Bad Neustadt

Vor Gericht: Wenn Gefühle in Gewalt umschlagen

Im Streit um eine Frau gerieten zwei Schausteller aneinander. Dabei soll der eine dem anderen mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Der Vorfall wurde nun am Bad Neustädter Amtsgericht verhandelt. Foto: Karl-Josef Hildenbrand, DPA

Liebe und Eifersucht spielten eine Rolle bei einen Vorfall mit einer schweren Körperverletzung, die jetzt am Amtsgericht in Bad Neustadt verhandelt wurde. Im Zentrum stand ein Ereignis, für das sich ein 38-Jähriger aus dem Raum Thüringen zu verantworten hatte. Dem Schausteller warf die Staatsanwaltschaft vor, einem etwa gleichaltrigen Berufskollegen im Mai 2018 auf dem Festplatz von Bad Neustadt mit mehreren Schlägen massive Kopfverletzungen zugefügt zu haben.

Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass der Beschuldigte seinem Opfer dreimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen hat.  Dabei wurde der Mann so schwer verletzt, dass er mehrere Gesichts- und Kieferoperationen über sich ergehen lassen musste, über ein halbes Jahr krank geschrieben war und einen Teil seiner Sehkraft eingebüßt hat. Die Beeinträchtigungen seien sogar soweit gegangen, dass er eines von zwei Fahrgeschäften, das die Familie betrieb, aufgeben musste.    

Angeklagten kann keinen Grund für sein Verhalten nennen

Der Angeklagte äußerte sich zunächst nicht, vielmehr beteuerte sein Anwalt, dass sein Mandant nur einmal, und das mit der flachen Hand, zugeschlagen habe. Über den Ablauf der Ereignisse herrschte allerdings weitgehend Einverständnis. Danach war das Opfer mit dem Lkw von Thüringen kommend mit seiner Lebensgefährtin auf den Festplatz gefahren.

Unmittelbar nach dem Ausstieg erschien auch schon der Angeklagte, der wegen eines Geburtstags eines gemeinsamen Bekannten nach Bad Neustadt gekommen war. Unvermittelt habe der 38-Jährige den Mann angegriffen, mit dem er einst befreundet war. Einen Grund für sein Verhalten gab der Angeklagte nicht an.

Zeuge bleibt der Verhandlung fern - Ordnungsgeld ist die Folge

Während die Lebensgefährtin des Opfers als Zeugin von mehreren Schlägen mit der Faust sprach, beteuerte hingegen die bei dem Vorfall anwesende Freundin des Angeklagten, nur einen Schlag mit der flachen Hand gesehen zu haben. Die junge Frau gab außerdem an, dass die Lebensgefährtin des Angegriffenen – mit der der Angeklagte vor mehreren Jahren liiert war – sie mit E-Mails und Textnachrichten belästigt und provoziert habe, was letztendlich das Verhalten des Angeklagten ausgelöst habe. Die Beschuldigte bestritt allerdings, jemals irgendwelche Nachrichten verschickt zu haben.

Ein Zeuge, der den Vorfall beobachtet haben soll und ebenfalls aus dem Schaustellergewerbe stammt, war nicht erschienen und erhielt deswegen ein Ordnungsgeld. Der Staatsanwalt mutmaßte, dass das Fehlen vielleicht damit zusammenhänge, dass gegen den Betroffenen ein Haftbefehl vorliege und er vielleicht mit Schwierigkeiten rechne, wenn er erscheint.

Staatsanwalt fordert Haftstrafe auf Bewährung

Der Angeklagte entschuldigte sich für die Folgen, blieb aber bei der Version mit der flachen Hand. Der Anwalt versuchte noch eine Einstellung zu erreichen und den Vorfall auf dem Wege einer finanziellen Entschädigung zu lösen, was der Staatsanwalt wegen der Schwere der Verletzungen zurückwies.

Außerdem sei das Opfer auch noch völlig unschuldig an den Vorgängen. Der Staatsanwalt forderte vielmehr eine achtmonatige Haftstrafe, die jedoch zur Bewährung ausgesetzt werden könnte, weil der Angeklagte strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten war. Außerdem soll der Beklagte ein Antigewalttraining absolvieren.      

Beklagte muss eine Antigewalttraining absolvieren

In einem längeren Plädoyer versuchte der Anwalt den Gewaltausbruch zu relativieren und führte Gerichtsurteile auf, in denen ähnliche Ereignisse nicht als schwere Körperverletzung eingeordnet worden seien. Er plädierte vielmehr auf eine Einstellung und Zahlung einer größeren Entschädigung.

Die Richterin folgte jedoch weitgehend der Argumentation des Staatsanwalts und verhängte eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung sowie eine Zahlung von 5000 Euro an die Geschädigten und ordnete das Antigewalttraining an.

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