Willmars

Wasserversorgung in Willmars: Bürger fürchten hohe Kosten

Mit der Verlegung der Wasser-Anschlussleitung von Völkershausen an das System des Wasserzweckverbands Willmarser Gruppe wurde im Herbst 2018 begonnen, wie auf dem Archivbild am Lappberg zu sehen. Foto: Fred Rautenberg

Die Teilnehmer der Bürgerversammlung von Willmars trauten wahrscheinlich ihren Augen nicht, als Bürgermeister Reimund Voß die Zusammenkunft eröffnete. Statt mit den üblichen Zahlen und Fakten aufzuwarten, erstrahlten Fotos vom Biber und Waschbär an der Wand. Das liegt daran, dass die Gemeinde ein Problem mit den Nagern hat.

Der Bürgermeister erwies sich als profunder Kenner und stellte die beiden Tierarten detailliert vor. Diesen Part hätte eigentlich Umweltpädagoge Maik Prozeller vom Biosphärenreservat Bayerische Rhön übernehmen sollen, der aber kurzfristig abgesagt hatte. Ausführlich beschrieb also Voß die Tiere und zeigte auf, was vor allem in Punkto Waschbär unternommen werden kann, dass sich das Tier in einem Anwesen nicht häuslich niederlässt.

Gemeinde kann Schulden abbauen

Nach dieser Expedition ins Tierreich kam der Bürgermeister schließlich auf das Geschehen in der Gemeinde zu sprechen. 598 Einwohner sind zuletzt mit Hauptwohnsitz in Willmars gemeldet, was eine leichte Abnahme der Bevölkerung bedeutet. Der Haushalt hat im Vorjahr mit 2,1 Millionen Euro abgeschlossen. Die Schulden gehen deutlich auf 800 Euro je Einwohner zum Jahresende 2019 zurück, was erheblich mit der Stabilisierungshilfe zu tun hat, in deren Genuss die Gemeinde in den vergangenen Jahren gekommen ist. Zusammen betrug die staatliche Stütze rund eine Million Euro.

Als Voß schließlich bemerkte, dass die Wassergebühren auf 3,46 Euro angestiegen sind, war dies die Initialzündung für eine lebhafte und zeitweise sogar lautstarke Diskussion. Auslöser war dabei die Erneuerung der Wasserleitung in und nach Völkershausen. Während die Zuleitung aus Willmars fertiggestellt ist, sind die Arbeiten in Völkershausen gerade in vollem Gange, da dort alle Leitungen, die hauptsächlich aus den 1950-er Jahren stammen, ausgetauscht werden müssen.

Bisher gebe es noch keine abschließende Kostenrechnung, so Voß. Die Zuschüsse reichen bis zu einer Quote von 80 Prozent, aber eben nicht auf alle erforderlichen Maßnahmen, was das Projekt für die Bürger recht kostspielig macht, wie Voß einräumte. Insgesamt müssen rund eine Millionen Euro von den Bürgern aufgebracht werden, weil die die meisten Hausanschlüsse von den Betroffenen selbst finanziert werden.  400 000 Euro müssen allein die Bürgern in Völkershausen aufbringen.

Laufen die Kosten aus dem Ruder?

Reinhold Herbst entpuppte sich in der Diskussion als Wortführer und monierte die für ihn aus dem Ruder gelaufenen Kosten und einen Nachtrag von 30 000 Euro, der beim Bau der Verbindungsleitung von Willmars nach Völkershausen angefallen ist. Voß erklärte, dass beim Sportplatz Eigentumsverhältnisse angetroffen worden sind, die bei der Planung nicht bekannt gewesen seien. Herbst bemängelte außerdem Arbeiten, die nach seiner Meinung doppelt verrichtet worden seien, weil die Baustelle von der Gemeinde schlecht überwacht worden sei. Dieser Vorwurf wurde gleich von mehreren Teilnehmern erhoben, den jedoch eine Mitarbeiterin der Bauabteilung der VG Ostheim strikt zurückwies. Dies sei außerdem Aufgabe des Architekten.

Die Verteuerung der Wassergebühren ist für Voß für die meisten Bürger tragbar, Leidtragende seien die Landwirte vor allem mit Viehhaltung. Mehrere Bürger befürchten, dass mit dem Aufschlag aber noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist, weil auch in Filke die Leitungen teilweise über 50 Jahre alt sind und in absehbarer Zeit ausgetauscht werden müssen.    

Umbau der Schule frühestens ab 2021

Voß ging ferner auf den Umbau der Schule zu einer Kindertagesstätte ein. Erneut meldete sich Reinhold Herbst zu Wort und forderte, das Vorhaben zu verschieben, um die Verschuldung der Gemeinde nicht wieder nach oben zu treiben. Voß erwiderte, dass der Bau frühestens 2021 angegangen werden kann.

Werner Palencares regte an, für den Gebäudekomplex ein Konzept aufzustellen, weil ja nur ein Teil davon benötigt wird. Voß betonte, dass für die restlichen Gebäudeteile noch keine Nutzung vorgesehen sei und die Gemeinde noch für alle Überlegungen offen sei.

Nachdem Voß noch kurz den Bau des Feuerwehrgerätehauses in Filke angesprochen hatte, regte Herbst an, eine Röhre unter der Bundesstraße bei Stockheim zu verlegen, damit Fahrräder aus Richtung Willmars ungefährdet zum Streutalradweg gelangen.

Schließlich teilte Voß noch mit, dass 2020 die Telekom einen Mobilfunkmast errichten will. Als Standort käme der Bereich bei der ehemalige Fernsehsendeanlage in Frage, so dass möglichst alle Ortsteile erreicht werden.           

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