Bad Königshofen

Und es gab Tränen zum Abschied

Bence Majoros (rechts) verabschiedete sich von geschätzten 800 Zuschauern, nachdem er von Bürgermeister Thomas Helbling (Mitte) und Manager Andy Albert verabschiedet worden war. Foto: Rudi Dümpert

Am Sonntagnachmittag war wieder High Life in der Shakehands-Arena. Der DTTB-Pokalsieger und Meisterschafts-Favorit TTC Liebherr Ochsenhausen gastierte beim TSV. Die inzwischen gängigen Riten wie vor jedem Spiel, die Halle noch etwas voller, eine Zusatztribüne aufgestockt und für den 21-jährigen Ungarn Bence Majoros sollte es die sportliche Abschiedsvorstellung vor einem Publikum werden, wie er es sonst noch nie bei Ausübung seines Sports erlebt hatte. Doch der Ungar war verletzt, Rücken!

Der Tischtennis-Fan Mischi Nemeth aus Sülzfeld bei Meiningen hatte Bence Majoros aus Ungarn etwas ganz Persönliches zu sagen, auf Ungarisch, versteht sich. Foto: Rudi Dümpert

Als Bence mit einem Grundschüler aus Maroldsweisach an der Hand in die Box joggt, fällt er durch ungewöhnliche Röte im Gesicht auf. Wer ganz nahe an ihm dran ist, dem entgehen auch die feuchten Augen nicht. Diese letzten Stunden in der Arena, die für ihn das erste große Parkett in seiner Karriere bedeuteten, hätte er zwar am liebsten gar nicht gehabt. Er wäre lieber geblieben. Mit 17 war er aus einem kleinen Ort in Ungarn aufgebrochen hinaus in die große Tischtenniswelt, wechselte ins Internat nach Ochsenhausen, spielte danach beim BVB Borussia Dortmund in der 2. Liga, ehe ihn Andy Albert nach Bad Königshofen lotste.

 Zwölf Mal mit 2:3 verloren

Bence war der Mann der ersten zwei, drei, höchstens vier Sätze. Sechs Mal verlor er ein Einzel mit 2:3, im Doppel ebenso sechs Mal. Es lag nicht an der Physis. Jeder, der nur etwas von der Psychologie beim Tischtennis versteht, sah es: Bence ist ein Riesen-Talent. Ein Riesen-Spieler wird er erst sein, wenn er den mentalen Bereich ebenso beherrscht wie den sportlichen.

TSV-Manager Andy Albert: „Es war nicht einfach, diesem feinen Kerl zu sagen, dass er sich einen anderen Verein suchen muss. Aber wenn Bastian Steger kommt, ist er nur noch Ersatzmann. Wenn er sich weiter entwickeln will, muss er regelmäßig spielen. Er ist Profi. Ich bin überzeugt, er wird mal ein sehr Guter, wenn der Knoten platzt.“ Bei der Verabschiedung vor dem Spiel wünschte er ihm „Alles Gute in Frankreich!“ Immer wieder „Bence, Bence“-Rufe von den Tribünen, so als ob er gerade vor einem Satzgewinn stünde, rührten den jungen Mann zur Verlegenheit. Aber vielleicht mochte man ihn gerade deswegen. Bei Bürgermeister Thomas Helblings Rede war dies jedenfalls herauszuhören. Der Typ Mensch bleibt in Bad Königshofen in bester Erinnerung. Bence war ein sympathischer Botschafter seines Heimatlands.

Dan bat ein Fan ums Mikrofon

Andy Albert überreichte ihm ein großes, gerahmtes, von Hermann Zacher aufgenommenes Action-Foto zum Abschied, der Bürgermeister ein Präsent der Stadt. Und ganz rührselig wurde es, als ein Fan darum bat, das Mikrofon zu bekommen, der vorher schon beobachtet worden war, als er ein großes Transparent mit „Danke, Bence“ und etwas Ungarischem darauf aufhängte. Es war Mischi Nemeth aus Sülzfeld bei Meiningen. Er hatte auch einen Kloß im Hals, als er „Danke, Bence“ sagte und erst recht, als er ihm einen Satz auf Ungarisch mitgab – und nicht übersetzte. Denn da fielen sich die beiden sofort in die Arme und bekamen ihren verdienten riesigen Applaus. „Vielen Dank, alles Gute und viel Erfolg“ könnte man die Worte übersetzen.

Und als Bence Majoros selber zum Mikro griff, sich artig auf Deutsch, wie ihn nur wenige vorher gehört hatten, bedankte, „dass ich hier die Chance bekommen habe, in dieser großen TTBL zu spielen, vor Ihnen, verehrtes Publikum ...“, da machte jener Kloß den Hals immer enger. Da wusste dieses von allen Gästemannschaften geschätzte Königshöfer Publikum aus nah und fern, dass es ihm helfen musste: Mit lang anhaltendem Applaus.

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