Mellrichstadt

Warum Mellerscht ganz nah am Nockherberg liegt

Beim Derbleck'n in Mellrichstadt lief Bruder Oscarius zur Hochform auf. Eine Ode an die Heimat feierte Premiere, und die Bürgermeisterkandidaten lieferten sich ein Duell.
Fastenprediger Oscarius und seine Engel ließen es beim Derbleck'n der Freien Wähler am Samstagabend in der Oskar-Herbig-Halle in Mellrichstadt krachen.
Fastenprediger Oscarius und seine Engel ließen es beim Derbleck'n der Freien Wähler am Samstagabend in der Oskar-Herbig-Halle in Mellrichstadt krachen. Foto: Simone Stock

Voll besetztes Haus, zünftige Blasmusik, der Duft von Schäufele und Weißwürscht in der Luft und das Maß Bier auf dem Tisch: Beim Derbleck'n der Freien Wähler Mellrichstadt war beste Starkbierfest-Atmosphäre angesagt. Die Nachfrage nach Karten war so groß, dass kurzerhand noch der Anbau der Oskar-Herbig-Halle mit Tischen und Stühlen bestückt wurde. Und die Stimmung war famos. Kein Wunder, dass eine Besucherin beim Blick in den Saal begeistert schwärmte: "Das ist hier ja fast so wie auf dem Nockherberg."

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7. Mellerschter Derbleckn

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Bieranstich, Derblecken, Singspiel: In der Tat, vor den Münchner Granden müssen sich die Mellerschter nicht verstecken. Stadtchef Eberhard Streit platzierte drei gezielte Schläge, dann floss das Bier in die Krüge. Fastenprediger Oscarius – Ralf Hartmann in seiner Paraderolle – wusste gezielte Pointen in Richtung Lokalpolitik zu setzen, war im Wahljahr aber recht milde gestimmt. Es blieb zu jeder Zeit fair, das wussten auch die Bürgermeisterkandidaten von CSU und SPD anzuerkennen. Zu guter Letzt entpuppte sich FW-Bürgermeisterkandidat Michael Kraus, der erstmals als Aloysius III auf der Bühne stand, als echtes Gesangstalent und sang eine Liebes-Hymne an Mellrichstadt, bei der am Ende der ganze Saal mit einstimmte.

"Aus Mellerscht will kenner weg"

Schon der Einzug von Bruder Oscarius und seiner großen Engelschar riss das Publikum von den Sitzen. Die Gäste aus Neuscht klatschten begeistert mit: FW-Landtagsabgeordneter Gerald Pittner, Bürgermeister Bruno Altrichter und FW-Bürgermeisterkandidat Michael Werner gingen voll mit. Und die Mellrichstädter zeigten sich selbstbewusst: "Hier aus Mellerscht will kenner weg, vor Neuscht müsse mer uns net mehr versteck", rief Aloysius III in den Saal. Vom Landkreis hingegen ließ sich keiner blicken. Das konnten die Mellerschter aber verschmerzen, denn Hubsi Aiwanger hatte statt seiner selbst ein (natürlich fingiertes) Schreiben geschickt, das Oscarius im perfekten niederbayerischen Dialekt vorlas und in dem er den scheidenden Bürgermeister Eberhard Streit zu seiner schönen Stadt und seinem großartigen Wirken gratulierte.

Setzten sich beim Bürgermeister-Triell gut in Szene: die drei Mellrichstädter Bürgermeisterkandidaten (von links) Michael Kraus (FW), Wolfgang Stahl (SPD) und Frank Vetter (CSU).
Setzten sich beim Bürgermeister-Triell gut in Szene: die drei Mellrichstädter Bürgermeisterkandidaten (von links) Michael Kraus (FW), Wolfgang Stahl (SPD) und Frank Vetter (CSU). Foto: Simone Stock

Oscarius beleuchtete die Stadtpolitik der letzten Jahre und setzte dabei auch sein Gesangstalent in Szene. "Mellerscht, Mellerscht das Zentrum der Streu. Wir sind die Perle im Landkreis, das ist doch nicht neu!" sang er zu den Klängen von Sierra Madre, und die Engelschar stimmte fröhlich ein. 

Lokalkolorit bei der Lokalpolitik

Was in Mellrichstadt allerdings noch fehlt, ist die Erlebnisgastronomie. Ab zehn Uhr abends, krittelte der Fastenprediger, sind die Gehsteige hochgeklappt. Wenngleich ein Lokal am Marktplatz seit kurzer Zeit wieder Gäste hat. "Fürs Café Moritz ist gewiss, dass dies 'ne Vetternwirtschaft ist", ließ Oscarius mit Blick auf das Wahlkampflokal der CSU und Bürgermeisterkandidat Frank Vetter verschmitzt verlauten. Auch dessen Straßenwahlkampf mit Schokolade fürs Wählervolk nahm er aufs Korn: "Mit Äpfeln, Schoko, Mandelkern fängt der schwarze Mann euch gern", rief er ins Publikum.

Sorgten mit Wortwitz für beste Unterhaltung: Dorothee Digital-Bär (Heike Hartmann) und Ralf Hartmann als Altbürgermeister von Mellrichstadt.
Sorgten mit Wortwitz für beste Unterhaltung: Dorothee Digital-Bär (Heike Hartmann) und Ralf Hartmann als Altbürgermeister von Mellrichstadt. Foto: Simone Stock

Vom Wahlkampf der SPD hat der Mönch hingegen noch fast nichts gesehen. Da konnte er sich eine Spitze nicht verkneifen: "Die anderen mit der Farbe rot schweigen wir am besten tot." Das wollte Bürgermeisterkandidat Wolfgang Stahl so nicht auf sich sitzen lassen, zu späterer Stunde legte er sich beim Bürgermeister-Wettstreit mächtig ins Zeug.

Eine Hymne fürs Streutal

Fastenprediger Oscarius bestach mit einem weiteren furiosen Auftritt, als er in die Rolle des scheidenden Bürgermeisters schlüpfte. In einer Spitzen-Gesangseinlage machte er aus Frank Sinatras Songklassiker "I did it my way" die Eberhard-Streit-Hymne "Ich tat's fürs Streutal" und erntete damit die ersten Zugabe-Rufe des Abends. Weniger begeistert zeigte er sich vom Besuch der Digitalministerin Dorothee Bär (Heike Hartmann). "In den seltenen Fällen, wo man noch von Ihnen hört, wäre es auch besser, man würde nichts hören", kommentierte er unter Gelächter des Publikums. Weil's in Berlin nicht so richtig läuft, schielte die Staatsministerin gar Richtung Bürgermeisterposten in Mellrichstadt.

Entpuppte sich als echtes Gesangstalent: Michael Kraus sang eine Ode an seine Heimat Mellrichstadt.
Entpuppte sich als echtes Gesangstalent: Michael Kraus sang eine Ode an seine Heimat Mellrichstadt. Foto: Simone Stock

Doch hier bewerben sich schon drei Kandidaten um die freie Stelle. Wer macht das Rennen? Bruder Oscarius ließ die Männer zum Dreikampf, dem Bürgermeister-Triell, antreten. Ganz in Manier großer Boxkämpfe schlüpften Michael Kraus, Frank Vetter und Wolfgang Stahl in bereitgestellte Mäntel und legten sich für die Gunst des Publikums mächtig ins Zeug. Ob bei Wortspielen, Dalli-Klick oder beim Spendensammeln fürs Schwimmbad: Die Kandidaten verkauften sich alle hervorragend und sorgten mit viel Wortwitz für beste Unterhaltung. Am Ende sammelten alle drei Kandidaten in drei Minuten fast 1000 Euro fürs Schwimmbad ein und wurden vom Publikum entsprechend gefeiert.

Abschied aus dem himmlischen Chor

Während die einen vom Bürgermeistersessel träumen, hieß es für fünf Engel an diesem Abend Abschied nehmen: Barbara Böhm, Robert Mack, Oliver Thiele, Robert Pöche und Thomas Dietz als Aloysius II stehen nicht mehr zur Wahl und durften, von Oscarius mit sehr persönlichen Worten verabschiedet, auf Wolke sieben Platz nehmen. Dazu gesellte sich auch sein Co-Autor Thomas Erhard. "Er entschwindet mit den Kameraden. Ich werd ihn vermissen, meinen roten Faden", sang der Mönch wehmütig hinterher. Mit Stanzerl stellte er die neuen Stadtratskandidaten vor und rührte beim Wahlvolk die Werbetrommel für die Freie-Wähler-Schar. Einer tat sich gar als Zauberlehrling hervor: Erzengel Michael (Mühlfeld) füllte die Verkleidungspause von Oscarius zum Altbürgermeister mit einer Reihe Zaubertricks, wobei auch das Publikum einbezogen wurde.

Zum Abschluss des fulminanten dreistündigen Programms packte FW-Bürgermeisterkandidat Michael Kraus sein Bekenntnis zu Mellrichstadt in ein Lied und sang eine Ode an seine Heimat, in die schließlich der ganze Saal einstimmte: "Mellrichstadt, da simmer her, und mir ham des Gefühl, dass wir hier daheim sind immer mehr. Mellrichstadt, wann immer ich zurück komm von irgendwo, kann mich nix überraschen und wenn ich wen brauch, is einfach wer da." 

Mit Witz und guten Pointen gepunktet

Der Saal tobte, als sich Oscarius und seine Engelschar von der Bühne verabschiedeten. Die Los Krawallos hielten die Stimmung hoch, so dass viele Gäste noch lange gesellig beisammen saßen. "Es war einfach klasse heute", lobte Gerald Pittner nach dem Derbleck'n die gelungene Show in Mellrichstadt. Zum dritten Mal war der Landtagsabgeordnete schon bei der Mellerschter Fastenpredigt und zollte vor allem Bruder Oscarius größten Respekt: "Es ist eine Kunst, die Leute durch den Kakao zu ziehen, ohne dass sich jemand auf den Schlips getreten fühlt", lobte Pittner. "Auf diese Veranstaltung kann Mellrichstadt stolz sein."

Beste Stimmung herrschte beim Derbleck'n der Freien Wähler am 29. Februar 2020 in der Oskar-Herbig-Halle in Mellrichstadt.
Beste Stimmung herrschte beim Derbleck'n der Freien Wähler am 29. Februar 2020 in der Oskar-Herbig-Halle in Mellrichstadt. Foto: Simone Stock

Bad Neustadts Bürgermeister Bruno Altrichter zeigte sich beeindruckt vom Engagement und dem künstlerischen Hintergrund der Freie-Wähler-Gruppe. Er freute sich, dass vor allem das lokale Geschehen und nicht die große Politik im Mittelpunkt stand. Eine tolle Aktion nannte er das Bürgermeister-Triell: "Die Kandidaten haben super mitgemacht und mit Witz und guten Pointen gepunktet", lobte Altrichter. Und kündigte an, dass er beim 8. Derbleck'n in zwei Jahren wieder gerne Gast in der Stadt an der Streu ist.

Mellrichstadts Bürgermeister Eberhard Streit war mit dem Abend rundum zufrieden. Die Pointen von Bruder Oscarius waren fein gesetzt, das Niveau hoch. "Es war ein tolles Derblecken, bei dem deutlich wurde, dass hier kein Wahlkampf im Sinne des Wortes betrieben wird, sondern dass sich alle Kandidaten für Mellrichstadt bewerben. Und das finde ich einfach wunderbar!"

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