BAD KÖNIGSHOFEN

Vom Siechenhaus zum modernen Seniorenheim

Der Bereich am Kirchplatz mit dem Juliusspital (rechts) ist heute noch so, wie er zu Julius Echters Zeiten gebaut wurde. Foto: Hanns Friedrich

„Freu Dich du alte schwache Schaar, Gott segnet Dich dieß Orts fürwahr. Durch Bischof Julius, deß'n Hand weißlich regiert das Frankenland, durch vierzig Jahr und baut ganz neu, viel Kirchen, Schul und andre Bau, beijnebst allhier auch dieß Spithal, bitt dass er komm in Himmelssaal.“

Datiert ist diese steinerne Niederschrift am Juliusspital in Bad Königshofen mit 1616. Das bedeutet, dass das Haus in diesem Jahr 400 Jahre steht. Seine Gründung geht auf den damaligen Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn zurück, der ein Spital für arme, alte und kranke Menschen stiftete.

Zu dieser Zeit lag das Juliusspital mitten im Herzen der historischen Festungsstadt Königshofen, heißt es in historischen Unterlagen. 1329 wird erstmals ein Spital in Unterlagen erwähnt, das allerdings außerhalb der Stadt lag, vermutlich an der Straße nach Merkershausen, der wohl danach benannten „Spitalmühle“.

Das Spital „sollte zur Aufnahme armer, alter und gebrechlicher Frauen aus der Stadt und armer Reisender, die in Königshofen erkrankt waren, dienen.“ Das kann man in einem Schriftstück von 1340 nachlesen. Dort heißt es weiter: „ Da ist ein Mabo, hie Schillersgut, daz sprechen die Burger ez were leider der Herschafft daz hat der Kelner, und sprichet der Kelner dz si das Spitals.“

Darunter dürfte zu verstehen sein, dass es sich um einen Hof durchschnittlicher Größe, der Schillersgut hieß, handelte. Diese Anlage war wohl von einer Mauer umschlossen und direkt am Tor befand sich eine Kirche, die um 1530 erbaut wurde, wie aus alten Spitalrechnungen ersichtlich ist.

Zu dieser Kirche gehörte ein Friedhof, der von einer Mauer mit zwei Eingängen umschlossen war, dazu. Links daneben befanden sich zwei Häuser, wobei in einem Bau die Küche untergebracht war. Zum Spital gehörten noch ein Kuh- und Pferdestall sowie drei Scheunen, eine Wagenhalle mit Heuboden. Hinzu kamen Garten und ein kleiner See.

In weiteren Unterlagen ist nachzulesen, dass am 15. März 1412 Otto Wolff, Domherr zu Würzburg, eine Schenkung machte, die das Spital betrifft. 1472 wird durch Bischof Rudolf von Scherenberg das Spital unter weltliche Verwaltung gestellt, die bis dahin in den Händen eines Spitalvikars lag. Die älteste Spitalrechnung stammt aus dem Jahr 1478.

Die alte Spitalanlage vor der Stadt wurde während der Belagerung Königshofens im Dreißigjährigen Krieg, im Herbst 1621, durch schwedische Truppen zerstört. In der Zeit Fürstbischofs Julius Echter wurde dann ein neues Spitalgebäude errichtet, direkt neben der Stadtpfarrkirche und damit innerhalb der damaligen fürstbischöflichen Festungsanlage. Die Bauzeit wird auf die Jahre 1594 bis 1599 datiert. Es kostete 4081 Gulden. Der Bau selbst hat sich rein baulich bis heute nicht wesentlich verändert. Im Keller befand sich ein Gewölbe mit Wasch- und Backhaus. Im Erdgeschoß waren Stuben, Kammern und Küche.

Im neuen Spital am Kirchplatz, das den Namen seines Gründers, Fürstbischof Julius Echter trägt, und 1616 offiziell in Betrieb ging, galten strenge Lebensregeln für die sogenannten „Pfründner“. Soweit sie körperlich dazu in der Lage waren, sollten sie möglichst täglich die Messe besuchen sowie eine Mittagspredigt und die Vesper.

Tischgebete mussten verrichtet werden und es musste für die Anliegen der Christenheit, für die Stifter und Wohltäter gebetet werden. Bis in die Zeit um 1960 gingen die Heimbewohner täglich um 14.45 Uhr in die Stadtpfarrkirche, um für die Wohltäter zu beten. Dazu läutete eigens eine Glocke und in der Kirche waren Bänke im rechten Seitenschiff mit der Aufschrift „Pfründner des Spitals“ ausgewiesen.

An Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Maria Geburt und Christi Himmelfahrt waren Beichte und Kommunion vorgeschrieben. Die Bewohner waren verpflichtet, sich untereinander friedlich zu verhalten und sich gegenseitig in Krankheit und Not zu unterstützen.

Gäste waren nicht willkommen

Untersagt war es den Heimbewohnern, Gäste, Freunde und Kinder einzuladen. Das Spital durfte nur zum Kirchgang verlassen werden. Aber auch das war festgelegt: Die Pfründner des Spitals hatten das Recht, sich bei den Beamten zu beschweren, wenn nicht ausreichend Kost gereicht wurde oder sonstige Missstände auftraten.

Interessant: Beim Eintritt in das Juliusspital Königshofen musste jeder Pfründner einen Eid ablegen, der heute noch dem vorhandenen Stiftungsbrief beiliegt. Daraus ist ersichtlich, dass eine Aufnahme in das Haus als Gnade des Landesherrn anzusehen war. Zur Versorgung der Insassen hatte das Spital verschiedenen Grundbesitz, außerdem entsprechendes Kapital.

In den folgenden 200 Jahren der Spitalgeschichte wurde ein Spitalhof in der Kellereistraße errichtet. Um 1800 wurde das Spital umfassend renoviert. Die Kosten beliefen sich damals auf 6256 Gulden. Ab den 1980er Jahren wurde das Haus Stück für Stück grundlegend saniert und erweitert und ist heute ein modernes Alten- und Pflegeheim. Es steht heute unter der Leitung von Manfred Bühner und orientiert sich ganz auf die Bedürfnisse des Einzelnen und zwar in der Pflege und Betreuung, in Zusammenarbeit mit den Angehörigen und Betreuern.

Ganz anders als zu Julius Echters Zeiten können die Heimbewohner Gäste empfangen. Manfred Bühner: „Die Bindung an die Familie ist für viele unserer Bewohner von großer Bedeutung. Aus diesem Grunde stehen die Türen unseres Alten- und Pflegeheimes den Angehörigen jederzeit offen; besondere Besuchszeiten kennen wir nicht.“

Das Haus hat heute 57 Pflegebetten. Alle Zimmer können nach Absprache mit der Heimleitung mit Möbeln aus den bisherigen Wohnungen ausgestattet werden. Jede Etage hat ein Stationsbad und ist behindertengerecht über einen Aufzug zu erreichen. Das Haus soll durch das Engagement aller, einen christlichen, familiären Charakter ausstrahlen, sagt Heimleiter Bühner.

An Julius Echter erinnern Wappen über den Eingängen. Unten zwischen den Schriftblöcken ist die Jahreszahl 1616 zu erkennen. Foto: Hanns Friedrich

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