Bad Königshofen

Wasserversorgung Grabfeld: Der Landrat hat ein gutes Gefühl

Eine große Delegation war am 14. Januar zu einem Besuch im bayerischen Umweltministerium, um über die zukünftige Versorgung zu sprechen. Von woher soll das Wasser kommen?
Sichere Trinkwasserversorgung im Grabfeld: Von allen Seiten wird ein künftiger Bezug von der Fernwasserversorgung Oberfranken favorisiert.  Foto: Oliver Berg

"Ich habe ein sehr gutes Gefühl, wir werden zügig weiterkommen", erklärte ein entspannt wirkender Landrat Thomas Habermann bei der jüngsten Zusammenkunft der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Wasserversorgung im Grabfeld. Habermann  hatte am Montagnachmittag im Sitzungssaal des Rathauses quasi einen Stopp eingelegt, war er doch wieder auf dem Weg nach München, wo er am Abend beim Neujahrsempfang des Umweltministeriums Gelegenheit hatte, mit Umweltminister Thorsten Glauber und Claus Kumutat, dem Leiter des Landesamtes für Umwelt, erstmals zum Thema zu sprechen. Beide Stellen werden jetzt die notwendigen Unterlagen erhalten, anschließend sind Gespräche geplant, an denen auch die  Wahlkreisabgeordneten Steffen Vogel (CSU) und Gerald Pittner (Freie Wähler) teilnehmen werden.

Doch erst mal Schritt für Schritt: Der Optimismus des Landrats speist sich aus der breiten Unterstützung für die  Grabfeld-Delegation Mitte Januar bei deren Besuch in der Landeshauptstadt. "Alle seien sich einig gewesen, dass dringender Handlungsbedarf bestehe", betonte Habermann. Von Seiten des Wasserzweckverbands Mitte waren Vorsitzender Thomas Helbling und dessen Stellvertreter Georg Rath dabei. Dazu kamen Vertreter aller Fachbehörden und Andreas Baur vom gleichnamigen Planungsbüro, der die Sachlage ausführlich erläuterte.          

Wasser aus Oberfranken wird ganz klar favorisiert

"Das war sehr, sehr positiv", betonte Habermann in Bezug auf die Arbeitsatmosphäre. Um es kurz zu machen, die klar favorisierte Lösung ist nach Habermanns Worten der künftige Wasserbezug von der Fernwasserversorgung Oberfranken mit Sitz in Kronach. Die verfüge über viele Reserven und mehr als genügend Wasser, um den jährlichen Gesamtbedarf von mehr als 800 000 Kubikmeter in das Grabfeld zu liefern. Aus dem Rennen ist damit die Talsperre Schönbrunn in Thüringen, wo man an die Kapazitätsgrenze gestoßen wäre. Zudem spielt auch die recht instabile politische Situation im Nachbarland eine Rolle, wie der Landrat deutlich machte. Schon länger aus dem Kreis der möglichen Lieferanten ausgeschieden war Mellrichstadt, weil von dort maximal 330 000 Kubik hätten bezogen werden können. 

Spontan erklärten auch die ARGE-Mitglieder einstimmig, dass sie Wasser aus Oberfranken beziehen möchten. Die formelle Entscheidung darüber muss aber noch fallen. Es mache ja keinen Sinn, hier noch eine Erschließung zu versuchen, weil es sich ja immer um den selben Grundwasserspiegel handeln würde, meinte dazu Bad Königshofens Stadtoberhaupt Thomas Helbling. Großeibstadts Bürgermeister Emil Sebald erinnerte daran, dass der Anschluss an den Verband schon vor 20 Jahren für damals fünf Millionen D-Mark möglich gewesen wäre. Bei einem Bürgerentscheid, an dem 52 Prozent der Stimmberechtigten teilnahmen, votierten aber damals in Bad Königshofen über 92 Prozent für die Beibehaltung der eigenen Versorgung. In Aubstadt, Großbardorf und Trappstadt sah das Ergebnis ähnlich aus.

Schon einmal lehnte die Bevölkerung einen Anschluss an die Fernwasserversorgung ab 

Landrat Habermann kann  sich eine ähnlich ablehnende Haltung der Bevölkerung heute nicht vorstellen. "Alle Kriterien haben sich deutlich verschlechtert", betonte er und erinnerte daran, dass Bad Königshofen den traurigen Rekord hält, 2019 die niederschlagsärmste Gemeinde Bayerns gewesen zu sein. "Wir sind die Sahara in Bayern", betonte Sebald und glaubt, dass die Leute damals falsch informiert gewesen sind.

Trotzdem bleibe zu klären, ob alle Brunnen stillgelegt werden müssten. Habermann glaubt, dass dies von Fall zu Fall entschieden werden müsste und Brunnen mit geringer Schüttung oder Belastungen vom Netz gehen würden. Für Georg Rath stellt sich allerdings angesichts der Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren eher die Frage, ob die Brunnen noch so lange mitmachen, bis eine neue Versorgung zur Verfügung stünde.       

Wie viel kostet das und wer soll das alles bezahlen?

Bleibt vor allem die Frage: Wer soll das alles bezahlen? Für Landrat Haberman ist klar, dass die Bürger durch eine Entscheidung für die Fernwasserversorgung Oberfranken nicht sehr viel stärker belastet werden dürften als durch eine andere Lösung. Klar ist aber auch, dass die Dimension des Vorhabens gängige Förderprogramme wie die RZWas 2018 zur Sanierung kommunaler Trink- und Abwasseranlagen in Härtefällen bei weitem übersteigt. Deswegen sei für das Projekt eine Sonderförderung notwendig, die aber nicht den Charakter eines Präzedenzfalls bekommen dürfe und mehrere andere Gebiete ähnliche Forderungen aufstellen könnten.

Habermann sieht hier aufgrund der zunehmenden Trockenheit aber wenig Gefahren. Zudem könnte für die Zukunft durch eine Erschließung des Raums eine große Versorgungssicherheit über das Grabfeld hinaus gewährleistet werden. "Vielleicht braucht Schweinfurt ja auch mal Wasser." Geklärt werden müsse auch der Beitrag des Fernwasser-Zweckverbandes, denn eine Erweiterung ins Grabfeld hinein bedeute ja auch einen Mehrwert für den Lieferanten.

Habermann machte aber auch deutlich, dass es jetzt darauf ankomme, dran zu blieben, ohne Dinge zu überstürzen. Ein Planungsauftrag, der allein im Millionenbereich liegt, könne erst erfolgen, wenn die Zuschussfrage geklärt sei. Klar sei auch, dass die Verwaltungen der VG oder der Stadt das Vorhaben nicht stemmen können, so der Landrat weiter. "Solche Projekte hat man nur einmal in 50 Jahren."   

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