BISCHOFSHEIM

Wandertour zum Himmeldunkberg in der Rhön

Diese Rhöner Kuppe, die in den Himmel oberhalb von Bischofsheim eintaucht, hat nicht nur in ihrem Namen etwas Himmlisches, eine Tour dorthin hat durchaus auch höllische Aspekte.
Das Ziel vor Augen: Weitgehend kahl ragt die Kuppe des Himmeldunks in den Rhöner Himmel. Foto: Thomas Pfeuffer

Manche Wege führen in den Himmel, viele zur Hölle. Zum Himmeldunkberg sind es genau drei. Diese Rhöner Kuppe, die in den Himmel oberhalb von Bischofsheim eintaucht, hat nicht nur in ihrem Namen etwas Himmlisches, eine Tour dorthin hat durchaus auch höllische Aspekte.

Den Wegen hoch zum Himmeldunk ist eines gemeinsam: Sie sind mit dem Auto praktisch nicht befahrbar. So ist der Himmeldunk ein unbekannter Rhönberg geblieben. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen ist er für viele eine der schönsten Erhebungen der Rhön. Im Regelfall erreicht man die Kuppe am südwestlichen Ende der Langen Rhön über die Schwedenschanze an der B 279 oder über Oberweißenbrunn. Unsere Tour startet am Jagdschloss Holzberghof bei Bischofsheim (Lkr. Rhön-Grabfeld).

Ein blaues Dreieck begleitet den Wanderer durch Wiesen und Weiden. Dann erblickt man in der Ferne die 887 Meter hohe Kuppe. Nun taucht der Wanderer in einen Mischwald ein, der zwar die Aussicht nimmt, aber viele optische Reize bietet. Es geht bergab, vorbei an einem Teich und dann über das „Moorwasser“. Nach einem kurzen Anstieg ist die B 278 erreicht. Wenige Meter links lockt das „Rhönhäuschen“, die ehemalige königlich bayerische Zollstation mit einem gehobenen gastronomischen Angebot.

Wanderung zum Himmerdunk Foto: Thomas Pfeuffer

Unser Weg führt nach rechts, bis er nach links in den Wald abknickt. Unterhalb einer großen Weide erblickt man den Parkplatz Schwedenwall. Hier wechseln wir auf den Rundwanderweg 1 und folgen dem Schild, das in 1,1 Kilometern Entfernung das Erreichen der 893 Meter hoch gelegenen „Hohen Hölle“ ankündigt. Bei der Steigung mit herrlichem Panoramablick versteht mancher, warum die Erhebung den höllischen Namen trägt. Allerdings klärt mitten am Berg eine – dank Atemnot – häufig gelesene Tafel darüber auf, dass „Hölle“ in diesem Fall etwas mit „Höhl“, also mit einer mittelalterlichen Wehranlage zu tun hat.

Im Dreißigjährigen Krieg haben Schweden hier die Passstraße über die Rhön abgesichert, worauf die Namen Schwedenschanze und Schwedenwall verweisen. Grenzsteine belegen, dass auch Preußen und Bayern hier aneinandergrenzten. Heute bildet der Himmeldunk die Grenze zwischen Bayern und Hessen. Auf dem Weg wird man Zeuge eines naturschützerischen Großversuchs. Wie in anderen Kernzonen des Biosphärenreservats werden Fichten gerodet. Hier sollen die Urwälder der Zukunft entstehen.

Sehenswert: die Teufelsmühle Foto: Thomas Pfeuffer

Hat man die Steigung überwunden, sieht man von Ferne eine Schutzhütte. Es handelt sich um das bekannteste Buswartehäuschen der Rhön. An der Haltestelle „Hohe Hölle“ hat noch nie ein Bus gehalten. Nun sind es noch 300 Meter zum Himmeldunk-Gipfel. Herrliche Natur, himmlische Ruhe und ein sensationeller Ausblick. Das war alle Mühen wert. Eine Wanderbank lädt zum Rasten und Genießen des Fernblicks nicht zuletzt auf den nahen Teufelsberg, ein.

Passt die Thermik, sieht man Modellsegler. Die sind ein Beispiel, dass der Berg immer wieder im Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Freizeitgestaltung steht. Einerseits gilt er als ökologisch einzigartig, andererseits ist er attraktives Ziel für Ausflügler. Es gab viel Streit zwischen Naturschützern und Modellsegelfliegern, der mit dem Kompromiss endete, dass der Modellflug eingeschränkt möglich ist.

Wanderung zum Himmerdunk Foto: Thomas Pfeuffer

Wir müssen uns jetzt entscheiden. Gehen wir vom Rastpunkt einen nicht ausgeschilderten Trampelpfad entlang der Höhe mit ihrer herrlichen Aussicht bis wir nach einer Panoramatafel die „Würzburger Hütte“ erreichen? Oder laufen wir auf der sicheren, aber nicht so attraktiven Seite zurück zur Hohen Hölle, bleiben auf dem Weg Nummer 8 und biegen nach rechts auf einen Schotterweg, wo hinter einer Schranke die Hütte zu sehen ist?

Die urige Hütte ist nur an Samstagen und Sonntagen geöffnet und wird von Helfern der Würzburger Bergbund-Sektion des Alpenvereins bewirtschaftet. Seine Brotzeit muss man selbst mitbringen, aber Getränke werden angeboten. Wer auch sein Bier selbst mitbringt, muss „Stöpselgeld“ entrichten.

Nun geht es über die Schotterpiste zurück bergab, bis der Rundweg 6 erreicht ist. Links liegt die Gibitzenhöhe, auf der rechten Seite lässt sich eine „Multispezies-Beweidung“ mit Pferden, Eseln, Schafen und Ziegen beobachten. Es geht nach Bischofsheim.

Wer Interesse hat, kann einen Abstecher in das Städtchen machen. Wir überqueren die B 278 und erreichen einen Hochbehälter. Hier wechseln wir auf den Rundwanderweg 1 in Richtung Ebertsholz. Bald ist das Schwarzbachtal und als Markierung der blaue Tropfen erreicht. Es geht lange bergauf. Doch die Anstrengungen werden durch die herrliche Umgebung mehr als kompensiert. Der Schwarzbach gluckert über Basaltblöcke ins Tal. Dafür, dass es nicht zu heiß wird, sorgt ein alter Baumbestand. Besonders idyllisch – die „Teufelsmühle“, ein kleiner Wasserfall, dessen teuflische Sagengeschichte an einer Tafel erzählt wird.

Nun nähert sich unsere Tour über Hölle, Himmel und Teufel dem Ende. Der Holzberghof ist bald erreicht. Auch wenn der Berg den Namen Himmeldunk trägt, hat das mit dem Eintunken in den Himmel nichts zu tun. Als er 1059 erstmals erwähnt wurde, trug er den althochdeutschen Namen Hugimuododung, was „Berg der Frau Hugimuod“ bedeutet – eigentlich schade.

Anfahrt und Tipps

Den Parkplatz am Jagdschloss Holzberghof als Startpunkt für die etwas mehr als 16 Kilometer lange, mittelschwere Wanderung erreicht man über Bischofsheim. Sowohl aus Richtung Autobahnausfahrt Bad Brückenau/Wildflecken wie auch aus Bad Neustadt kommend nutzt man dazu auf der B 279 die Abfahrt Richtung Fladungen/Hochrhönstraße. Nach etwa vier Kilometern ist der Abzweig gut ausgeschildert.


Es ist empfehlenswert, eine Wanderkarte oder eine elektronische Orientierungshilfe dabeizuhaben. Einkehrmöglichkeiten gibt es am Holzberghof, am Rhönhäuschen und in der Würzburger Bergbundhütte.

 
 

Rückblick

  1. Wanderung in die Wald-Einsamkeit zum Forsthaus Aurora
  2. Wandern zu den Mühlen: Wie Perlen auf einer Schnur
  3. Museumsbesuch: Wo Persil-Dame auf Marlboro-Man trifft
  4. Gemüse-Raritäten: Kräuter, Kraut, Rüben und Geschichten
  5. Wanderweg: Immer dem Rotweinglas folgen
  6. Die Heldburg: Das Ende des Dornröschenschlafs
  7. Ein Feuchtgebiet inmitten von Flugsand
  8. Franziskusweg: An der Thüringer Hütte zur Besinnung kommen
  9. Schönrain: Die einsame Ruine im Spessart
  10. Ausflugstipp: Mit dem Rad durch die Rhön und das Grabfeld
  11. Kronach: Die kleine Perle in Oberfranken
  12. Vom Steinbruch zum Erlebnispfad
  13. Technikmuseum: Vom Mini-Radio bis zur Dampfmaschine
  14. Wandertour zum Himmeldunkberg in der Rhön
  15. Im Paddelfieber auf der Saale
  16. Der Bamberger liebste Burg
  17. Badespaß im Main bei Schweinfurt
  18. Wasserbüffel im Naturpark Spessart
  19. Erlebnispfad Tretzendorfer Weiher
  20. Die Gamburg im Taubertal
  21. Die Gartenschau in Alzenau
  22. Gastronomische Ziele krönen die Rhönwanderung
  23. Radtouren auf dem historischen Rennweg
  24. Wild und Wald am Klaushof in Bad Kissingen
  25. Traumrunden im Landkreis Kitzingen: Castell ist dabei
  26. Mit dem Lama durch Rhön-Grabfeld
  27. Frauental: Wie eine Zeitreise ins Mittelalter
  28. Floßfahren an der Badebucht
  29. Genussroute: Das Paradies der Weinkönigin

Schlagworte

  • Kreuzberg
  • Thomas Pfeuffer
  • Jagdschloss Holzberghof
  • Schönste Orte Frankens
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!