FLADUNGEN

VG Fladungen: Zusammenschluss hat sich gelohnt

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Bild aus bewegten Zeiten: Bei der Auszahlung des Begrüßungsgeldes im November 1989 bildeten sich lange Menschenschlangen vor dem Fladunger Rathaus. Foto: VG Fladungen

Vor 40 Jahren war es der Wunsch der Gründungsbürgermeister Raimund Goldbach (Fladungen), Rudi Dietz (Nordheim) und Albert Markert (Hausen), dass die Verwaltungsgemeinschaft Fladungen mit gebündelten Kräften effektiv als Dienstleister für die Bürger bestehen wird.

Im Rahmen der Gebietsreform war die VG am 1. Mai 1978 installiert worden – wo die Entwicklung hinführen wird, wusste damals keiner der Gründerväter. Nach 40 Jahren sind sich die heutigen Stadt- und Gemeindechefs Agathe Heuser-Panten, Thomas Fischer und Fridolin Link einig: „Für Fladungen, Nordheim und Hausen hat sich der Zusammenschluss gelohnt, wenn auch manche augenblicklichen Entscheidungen nicht für alle vorteilhaft sind.“

Von Anbeginn der Partnerschaft stellte die Stadt Fladungen die Räumlichkeiten für die Verwaltungsgemeinschaft zur Verfügung. Das Personal aller drei Gemeinden wurde übernommen, so dass die Arbeit schnell und kostengünstig starten konnte, wissen die VG-Vorsitzende Agathe Heuser-Panten und Geschäftsstellenleiter Conny Schmuck nach einem Blick ins Archiv.

Handschrift und Rechenmaschinen

Digitalisierung war zu dieser Zeit noch ein Fremdwort, die Angestellten erledigten ihre Arbeit per Hand, mit Schreibmaschinen und Rechenmaschinen. Heute ist die VG ein moderner Betrieb mit gut ausgestatteten Büros und Arbeitsplätzen in den Mauern des historischen und komplett renovierten Rathauses. 15 Personen sind in der Verwaltung beschäftigt, ein Auszubildender und ein Bautechniker verstärken seit Kurzem das Team. Hinzu kommen die gemeindeeigenen Angestellten im Bauhof, in den Kindergärten und Schulen, zusammengerechnet 65 Frauen und Männer.

Gepflegt wird in Fladungen seit jeher der bürgernahe Service, sagt Conny Schmuck. Darauf liegt auch heute, obgleich die VG mit den Jahren deutlich vergrößert wurde, das Augenmerk der Mitarbeiter. Die Anforderungen an das Team, die immer vielseitiger werden, verlangen stete Flexibilität und Weiterbildung, sagt er. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, suchen die Mitgliedsgemeinden der VG Fladungen daher gemeinsam mit acht weiteren Gemeinden im Streutal den Schulterschluss mit der Gründung der Streutal-Allianz.

Investitionen in die Kinderbetreuung

In die Zukunft investiert man in den Gemeinden auch bei der Kinderbetreuung. Bis 1966 gab es im heutigen VG-Bereich noch in nahezu jedem Ort eine Schule, bis aufgrund sinkender Schülerzahlen eine Wende eingeleitet wurde. Laut Conny Schmuck gab es fortan noch eine Schule in Fladungen für die Kinder der oberen Rhön und ein Schulhaus in Nordheim, wo die Kinder aus dem Ort und aus Neustädtles, aus Hausen und Roth sowie aus Heufurt unterrichtet wurden. Vor knapp acht Jahren wurden dann aus den Grund- und Hauptschulen Fladungen und Nordheim reine Grundschulen, ab der fünften Klasse besuchen die Schüler seither die Mittelschule in Mellrichstadt (heute Udo-Lindenberg-Mittelschule).

In Fladungen und Nordheim standen folglich die Schulhäuser zur Hälfte leer. „Wir haben schnell reagiert und in Fladungen ein Haus der Kinder konzipiert“, so Bürgermeisterin Agathe Heuser-Panten. Die Kindergärten in Fladungen und Oberfladungen wurden geschlossen und die Kinder unter einem Dach in Fladungen zusammengeführt. Der Umbau samt Sanierung ist noch im Gange, und das lässt sich die Stadt einiges kosten: Rund acht Millionen Euro fließen in den Ausbau der einstigen Volksschule in einen Campus ganz für den Nachwuchs, so Conny Schmuck. Ein stattlicher Brocken für die Stadt, auch wenn eine ansehnliche Förderung winkt.

Alle unter einem Dach

Das Haus der Kinder beherbergt eine Krippe, einen Regelkindergarten, die Grundschule und den ersten Hort der oberen Rhön. „Unter einem Dach werden knapp 120 Kinder im Alter von sechs Monaten bis zum Ende der Grundschulzeit betreut“, sagt Heuser-Panten stolz. Von 7.30 bis 16.30 Uhr sorgen allein 20 Angestellte für das Wohl der jüngsten Fladunger. Alle unter einem Dach, das birgt einige Vorteile, führt sie an: Das Gebäude wird wieder voll genutzt, und allen Kindern steht, wenn der Bau fertiggestellt ist, auch die Schulturnhalle zum Toben zur Verfügung.

Neues soll auch in Nordheim entstehen: Derzeit wird in der Rhöngemeinde der Umbau der Grundschule in ein Reich nur für den Nachwuchs geplant. Zum Schulverband gehören Nordheim mit Ortsteil Neustädtles, Hausen mit Ortsteil Roth sowie Sondheim/Rhön mit Ortsteil Stetten. 77 Kinder besuchen die Grundschule, in der eine Nachmittagsbetreuung – bislang bis 14 Uhr – angeboten wird.

Küche und längere Betreuungszeiten

Im neuen Kinderzentrum sollen zukünftig ebenfalls Krippe, Kindergarten, Grundschule und Hort untergebracht werden, so Conny Schmuck. Dabei ist nicht nur der Einbau einer Küche im Gespräch, um für die Kinder in der Nachmittagsbetreuung selbst kochen zu können, sondern auch die Erweiterung der Betreuungszeiten, um den berufstätigen Eltern entgegenzukommen. „Über kurz oder lang muss man das Angebot optimieren, um nicht auf der Strecke zu bleiben“, so Schmuck.

Das hat auch die Gemeinde Hausen getan. Dort steht für die Betreuung der Kleinsten in der Gemeinde ein Landkindergarten zur Verfügung, den etwa 20 Mädchen und Buben besuchen. Auch hier besteht, wenn auch im kleineren Rahmen, das Angebot von Krippe, Kindergarten und Hort unter einem Dach. Etwa 20 Kinder werden hier betreut, so Conny Schmuck. Er weiß, dass sich die Kinderzahlen nach einem zwischenzeitlichen Rückgang wieder stabilisiert haben, seit die Betreuungsmöglichkeiten erweitert wurden.

Hoffen auf Rückzügler

In der oberen Rhön setzt man also darauf, den Nachwuchs in der Gemeinde zu halten – möglicherweise wirkt sich das ja auch auf den langfristigen Verbleib in den VG-Gemeinden aus. Und wer zum Studium fortzieht, kommt vielleicht, wenn er selbst eine Familie gründet, gern zurück in heimische Gefilde.

An Zeiten, in denen Fladungen geradezu von Menschen überrollt wurde, können sich noch die Älteren erinnern. Den langjährig Beschäftigten in der VG wird die Zeit des Mauerfalls wohl auf ewig in Erinnerung bleiben. In der Auszahlungsstelle für das Begrüßungsgeld im Fladunger Rathaus wurden 4,6 Millionen Mark auf 42 000 Anträge an rund 105 000 Besucher aus der damaligen DDR ausgezahlt. Das war nur durch den Einsatz zahlreicher ehrenamtlicher Helfer möglich. Heute, sagt Fladungens Bürgermeisterin Agathe Heuser-Panten, erkenne man Parallelen bei der Flüchtlingsarbeit. „Das ehrenamtliche Engagement im VG-Gebiet ist sehr groß und lobenswert.“

VG Fladungen

Die Ersten im Amt: Verwaltungsamtsrat Theo Herbert war der erste VG-Geschäftsstellenleiter in Fladungen, der erste VG-Vorsitzende war Fladungens Bürgermeister Raimund Goldbach. Er hatte gemeinsam mit Nordheims Bürgermeister Rudi Dietz und Hausens Gemeindechef Albert Markert die Gründung der Verwaltungsgemeinschaft mit Sitz in der nördlichsten Stadt Bayerns begründet.

Im Bereich der VG Fladungen leben heute (Stand 31.12.2017) 4072 Bürger – 2251 in der Stadt Fladungen und den Ortsteilen Oberfladungen, Leubach, Rüdenschwinden, Brüchs, Weimarschmieden, Sands und Heufurt, 1102 in Nordheim und dem Ortsteil Neustädtles sowie 719 in Hausen und dem Ortsteil Roth. 1978 lebten noch 4519 Bürger im VG-Bereich – 2455 in Fladungen, 1264 in Nordheim und 800 in Hausen (jeweils mit Ortsteilen).

Als Bürgermeister der Gemeinden im Amt sind Agathe Heuser-Panten (Fladungen), Thomas Fischer (Nordheim) und Fridolin Link (Hausen). Folgende Aufgaben werden neben der allgemeinen Verwaltung wahrgenommen: Geschäftsführung, Kämmerei, Investitionen, Beiträge, Ordnungsamt, Bauamt, Kasse, Buchführung, Standesamt, Einwohnermeldeamt, Personalwesen, Grund- und Gewerbesteuer.

Darüber hinaus werden von der Verwaltungsgemeinschaft Fladungen folgende Zweckverbände betreut: der Abwasserzweckverband Obere Streu, der Wasserzweckverband Rother Gruppe, die Forstbetriebsgemeinschaft Obere Rhön, der Schulverband Nordheim v.d. Rhön und die Waldkörperschaft Heufurter Hecke.

Schmuck hergerichtet: Der Sitz der VG Fladungen im historischen Rathaus präsentiert sich nach der Sanierung einladend für die Bürger.
Schmuck hergerichtet: Der Sitz der VG Fladungen im historischen Rathaus präsentiert sich nach der Sanierung einladend für die Bürger. Foto: Simone Stock

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