OBERSTREU

Wenn Händel und Gershwin für Gänsehaut sorgen

Frauenpower beim Rhöner Orgelsommer. Organistin Lilo Kunkel (links) und Mezzosopranistin Barbara Buffy sorgten in der Oberstreuer Kirche St. Andreas mit einem unkonventionellen Crossover-Konzert für Gänsehautmomente Foto: Tanja Heier

Die neue, erweiterte Orgel in der Oberstreuer Pfarrkirche St. Andreas wird in der Festschrift zur Einweihung vom April diesen Jahres als ein technisches und künstlerisches Meisterwerk beschrieben. Was für ein Genuss, wenn jenes, in frischem Glanz erstrahlende Instrument, von einer Meisterin gespielt wird. Einer, wie Organistin und Musikwissenschaftlerin Lilo Kunkel. Die Würzburgerin war modern und mutig genug, auch unkonventionelle Jazzstücke in ihr Repertoire aufzunehmen.

In Verbindung mit der starken Stimme Barbara Buffys entwickelte sich das Konzert im Rahmen des 8. Rhöner Orgelsommers schnell zu einem Ohrenschmaus par excellence. Mühelos gelang es der Mezzosopranistin, ihr Publikum gleichermaßen zu fesseln und zu berühren. Jede der Damen für sich genommen war es wert, alles stehen und liegen zu lassen und in das Gotteshaus zu eilen. Unter dem Motto „Jahr und Tag – eine Zeitreise von Händel bis Gershwin“ entführten die beiden eine Stunde lang mit „Bel Canto (ital. „schöner Gesang“) - Crossover Jazz“ in eine andere, heile Welt – Gänsehautmomente inklusive.

Im ersten Teil drehte sich alles um die Jahreszeiten, danach waren die Tageszeiten das vorherrschende Thema. Leicht und fröhlich eröffneten die Damen ihr Programm mit Mozarts „Der Frühling“. Im Kontrast dazu wirkte Hugo Wolfs Abhandlung über den Lenz – angelehnt an die Mörike-Lieder, eher düster. Nun schien die Orgel geradezu zu tanzen, dem 2008 verstorbenen Komponisten Freddie Hubbard sei Dank. Wem hat George Gershwins „Summertime“ nicht irgendwann einmal gute Laune bereitet? Das Publikum ließ sich gerne mitreißen; voller Begeisterung wippten die Füße im Takt.

Lilo Kunkel ist experimentierfreudig. So wagte es die Organistin, Antonio Vivaldis Stück „Winter“ aus den bekannten „Vier Jahreszeiten“ einen eigenen Stempel aufzudrücken. Es folgte eine Uraufführung. Christoph Weinharts (geboren 1958) „Mittagsruh“ wurde erst vor rund vier Wochen fertiggestellt. Voller Anmut und Harmonie drang Mozarts „Abendempfindung“ in Herz und Seele. Auch wenn der Titel es zunächst nicht vermuten lässt, ist Max Regers „Gestern Abend in der stillen Ruh“ ein wunderschönes Liebeslied. Tröstlich und getragen regte Robert Schumanns „Mondnacht“ zum Träumen an. Zudem machte sich ein wunderbares Gefühl von Geborgenheit und Frieden breit. Cole Porters „Night and day“ als letzter Programmpunkt erzählte von der Sehnsucht eines Mannes nach seiner Herzdame.

Standing Ovations für die Künstlerinnen waren der verdiente Lohn für diese Meisterleistung. Gerne gab das Duo noch eine Zugabe, bevor es sich verabschiedete.

Im Rahmen der Orgelsanierung konnte das Instrument mit französisch-romantischen Registern erweitert werden. Diese und andere hatte Lilo Kunkel im Verlauf ihres Spiels gezogen. Zum Schluss blieb Regionalkantor Peter Rottmann nur, den Akteurinnen seine Aufwartung zu machen. Gerne war der Initiator des Rhöner Orgelsommers auf die Empore gestiegen, um ihnen persönlich zu gratulieren.

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