Oberelsbach

Wenn die Erbtante zu Besuch kommt

Der fast perfekte Schwindel: Um an das Geld von Erbtante Laura (Bea Hock, links) zu kommen, wurden Kurts Töchter Gabi (Luisa Klüber) und Biggi (Luisa Holzheimer) unvermittelt schwanger. Uwe (Jürgen Söder, Zweiter von links) und Dieter (Sebastian Reitz, rechts) mimten gute Ehemänner. Doch wie soll das Kind nun zur Welt kommen? Mit dem Stück „SAMBESI Gewes’I“ landete die Theatergruppe „Rhöngeist“ einen Volltreffer beim Publikum. Foto: Marc Huter

Zwei Jahre Pause hatte sich die Theatergruppe „Rhöngeist“ mit ihren Theateraufführungen, die immer Anfang Januar stattfinden, gegönnt. Entsprechend groß war die Vorfreude beim Publikum auf die Theaterabende der Oberelsbacher Laienschauspielgruppe. Die Messlatte lag hoch. Doch unter der erstmaligen und exzellenten Regie von Siegfried Sitzmann und einem Stück, das von Turbulenzen, Dramaturgie, Witz und Pointe nur so strotzte, übertraf sich die Theatergruppe „Rhöngeist“ nach einem Vierteljahr intensiver Probearbeit wieder einmal selbst.

Was soll denn dieser Titel bedeuten?

Allein schon mit dem Titel des diesjährigen Stücks „SAMBESI Gewes’I“ wurde die Spannung hochgehalten. Was soll denn das sein, fragten sich viele. Doch auch Regisseur Siegfried Sitzmann konnte in seiner Begrüßung nur verraten: „Ihr wisst’s alle, in drei Stunden wisst ihr mehr!“

Die folgenden dreieinhalb Stunden sollten dann so erlebnisreich und komisch werden, dass die Zeit verflog wie im Nu. Ein Szene-Applaus jagte den Nächsten. Die Darsteller liefen zur Hochform auf, sie zeigten eine schauspielerische Meisterleistung, die man selten im Laientheater zu sehen bekommt. 

Dabei startete die turbulente Handlung an einem ganz normalen Sonntagmorgen in einem Oberelsbacher Haushalt. Mit Zeitung, Kaffee, „Medizin“, einem leichten Kater und bekleidet im Schlafanzug beginnt Familienvater Kurt den Tag, Ehefrau Ella geht in die Kirche. Das Ehepaar wird von den beiden Bühnen-Routiniers Bernhard Trautmann und Corina Pokorny gespielt, die mit ihrem schauspielerischen Talent sowie ihrer unverwechselbaren Mimik seit Jahren das Publikum zu begeistern wissen.

Der Schwindel droht aufzufliegen

Dann kommt ein Brief aus Afrika, den die neugierige Postbotin Regine, gespielt von Diana Pachovsky, des Postgeheimnisses wegen am Sonntag persönlich vorbeibringt. Darin kündigt Erbtante Laura, die seit 15 Jahren in Afrika wohnt (gespielt von Bea Hock), unvermittelt ihren Besuch an. Es stellt sich heraus, dass sich Kurt nicht nur für unzählige erfundene Operationen (Brustvergrößerung, Tränensäcke, Hämorrhoiden) bei ihr Geld abgeschwindelt, sondern auch seine Frau hat sterben lassen (vom Bulldock überfahren), die Kinder Gabi (Luisa Klüber) und Biggi (Luisa Holzheimer) verheiratet und die unmittelbare Geburt deren Töchter angekündigt hat. Sein Versuch, das Geld auf der Rennbahn und mit Aktien („der schlaue Dax“) zu vermehren, schlug fehl. Auch beim „Schwarz“ in der Wirtschaft hatte es sich nicht vermehrt. Um die fällige Hypothek von 100.000 Euro zurückzahlen zu können, ist er auf die Prämie angewiesen, die Laura für seine Enkelkinder (50.000 Euro für jede Tochter) ausgesetzt hat.

Welch ein Unglück! Kurt schafft es, im ersten Akt seiner Frau und den Kindern die Misere zu berichten. Wohl oder übel willigen diese in seinen Plan ein, der Tante eine Komödie vorzuspielen. Uwe (Jürgen Söder), der ein Auge auf Gabi geworfen hat, und Dieter (Sebastian Reitz) spielen die Ehemänner. Uwe hat damit zunächst keine Probleme. Dieter hingegen schon, da er gerade die feminine Seite seiner Männlichkeit auslebt. Seine Frau Ella muss sich als türkische Putzfrau Ülla („Ich nix wissen, ich nur putzen!“) ausgeben.

Alles Bong, Bongo? Eine atemberaubende Maskerade verwandelte Johannes Pokorny (im Bild) in den Häuptlingssohn „Kongo“ aus Afrika, den Erbtante Laura als Überraschung mit zu Kurts Familie brachte. Foto: Marc Huter

Es kam, wie es kommen musste: Es geht alles schief. Laura will plötzlich bei der Geburt dabei sein und schwört dabei auf die Zauberkünste von „Kongo“, einem Häuptlingssohn, den sie aus Afrika mitgebracht hat. Der macht zur Begrüßung stets „Bongo, Bongo!“ und sorgt mit seinen afrikanischen Weisheiten für Lacher am laufenden Band. Johannes Pokorny hatte sich für diese Rolle in eine atemberaubende Maskerade gehüllt, die vom Publikum frenetisch gefeiert wurde.

Die Neugierde der Postbotin

Auch spielt die Postbotin Regine in den Unglücksverlauf mit hinein, die durch ihre Neugierde über so manches unterrichtet ist, aber alles nach dem Genuss etlicher Schnäpse verwechselt. Und wie soll denn nun die Geburt zweier Töchter unter dem Zauber des afrikanischen „Kongo“ vonstatten gehen, wenn die Schwangerschaft nur gespielt ist? Platzt der ganze Schwindel? Was passiert mit dem dringend benötigten Geld der Erbtante? Wird dann noch alles Bongo, Bongo?

Dritte Aufführung
Wer die Lösung dieser Misere und das brillante Stück der Theatergruppe „Rhöngeist“ noch erleben möchte, hat dazu bei der dritten Aufführung am kommenden Samstag, 11. Januar, um 19.30 Uhr in der Elstalhalle Oberelsbach Gelegenheit. Sicherlich klärt sich dann auch auf, was unter dem Titel „SAMBESI Gewes’I“ zu verstehen ist. Restkarten sind an der Abendkasse erhältlich.

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