BAD KÖNIGSHOFEN

Wenn das Hundeglück in Scherben liegt

Erste Hilfe bei einem Notfall, das ist doch selbstverständlich, könnte man meinen. Wenn nach einem Unfall kein Rettungswagen und Notarzt käme, wäre das für Betroffen fatal. Genau so, geht es aber einem Verunfallten, wenn es sich beim Opfer um einen Hund handelt. „Da müssen Sie dann schon selbst tätig werden,“ sagte Tierarzt Dirk Lellbach aus Bad Königshofen. Im kleinen Kursaal hatte er über die Volkshochschule nämlich den Kurs „Erste Hilfe beim Hund“ angeboten.
Wenn ein Hund seinem Herrchen vertraut, wie hier Emmi dem Tierarzt Dirk Lellbach, dann lässt er sich auch einmal in die ... Foto: FOTO Hanns Friedrich

Das Interesse hielt sich in Grenzen, aber die da waren, die wissen nun was zu tun ist, wenn ihr Haustier einen Schock hat, stark blutet oder von einer Biene gestochen wurde.

Interessant in diesem Zusammenhang eine Umfrage zum Thema Erste Hilfe beim Hund. Neun Prozent hatten hatten keine Ahnung was zu tun ist und warten lieber auf professionelle Hilfe, 53 Prozent haben zwar nicht wirklich Ahnung, würden aber versuchen zu helfen, 24 Prozent glauben Bescheid zu wissen, haben aber keine Erfahrung und lediglich 14 Prozent kennen geeignete Maßnahmen und haben sie auch schon geübt.

Atemnot, Kollaps, Gleichgewichtsstörungen oder auch verschluckte Gegenstände, dass alles kann – genau wie dem Menschen – auch dem Hund passieren. Dr. Lellbach ging auf all diese Miseren des Hundedaseins ein. Er berichtete, dass vieles was man aus dem Ersthelferkurs für Menschen kennt, auch auf die Tiere anwendbar ist. Nur die stabile Seitenlage, die gibt es beim Haustier nicht.

Was tun bei einem Unfall mit einem Hund? Ganz wichtig auch hier: Die Eigensicherung, also Warndreieck aufstellen und Warnweste anziehen. Dann geht es darum, dass verunglückte Tier auf eine Decke zu legen, von der Straße wegzuziehen und schnellstens zur Tierarztpraxis zu bringen. Wann aber sollte ansonsten der Tierarzt zu Rate gezogen werden? Noch am gleichen Tag bei Augenproblemen, starkem Juckreiz und auch, wenn der Hund lahmt. Ein bis zwei Tage kann man warten, wenn das Tier gelegentlich erbricht, übermäßigen Durst oder Juckreiz hat. Auch beim Tier kann der Schock zum lebensbedrohlichen Kreislaufversagen führen.

Blutverlust, Schmerzen, Aufregung und Allergie führen auch beim Tier dazu, dass der Körper reagiert und das Blut zu lebenswichtigen Organen und dem Gehirn führt. Beim Hund deuten blasse Schleimhäute und kalte Pfoten darauf hin, das so etwas vorliegt.

Die Kursteilnehmer erfuhren auch etwas über die Herzfrequenz eines Hundes. Ein großer Hund hat eine Herzfrequenz von 60-80, ein kleiner Hund liegt bei 80-120 und das Herz der Katze schlägt 90 bis 240 Mal in der Minute.

Herzmassage für den Hund

Herzmassage gibt es auch beim Hund. Lellbach erläuterte den Hundebesitzern, dass man beim Herzstillstand kräftig mit der flachen Hand gegen das Herz auf der linken Brustseite drücken sollte. Wie beim Menschen wird dann dann auch das Beatmen über Maul und Nase, bei großen Hunden nur über die Nase, durchgeführt. In diesem Zusammenhang warnte der Tierarzt reflexartigem Zubeißen der Tiere – oft trotz Bewusstlosigkeit. Bei Bewusstlosigkeit sei es wichtig, die Zunge des Hundes weit herauszuziehen, Fremdkörper oder Blut und Schleim zu entfernen. Praktische Tipps, gab es, wie man das Maul des Hundes mit den Händen oder auch mit Hilfsmitteln öffnen kann. Dazu zeigte Lellbach Maulschlingen, die man mit Tüchern, Binden oder auch mit der Leine auf die Schnelle herstellen kann. Wichtig ist, die verunglückten Tiere gestreckt zu lagern und auch so zu transportieren. Sehr notwendig sei es, so Lellbach, dass Tierarztpraxen bei einem Unfall vorinformiert werden. „Es ist immer besser man weiß, dass ein Notfall jetzt kommt, als wenn der Besitzer plötzlich mit dem Tier vor der Praxis steht.“ Die Notfallnummer der Tierarztpraxis sollte im Handy gespeichert sein.

Auch das Thema „Blutvergiftung“ spielt eine Rolle beim Tier. Diese entsteht vor allem nach Bissverletzungen. Lellbach sprach davon, dass es kaum tiefe Verletzungen gibt, es aber möglich ist, dass Keime übertragen werden. Vor allem bei älteren Hunden mit Karies hätten die Bakterien die Möglichkeit sich schnell auszubreiten. Bei stark blutenden Wunden muss, wie beim Menschen, oberhalb der Wunde abgebunden werden, Druckverband, Desinfektion und Schutzverband waren dabei ein Thema.

Besonders gefährlich sind Insektenstiche dann, wenn das Tier allergisch gegen Insektengift ist oder in den Rachen gestochen wird. Dan heißt es kühlen und sofort zum Tierarzt. Das gilt auch bei Sonnenstich oder Hitzschlag. Die Teilnehmer des Abends konnten dann natürlich auch selbst aktiv werden, legten Verbände an und konnten bei „Emmi“, dem Hund von Dirk Lellbach, selbst den Puls fühlen.

Die Teilnehmer des Abends konnten selbst das Anlegen von Verbänden üben, Emmi ließ das alles geduldig über sich ergehen.

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