld und Arbeit investiert

Für den 6. bis 8. September ist die Einweihung des Zentrums geplant, das vor allem der Förderung des Fußballnachwuchses dient. Viel Geld und Eigenarbeit hat der Verein investiert und wurde dabei finanziell unterstützt durch ein Förderprogramm zur Entwicklung des Ländlichen Raums (ELER) und durch den Freistaat Bayern. Der Bau des Kunstrasen-Kleinspielfelds samt Flutlichtanlage, Zeltplatz und Einzäunung ist ein Leader-Projekt.

Alles ist nach den geltenden internationalen und nationalen Vorschriften gebaut und ordentlich abgenommen worden", berichtet Vorsitzender Lemmer. Der Platz ist zugelassen für den Punktespielbetrieb bis zur U13 und wird auch fürs Training gern genutzt. Der Kunstrasen macht unabhängig von der Witterung und ist fast immer bespielbar, außer bei viel Eis und Schnee, wobei Gefrorenes schneller abtaut, weil das schwarze Granulat für eine rund ein Grad höhere Temperatur auf der Oberfläche sorgt.

Wie Lemmer erklärt, befindet sich unter dem Kunstrasen zunächst eine wasserdurchlässige Schotterschicht, darauf kommt Feinschotter und darauf eine elastische Asphalt-Tragschicht. Die Kunstrasen-Rollen werden darauf befestigt. Was beim natürlichen Rasen die Erde ist, ersetzen hier 18 Kilogramm Quarzsand und sechs Kilogramm Gummigranulat pro Quadratmeter, die mit einer Maschine zwischen die künstlichen Halme eingebürstet werden. Das minimiert das Verletzungsrisiko und bringt Elastizität.

Granulat aus alten Autoreifen

Das verwendete SBR-Granulat besteht hauptsächlich aus alten Autoreifen, allerdings sei das Produkt heutzutage schadstoffärmer als das Granulat der ersten Generation, versichern die Hersteller. Neben dem Abrieb der Rasen-Fasern, was dem Kunstrasen, je nach Knotendichte eine Lebenszeit von bis zu 25 Jahren gibt, stehen die Granulat-Körner im Fokus der Kritiker. Sie würden von den Fußballschuhen verschleppt und mit der Kleidung über die Waschmaschine ins Grundwasser gelangen, heißt es. Das hält Lemmer für minimal, denn die Spieler stampften das Granulat ab und ließen es hauptsächlich auf der gepflasterten Umrandung zurück, ist seine Erfahrung.

Korkeinstreu als Alternative? 

Man fordere immer, Recyclingmaterial zu verwenden, hier geschehe es, gibt Lemmer zu bedenken. Die Alternative, ein Korkeinstreu, sieht er skeptisch. So viele Korkeichen gebe es gar nicht, um den Bedarf zu decken, außerdem müsse da auch eine Gummi-Beimischung erfolgen, weil die Körner sonst zu leicht davonfliegen würden. Ein allgemeines Verbot für Kunstrasenplätze fürchtet er nicht. Sollte es zukünftig Einschränkungen geben, müsse eine Übergangsfrist eingeräumt werden. Schließlich könne man nicht das verbieten, was man gerade noch gefördert habe.

EU versichert, dass kein Verbot von Kunstrasenplätzen geplant sei

Auch die EU-Presseabteilung beeilt sich zu versichern, dass kein Verbot von Kunstrasenplätzen geplant sei. Allerdings, heißt es weiter, prüfe die Kommission im Rahmen ihrer Kunststoffstrategie, wie die Menge an umweltschädlichem Mikroplastik in der Umwelt verringert werden kann. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) führe derzeit unter anderem eine öffentliche Konsultation dazu durch, welche Auswirkungen eine mögliche Beschränkung des Einsatzes von Mikroplastik-Granulat hätte. Parallel laufe eine umfassende Folgenabschätzung der Europäischen Kommission, mit Ergebnissen sei im Frühjahr 2020 zu rechnen.

Die EU versichert außerdem, dass sich die Kommission der wichtigen Rolle bewusst sei, die Sportplätze bei der Förderung von körperlicher Bewegung, Gesundheit und sozialer Integration spielen. Man wolle eine Verhältnismäßigkeit bezüglich der gesellschaftlichen Auswirkungen im Blick behalten.

Der Vorsitzende des TSV Großbardorf, Klaus Lemmer, rechnet nicht mit einem EU-weiten Verbot von Kunstrasenplätzen. Foto: Regina Vossenkaul

Der Sportverein will sich die Vorfreude auf die Einweihung des Förderzentrums aber nicht verderben lassen. "Eine optimale Geschichte" nennt Lemmer das Angebot, für das es jetzt schon Nachfragen gebe. Jugend- und Kindergruppen können ihre Trainingscamps durchführen, es gibt neben Fußballspielen auch weitere Möglichkeiten der sportlichen Betätigung in der Umgebung. Das genaue Programm wird noch bekannt gegeben.

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