Bad Neustadt

Uraufführung in Bad Neustadt: Ein Bravo reicht beileibe nicht

Anne Riegler nahm gemeinsam mit ihren Eltern Karin und Thomas Riegler den jubelnden Applaus nach der Premiere des Kindermusicals 'Joseph' in der Stadthalle entgegen.
Anne Riegler nahm gemeinsam mit ihren Eltern Karin und Thomas Riegler den jubelnden Applaus nach der Premiere des Kindermusicals "Joseph" in der Stadthalle entgegen. Foto: Stefan Kritzer

Großartig, begeisternd, beeindruckend, einfach bravourös. An wohlwollenden Worten und Superlativen gilt es nicht zu sparen bezüglich der Aufführung des Kindermusicals "Joseph" in der Stadthalle. Kantorentochter und Pianistin Anne Riegler hat ein wunderbares Erstlingsmusical vorgelegt, ihre Eltern haben dies gemeinsam mit den Kinderchören der Evangelischen Kantorei und einer großen Zahl an Mitwirkenden auf die Bühne der Stadthalle gebracht.

Die Geschichte steht im Übergang vom ersten zum zweiten Buch Mose. Der junge Joseph ist der Nachzügler in der Familie des Jakob. Seine Brüder mögen den verwöhnten aber immens schlauen und von Gott mit der Gabe des Traumdeutens gesegneten Joseph nicht und hecken einen fiesen Plan aus. Erst werfen sie ihn voller Boshaftigkeit in einen Brunnen, dann verkaufen sie ihn an eine vorbeiziehende Karawane. In der Hauptstadt des alten Ägyptens macht der schlaue Joseph schon bald Karriere, wird, nach einigen Zerwürfnissen, sogar stellvertretender Pharao. Und, weil man sich immer zweimal im Leben sieht, trifft er viele Jahre später seine Brüder wieder. Zunächst denkt Joseph an Rache, besinnt sich dann aber eines Besseren.

Eine Premiere der preisgekrönte Pianistin

Zugegeben, wo Anne Riegler in Sachen Kindermusical in die Lehre gegangen ist, ist unüberhörbar. Ihr Vater, Kantor Thomas Riegler, hat bereits etliche eigene Musicals vorgelegt, in denen Anne schon als Kind mitgewirkt hat. Mit "Joseph" hat es die mittlerweile preisgekrönte Pianistin nun selbst versucht, hat ein Kindermusical geschrieben und – das muss man nach der Premiere in der Stadthalle unumwunden sagen – ein großartiges Werk geschaffen. Eineinhalb Stunden verfolgte das überwiegend junge Publikum das Geschehen auf der Bühne der voll besetzten Stadthalle. Zum überwiegenden Teil mucksmäuschenstill. Spannungsgeladen, intensiv, gesanglich beeindruckend und keine Sekunde langweilig. Ein Bravo reicht für diese Inszenierung nicht aus.

Unter Herrscher Potifar (Annika Meußler, links) macht der schlaue Joseph (Julius Dehnel) zunächst Karriere. Szene aus der Premiere des Musicals "Joseph" in der Stadthalle.
Unter Herrscher Potifar (Annika Meußler, links) macht der schlaue Joseph (Julius Dehnel) zunächst Karriere. Szene aus der Premiere des Musicals "Joseph" in der Stadthalle. Foto: Stefan Kritzer

Eindrucksvoll verkörpert, brillant gesungen

Die Minis, Kids und Teenies der Evangelischen Kantorei singen unter Karin Rieglers Regie einmal mehr fantastisch. Überhaupt hat die Kantorin den Chor, die Instrumentalisten und die Solisten fest in der Hand. Mittendrin Julius Dehnel in der Rolle des Joseph, der die alttestamentarische Figur nicht nur eindrucksvoll verkörpert, sondern auch brillant singt. Seinen ihm übel mitspielenden Brüder verzeiht Joseph viele Jahre später, was Simeon (Hannah Möller), Juda (Fabienne Trautmann), Ruben (Sophia Glinka) und Benjamin (Nina Straub) zunächst gar nicht zu hoffen wagten. Kritisch wird es für Joseph auch mit dem Schatzmeister des Pharao, Potifar (Annika Meußler), und dessen liederlicher Frau (Marie Meußler). Erst der Pharao höchstselbst (Finja-Helene Noack) erkennt das Gute und vor allem die Intelligenz Josephs und stattet diesen mit weitreichenden Befugnissen aus.

Chöre, Solisten und ein kleines Orchester reichten aber noch lange nicht für diese Aufführung in der Stadthalle: Kinder des Hortes Brend wirkten ebenso mit wie die Tanzsportgruppe des TSV Hollstadt und eine weitere kleine Garde. Alle selbstverständlich in entsprechende Kostümierungen vor einem eindrucksvollen Bühnenbild.

Potifar (Annika Meußler, links) stattet Joseph (Julius Dehnel) mit weitreichenden Privilegien aus. Potifars Frau (Marie Meußler) spielt Joseph dann aber übel mit.
Potifar (Annika Meußler, links) stattet Joseph (Julius Dehnel) mit weitreichenden Privilegien aus. Potifars Frau (Marie Meußler) spielt Joseph dann aber übel mit. Foto: Stefan Kritzer

Im Mittelpunkt des Musicals natürlich die Musik. Und das so vielschichtig, wie das Leben im alten Ägypten nun mal war. Zwischen Jakobs Klagelied für den vermeintlich toten Sohn Joseph bis zum finalen "Ich bin Joseph" und dem "Wiedersehen" reichte die Palette von traurigen, getragenen Liedern bis hin zur Feierlaune, ergänzt mit Elementen der zeitgenössischen Musik wie im "Hunger-Rap".

Anne Riegler hat ein wunderbares Musical geschrieben

Komponistin Anne Riegler hat es geschafft, die Spannung durch die Musik über die volle Darstellungslänge aufrecht zu erhalten. Die bravourösen Leistungen der Darsteller, die Musiker hinter den Kulissen – Sopranistin Radka Loudova-Remmler unterlegte die Traumpartien mit ihrem Gesang – und das beeindruckende Bühnenbild bildeten die Basis für diese prachtvolle Uraufführung. Anne Riegler hat ein wunderbares Musical geschrieben, ihre Eltern haben es brillant auf die Bühne gebracht.

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