MELLRICHSTADT

Verse von Paulus Schedius Melissus

Im Arbeitszimmer: Das Buch von Roland Schauer mit kommentierten Texten des Paulus Schedius Melissus ist geeignet, den großen Sohn Mellrichstadts einem breiteren Publikum nahe zu bringen. Foto: Fred Rautenberg

„Das weiß heute fast keiner mehr: Mellrichstadt war im 16. Jahrhundert ein Zentrum der Gelehrsamkeit. Aus dieser Stadt kamen damals nicht nur Martin Pollich, sondern auch Paulus Schedius Melissus, dessen lebenslanger Freund Andreas Mergilet, Johannes Extrophius, Weihbischof Eucharius Sang und andere damals berühmte Persönlichkeiten vor allem aus dem Klerus. Mellrichstadt muss damals eine sehr gute Lateinschule gehabt haben, die diese Blüte an Gelehrten hervorbrachte.“

Der das sagt, muss es wissen: Dr. Roland Sauer aus Bad Neustadt, jetzt Studiendirektor im Ruhestand, unterrichtete lange am Martin-Pollich-Gymnasium in Mellrichstadt in den Fächern Deutsch, Latein und Ethik.

Der ehemalige Gymnasiallehrer hat vor kurzem ein Buch über Mellrichstadts zweiten berühmten Sohn Schedius Melissus herausgebracht. Bei der Arbeit an diesem Buch vertiefte er sich intensiv in die Geistesgeschichte des 16. Jahrhunderts. Dabei erkannte er, welche geistige Potenz damals Mellrichstadt darstellte. Dem einmal genauer nachzugehen wäre nach Dr. Sauers Meinung die Sache wert. Das könnte man dann unter Umständen auch touristisch verwerten.

Sauers neueste Veröffentlichung ist ein 302 Seiten starkes Buch mit dem Titel „Francus olor – Der Schwan aus Franken“. Damit ist der bereits erwähnte Paulus Schedius Melissus gemeint, der am 20. Dezember 1539 in Mellrichstadt geboren wurde und nach einem unruhigen Leben am 3. Februar 1602 in Heidelberg starb.

Das Buch über Schedius ist, wenn man so will, ein Lesebuch mit Werken des Mellrichstädter Dichters, der 1564 von Kaiser Ferdinand I. in Wien den Ehrentitel „poeta laureatus“ (der mit Lorbeer bekränzte Dichter) erhalten hatte. Das war damals so etwas wie heute der Nobelpreis für Literatur.

Freilich, zum Schmökern eignet sich das Buch weniger. Es dürfte eher die Aufmerksamkeit von (lokal-)historisch und heimatkundlich interessierten Lesern finden. Sauer hat aus dem Riesenwerk des Schedius repräsentative Texte ausgewählt, die verschiedene Aspekte der Persönlichkeit des Dichters erhellen können. Allein das Sichten des umfangreichen Werks war schon eine Leistung. Professor Eckart Schäfer nannte es einmal in einem wissenschaftlichen Aufsatz „ein Leben in Versen“, Sauer selbst sprach in einem Schedius-Beitrag zum Heimatjahrbuch von einem „Ozean an Versen“.

Die ausgewählten Texte sind zunächst in lateinischer Originalsprache abgedruckt. Dann folgt eine Übersetzung ins Deutsche, und danach eine umfangreiche, mit unglaublicher Detailkenntnis ausgestattete, kommentierende Erläuterung des Textes, in der die zahllosen Anspielungen und biografisch-historischen Zusammenhänge aufgezeigt werden. Das ist textkritische und positivistische Forscherarbeit im besten Sinn.

Im Vorspann findet sich ein Abriss von Schedius‘ Leben und ein Inhaltsverzeichnis, in dem die ausgewählten Texte zu Gruppen zusammengefasst sind.

Das erlaubt dem Leser, das Buch selektiv zu lesen, zum Beispiel unter dem Aspekt des Privatmannes Schedius oder unter politisch-religiösem Gesichtspunkt. Lateinkenntnisse mitzubringen kann natürlich nicht schaden, aber es geht auch ohne.

Warum Sauer die große Anstrengung mit dieser Anthologie auf sich genommen hat? Bei dieser Frage lächelt er nur. „Das war für mich keine Anstrengung, sondern eine Herausforderung und ein intellektuelles Vergnügen. Besonders viel Spaß hat das Übersetzen gemacht“. Es war für ihn ein Moment der Befriedigung, wenn es ihm gelang, aus Andeutungen im Werk von Schedius die Hintergründe, Namen und Zusammenhänge zu ermitteln und seinen Lesern mitzuteilen.

Roland Sauer schließt mit seinem Buch eine Lücke, denn einen so sachkundigen und zuverlässigen Zugang zum Werk des Paul Schäd (wie Schedius bürgerlich hieß) auch für die Allgemeinheit hat es bisher nicht gegeben.

Es wird seinen festen Platz in den Universitätsbüchereien, hoffentlich aber auch in den Bibliotheken des Landkreises und seiner Gymnasien finden. Und warum nicht auch im Bücherregal von Privatleuten?

Wer will, kann das Buch zum Selbstkostenpreis von 10 Euro bei Dr. Roland Sauer in Bad Neustadt erwerben.

Die Titel Vignette zeigt das Porträt von Paulus Schedius Melissus. Foto: Repro: Rautenberg

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