Wechterswinkel

Wechterswinkel: Schräge Musik mit Lisa Ströckens und Stephan Goldbach

Mit einem außergewöhnlichen Konzertabend beeindruckten Lisa Ströckens und der Bamberger Stephan Goldbach das Publikum im Kloster Wechterswinkel.
Mit einem außergewöhnlichen Konzertabend beeindruckten Lisa Ströckens und der Bamberger Stephan Goldbach das Publikum im Kloster Wechterswinkel. Foto: Klaus-Dieter Hahn

Vielleicht war es  schräg und sicherlich auch ein wenig verrückt, was  Lisa Ströckens und Stephan Goldbach da am vergangenen Samstagabend im Konzertsaal des "Klosters Wechterswinkel" dem Publikum bei ihrem Gastspiel boten. Auf jeden Fall waren es aber auch einige Stunden gefüllt mit innovativen, interessanten und herausfordernden musikalischen Elementen. Ein Abend, der aus dem üblichen Rahmen der bisherigen Konzertdarbietungen im Kreiskulturzentrum fiel.

Das Duo mit dem außergewöhnlichen Namen "Loulou und die Heerscharen der Verfluchten" präsentierte Musik aus vier Jahrhunderten in abgewandelter, teils verquerer und verfremdeter Form, bewegte sich zwischen Theatermonolog, Improvisation, Arie und Jazz und bot den Besuchern ein abwechslungsreiches, nach seinen eigenen Worten "verrücktes" Programm. Offensichtlich gefiel es aber dem Publikum, denn nach der Pause freute sich Kontrabassist Stephan Goldbach: "Es ist schön, dass ihr geblieben seid und weiter an unserem Experiment teilnehmt".

Mal klassisch, mal opernhaft, mal jazzig

Tatsächlich zeigten sich die Besucher angetan von der eindrucksvollen Sopran-Stimme Lisa Ströckens' wie auch vom meisterlichen Spiel Stephan Goldbachs. Erst nach der zweiten Zugabe ließen das beeindruckte Publikum die beiden Künstler von der Bühne. Schon der Auftakt des Konzertabends verlief so ganz anders und passte irgendwie zum gesamten Programm. Da stürzt Lisa Stöckens laut "Hereinspaziert" rufend und mit einer Spielzeugpistole wedelnd in den Konzertsaal und kündigt großspurig das "Tier", den mit einer roten Perücke auftretenden Kontrabassisten, an, der sich in die linke hintere Ecke des Saales verkrochen hat.

Ein Auftakt, der Erläuterung fordert, die Stephan Goldbach auch gerne liefert. "Wir spielen nur Musik, die wir gerne hören. Und da unsere Geschmäcker verschieden sind, spannt sich unsere Darbietung über 400 Jahre". So wird es an diesem Abend mal klassisch, opern- und orchesterhaft, aber auch jazzig, groovig mit viel Improvisation, mit Hip-Hop, ja sogar mit Heavy Metal. Da taucht dann Edvard Grieg ebenso auf wie Cole Porter, Tom Waits "All the world is green" neben der amerikanischen rap metal band "Rage against the machine" oder der isländischen Sängerin Björk, die "noch verrückter ist als wir", was man kaum glauben kann.

Eigene Kompositionen vervollständigen den Musik-Mix

Es macht Spaß, den beiden jungen Künstlern zuzuhören und zuzuschauen, wie beide so hervorragend spielen. Lisa Ströckens mit ihrer großartigen Stimme, die mal jazzig, mal groovig, mal arienhaft, mal anklagend, voller Weltschmerz, mal bluesig daherkommt, und Stephan Goldbach mit seinem Kontrabass, dem er die unmöglichsten Töne entlockt. Sie sind von ihrem Musik-Mix angetan und überzeugt, bringen eigene Kompositionen, wie das vertonte Gedicht eines Fünftklässlers mit dem Titel "Jede Zeit trägt ihr eigenes Kleid – mal ist es zu eng und mal ist es zu weit", aber auch "Neue Musik", an die sich die Ohren erst gewöhnen müssen.

"Das Schöne an unserer Besetzung ist, dass wir gegenseitig voneinander lernen", betont Stephan Goldbach. Er weiß auch ganz genau, welche Musik man auch in 200 Jahren noch spielen wird. Nämlich die von Björk, die "unsere Zeit prägt". Wovon er felsenfest überzeugt ist. Nach dem musikalischen Spaziergang durch die verschiedenen Genres überrascht das Duo mit einer Textvertonung von Gottfried Benns "Oh Nacht", bei der Stephan Goldbach die Stimme seiner Partnerin mithilfe von Elektronik verfremdet, verzerrt und überlagert.

Auch Charles Bukowski lassen die beiden zu Wort kommen. Dass die beiden ihre Band nach der männermordenden Prostituierten Lulu, der Hauptfigur aus der gleichnamigen Oper von Alban Berg, genannt haben, ist kein Zufall. Natürlich darf da am Ende des Konzerts die "Arie der Lulu" nicht fehlen.

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