Rhön-Grabfeld

Unternehmer treffen sich zur digitalen Corona-Krisensitzung

Zu einer digitalen Unternehmer-Krisensitzung trafen sich am Freitag 65 Menschen aus der Region. Vom kleinen 'HeimatUnternehmer' über den Mittelständler bis hin zu Vertretern aus Politik und Finanzwesen. Selbst Staatsministerin Dorothee Bär schaltete sich aus Berlin zu.
Zu einer digitalen Unternehmer-Krisensitzung trafen sich am Freitag 65 Menschen aus der Region. Vom kleinen "HeimatUnternehmer" über den Mittelständler bis hin zu Vertretern aus Politik und Finanzwesen. Selbst Staatsministerin Dorothee Bär schaltete sich aus Berlin zu. Foto: Screen-Shot Markus Büttner

Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Die Corona-Krise war Grund und Auslöser, warum sich am Freitagabend 65 Menschen aus Rhön-Grabfeld zu einer Unternehmer-Krisensitzung versammelten, um die wirtschaftlichen Folgen der weltweit grassierenden Pandemie zu besprechen. Sechs Stunden bevor die Ausgangsbeschränkung in Bayern in Kraft getreten ist. Natürlich aber digital und von zu Hause aus.

Die beiden Heimatunternehmer Marcel Reichert von der Eventhalle Gleis13 in Niederlauer und Alexandra Bilko-Pflaugner vom Coachinghaus in Wülfershausen initiierten den digitalen Treff mit dem Titel "Gemeinsam stark - Unser Zusammenhalt in der Krise!" Die Resonanz der Teilnehmer und die namhafte Gästeliste zeigte, wie relevant diese Veranstaltung für die Teilnehmer aus Politik und Wirtschaft war.

Neben zahlreichen Unternehmern aus allen Branchen, dem Landrat Thomas Habermann, dem Landtagsabgeordneten Steffen Vogel und zwei Bankenchefs der Region, Georg Straub (Sparkasse) und Markus Merz (VR-Bank), schaltete sich auch Staatsministerin Dorothee Bär aus Berlin zu dem Treffen.

Digitalministerin Bär meldet sich aus Berlin

Die Staatsministerin meldete sich zu der aktuellen Corona-Krise und gab einen kleinen Einblick in die Hektik, welche auch gerade im Bundestag vonstatten geht. Beinahe stündlich gebe es neue Zahlen von Infizierten und neue Änderungen aus der Wirtschaft. Die Ereignisse überschlugen sich auch in der Hauptstadt.

Bär sprach von einer gelockerten Schuldenbremse, neuen Hilfsschirmen für Unternehmen und Betriebe, welche schon bald vom Bundestag beschlossen werden könnten sowie einer Anpassung des Insolvenzrechts. Als Digitalministerin sei es für sie wichtig, dass man solche Digital-Treffen auch nach der Krise beibehalten werde.

Vogel: Privatvermögen der Unternehmer muss gesichert werden

Auch der Landtagsabgeordnete Steffen Vogel meldete sich von zuhause aus bei den Rhöner Unternehmern. Auch für ihn sei die aktuelle Situation eine neue und der Gruppen-Video-Chat für ihn eine Premiere. Für Vogel sei es wichtig, dass das Privatvermögen der Unternehmer gesichert sei und dass die versprochenen Hilfspakete schnell und unbürokratisch bei den Unternehmern ankommen.

Dennoch mahnte er, dass man gut prüfen solle, ob man das Fördergeld vom Staat tatsächlich benötige oder ob man vielleicht selbst durch eigene Maßnahmen diese schwere Zeit schultern könne. Denn wenn von 700 000 Unternehmen in Bayern jedes nun die Soforthilfe beantrage, dann sei das Hilfspaket zu schnell aufgebraucht und könne eventuell von kleinen Firmen, die es wirklich benötigen, nicht abgerufen werden.

Schulter an Schulter - digital

Nicht den Hauch einer Konkurrenz merkte man im regionalen Finanzsektor. Die beiden Banken-Chefs Georg Straub und Markus Merz erläuterten gemeinsam die Handhabe in ihren Häusern. Auch bei den im Hilfspaket versprochenen LfA- und KfW-Krediten können die Banken nicht ohne Weiteres große Kredite gewähren, ohne diese eingehend zu prüfen.

Wichtig sei für jedes Unternehmen, die Kosten im eigenen Betrieb soweit es geht zu senken. Denn das oberste Gebot sei die Liquiditätssicherung für die Unternehmen. Deshalb solle man auch die Angebote, welche nun von den Finanzbehörden gemacht werden, annehmen. Vor allem etwaige Tilgungsaussetzungen und zinsfreie Steuerstundungen seien ein gutes Mittel, um die akut anfallenden Kosten zu senken.

Habermann: "Da muss auch mal eine Kreisstraße zurückstecken."

Landrat Thomas Habermann und Jörg Geier, Leiter der Stabstelle, erklärten den Stand der Dinge von Landkreisseite aus. Derzeit habe Habermann mit seinem Amt zwei enorme Aufgabenfelder zu bewältigen. Zum einen die Eindämmung der gesundheitlichen Infektionsrate, zum anderen die Eindämmung der wirtschaftlichen Krise. "Wir kommen in eine sehr, sehr schwere wirtschaftliche Krise. Es wird eine Gesamtanstrengung von uns allen, um die Krise zu meistern", warnte Habermann.

Deshalb sein deutliches Credo: "Je schneller wir die gesundheitliche Krise in den Griff zu bekommen, desto besser können wir die wirtschaftliche Krise meistern." Der Kreistag werde eine Million Euro zur Stützung von schweren Situationen für Unternehmen bereitstellen. "Hilfe für den Mittelstand und für kleine Unternehmen geht nun vor, da muss auch mal eine Kreisstraße zurückstecken", so Habermann.

Die Krise als unternehmerische Chance

Ohne die aktuell prekäre Lage für viele Unternehmen zu beschönigen, merkte Felix Schmidl vom Verein HeimatUnternehmen Bayerische Rhön e.V. an, dass diese Krise auch Chancen für verschiedene regionale Unternehmen bieten könne. Es biete sich nun durch die Zwangspause die Möglichkeit, innerbetriebliche Prozesse zu optimieren, die eigenen Vertriebswege zu reflektieren und längst überfällige, interne Baustellen abzuarbeiten - von der neuen Website bis hin zum Aufarbeiten des Lagerbestands. Schließlich sei dazu auch die Kreativität und der Unternehmergeist gerade in schwierigen Situationen nötig.

Schmidl führte bereits schon jetzt pragmatisch umgesetzte Maßnahmen von kleinen Firmen an: Vom regionalen Online-Shop über Lieferdienste und gemeindliche Hilfsgutscheine über den virtuellen Blumenladenbesuch. "Wenn wir jetzt in der Region zusammenhalten, wenn sich die Firmen vor Ort nun unterstützen, dann bietet das auch eine Chance für die Zeit nach der Krise." Gerade in puncto Regionalität merke er ein Umdenken in der Gesellschaft. "Das aktuelle Bewusstsein der Bevölkerung schreit förmlich nach einer regionalen Landwirtschaft und einer guten Nahversorgung."

Auch ein Hauch von Aufbruch zu spüren

Über 90 Minuten besprachen die 65 Teilnehmer verschiedene Corona-Themenfelder an, ohne die aktuelle Situation schönzureden. Dennoch konnten sie einen Hauch von Aufbruch spüren. Denn die Fragen zu etwaigen Hilfspaketen konnten durch die Vertreter von Politik und Finanzwesen nach dem aktuellen Stand beantwortet und neue Ideen mitgenommen werden. Eines war klar: Im Namen der Veranstaltung, so die Coachin und Moderatorin Alexandra Bilko-Pflaugner, liege vermutlich auch die Lösung, wie die wirtschaftlichen Corona-Krise bewältigt werden könne: "Gemeinsam stark - Unser Zusammenhalt in der Krise!"

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