BAD NEUSTADT

Unterwegs mit einem Senkrechtstarter

Alltagstauglichkeit bewiesen: Arvid Löfflund legt mit seinem E-Auto monatlich rund 2000 km zurück. Foto: Regina Vossenkaul

Arvid Löflund, Stadtrat in Bischofsheim und langjähriges Vorstandsmitglied der Energieinitiative Rhön-Grabfeld, besitzt seit März 2015 einen Renault E-ZOE und hat seither damit pro Monat im Durchschnitt 2000 Kilometer zurückgelegt. Damit hatte er selber nicht gerechnet. „Die Frage, ob dieses Fahrzeug alltagstauglich ist, sollte damit bereits beantwortet sein“, so sein bisheriges Fazit.

„Bei uns verdrängte der ZOE unser Familienauto kurzerhand auf Platz zwei. Der spurtstarke und komfortable E-Fünfsitzer ist bei meinen drei Kindern, bei meiner Frau und bei mir sowieso Senkrechtstarter in der Familien-Beliebtheit und folglich die tägliche erste Wahl. Zudem ist er für unser Anwenderprofil auch bedingt mittelstreckentauglich, selbst mit der ganzen fünfköpfigen Familie“, sagt Löflund.

Das habe einen positiven Umwelteffekt, da das Fahrzeug je ungefähr zur Hälfte mit selbst erzeugtem Solarstrom und regenerativen Ökostrom aus dem Netz fährt und familienintern eine Verschiebung des Nutzerprofils zugunsten der E-Mobiliät erfolgt sei.

Der ZOE braucht nach Löflunds Erfahrung im Schnitt 19 Kilowattstunden pro 100 Kilometer ab Stecker. Das ist ungefähr der gleiche Energiegehalt, der in zwei Litern Benzin steckt, erklärt er. „Unser Benziner-Kangoo braucht rund acht bis neun Liter auf 100 Kilometer, also mehr als viermal so viel.“ Finanziell gesehen ist es etwas anders. Wenn man von einem Preis von rund 25 Cent für die Kilowattstunde ausgeht, dann sind das bei 19 Kilowattstunden 4,75 Euro pro 100 Kilometer.

Kostenlos nachladen

„Erfreulicherweise konnte ich bei meinen bisher getätigten Mittelstreckenfahrten – 150 bis zu 500 Kilometer pro Tag – fast immer kostenlos nachladen. Damit hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht gerechnet. Allerdings bedurfte das aber stets einer sehr sorgfältigen Planung, insbesondere im Hinblick auf die passenden Ladekarten.“ Löflund fügt aber auch an, dass man pro 100 Kilometer Strecke 25 bis 45 Minuten Ladezeit einplanen muss, bei 22 bzw. 43 Kilowatt Ladeleistung. Da es ein zunehmend dichteres E-Tankstellen-Netz und insbesondere in unserer Region auch Schnelllader gebe, ist es aus der Sicht von Löflund zunehmend einfacher Mittelstrecken ohne lange Ladeaufenthalte zu bewältigen.

„Wenn ab Anfang 2017 die Akkukapazität auf etwa 320 Kilometer (nach Test-Zyklus) steigt und der Zubau an Ladestationen insbesondere an den Autobahnraststätten weiter voranschreitet, ist - so denke ich - das Thema der Mittelstreckentauglichkeit für bezahlbare E-Fahrzeuge wie den ZOE gegessen“, sagt Löflund.

Zu den Kosten sagt der Bischofsheimer: „Die Vollkosten sind bei unserem Anwenderprofil und bei diesem Fahrzeug nicht höher als bei einem vergleichbaren Verbrenner. Hinzu kommt der Zugewinn an Fahrspaß für die ganze Familie und das bessere Umweltgewissen.“

Die Autodaten: Der Renault Zoe kostet 21 500 Euro. Dazu kommt die monatliche Batteriemiete – je nach Fahrleistung ab 49 Euro. Die Motorleistung beträgt 65 KW (88PS) bei einem maximalen Drehmoment von 220 Newtonmeter. den Sprint von 0 auf 100 schafft der ZEO in 13,5 Sekunden. die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 135 Stundenkilometern. Die Reichweite beträgt nach NEFZ-Zyklus 240 Kilometer. Das fünftürige Fahrzeug ist 1503 Kilogramm schwer und gut vier Meter lang.

Serie: E-Auto-Fahrer berichten von ihren Erfahrungen

Die Elektromobilität ist eine entscheidende Säule der Energiewende und der Begrenzung des CO2-Ausstoßes. Das ambitionierte Ziel der Bundesregierung: bis 2020 eine Million E-Fahrzeuge auf deutschen Straßen. Um das zu erreichen hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel eine Kaufprämie vom Staat von bis zu 5000 Euro ins Gespräch gebracht, oder steuerliche Anreize. Zu hohe Anschaffungspreise und Unsicherheit im Umgang mit einem E-Auto werden oft als Gegengründe angeführt.

Die landkreisweit und darüber hinaus agierende Energie-Initiative Rhön-Grabfeld (EIRG) setzt sich für eine nachhaltige Mobilitätswende ein. „Über Energie- und Mobilitätswende wird im Vorstand der EIRG nicht nur geredet, sie wird im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten auch praktiziert“, sagt Vorsitzender Helmut Schwartl dazu. Sechs der zehn Vorstandsmitglieder sind bereits „elektrisch“ unterwegs. Dabei kommt der „Kraftstoff“ möglichst aus erneuerbaren Stromquellen.

In einer Serie will diese Zeitung über die Erfahrungen von Fahrern von Elektroautos mit ihrem Fahrzeug berichten und dabei über Vorzüge und Nachteile unterschiedlicher Modelle informieren. Den Anfang macht Arvid Löflund, Stadtrat in Bischofsheim und langjähriges EIRG-Vorstandsmitglied (siehe nebenstehender Bericht).

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