WECHTERSWINKEL

Wenn die Feen tanzen

Junge Ausnahmekönnerin: Samira Spiegel nach ihrem begeisternden Konzert in Wechterswinkel. Foto: Kritzer

Das Programm des Konzertabends in Kunst und Kultur Kloster Wechterswinkel war klar gegliedert. Beide Teile wurden mit Werken von Franz Liszt gerahmt. Dazwischen das Wohltemperierte Klavier von Bach, eine Sonate von Beethoven und ganz viel Debussy. Kaum zu glauben, dass bei so einer Programmfülle da vorne am Steinway-Flügel gar kein alter Hase des Klaviers saß, sondern eine 18-Jährige, die gerade ihr Abitur gemacht hat.

Als Samira Spiegel die Etude de Concert Nr. 2 mit dem Titel „La Leggierezza“ von Liszt zum Auftakt ihre Konzerts in Wechterswinkel spielte, da mochte wohl der ein oder andere Zuhörer im Saal kaum glauben, dass da wirklich eine junge Frau am Klavier saß. Einfach wundervoll perlten die schwierigen lisztschen Passagen in einem beeindruckenden Klangbild auf das Publikum ein. Schon mit diesem ersten Werk ihres mehr als eineinhalbstündigen Programms machte Samira Spiegel unmissverständlich klar, dass hier ein ganz großes musikalisches Talent am Werke war.

Aus Sulzthal (Lkr. Bad Kissingen) kommt die junge Pianistin, die mit vier Jahren das Klavierspiel begann. Schon bald und in den darauf folgenden Jahren war sie immer wieder sehr erfolgreich bei „Jugend musiziert“. Sie hat weitere Wettbewerbe, darunter auch einen Förderpreis des Steinway-Hauses, beim Klavierwettbewerb in München gewonnen. Doch Klavier allein reicht Samira Spiegel gar nicht. Mit ihrer Geige, die sie allerdings nicht mit nach Wechterswinkel gebracht hatte, ist sie ebenso erfolgreich. Als Jungstudentin in Würzburg hat sie gleich zwei Professoren. Einen für Geige, eine Frau für Klavier.

Das Wohltemperierte Klavier von Johann Sebastian Bach. Aus dem Band II Präludium und Fuge in E-Dur. Ein ziemlicher Wechsel nach dem Feuerwerk zum Auftakt. Doch Samira Spiegel kann das thematisch und spielerisch voneinander trennen. Ganz kurz verlässt sie mehrmals den Konzertsaal und ist nach ihrer Rückkehr unter dem Beifall der Zuhörer am Klavier eine ganz andere. Sie spielt, als würde sie dies schon immer tun. Von Nervosität keine Spur. So springt sie von Bach zu Beethoven in die Sonate Nr. 3 in Es-Dur, deren vier Sätze zu einem Höhepunkt des Konzertes werden sollten.

Gefühlvoll gespielt zauberte Samira Spiegel ein ganzes Spektrum an Klangfarben in den Raum. Dass dann mit „La Campanella“ von Liszt wieder ein Kontrast geboten werden musste, war selbstverständlich für die junge Musikerin.

Werke von Franz Liszt rahmten auch den zweiten Teil des Abends. Einmal die Phantasie und Fuge über B-A-C-H und die Ungarische Rhapsodie Nr. 2, die Samira Spiegel zum Abschluss ihres Konzertes gab. Programmatischer Kern waren jedoch acht der zwölf Préludes aus dem zweiten Band von Claude Debussy. Mit dem schwebenden „Bruyeres“ (Heidekraut) eröffnete sie, ließ die Feen auserwählt tanzen („Les Fées sont déxquises danseuses“) in diesen bildhaften Szenen. Mal wird sie schrill in „General Lavine“, mal pretiös und erlesen in der „Terrasse der Mondscheinaudienzen“.

Samira Spiegel spielt märchenhaft die „Ondine“, unternimmt in der „Hommage a S. Pickwick“ einen Ausflug in das England von Charles Dickens, gestaltet ihr Spiel orchestral in der „Canope“, um im glanzvollen Ausklang ein Feuerwerk („Feux d'artifice“) abzubrennen. Der minutenlange Beifall war Samira Spiegel ob dieses wundervollen Konzertes gewiss. Er musste zugleich Aufforderung sein, bald wiederzukommen. Gerne erneut ans Klavier, vielleicht aber auch mit der Geige.

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