Bad Königshofen

Wertvolle Orgel im Elisabethspital

Das Harmonium in der Spitalkirche wurde in den vergangenen Tagen von Christian Hey Stück für Stück auseinander gebaut. Zur Dokumentation wurden die einzelnen Schritte immer wieder fotografiert. Foto: Hanns Friedrich

"Rechnung an die hochverehrliche Elisabethen-Spitalstiftung zu Königshofen i. Grabfeld. Zufolge geehrten Auftrags sandte Ihnen auf Ihre Rechnung und Gefahr als Frachtgut per Bahn: 1 Pedal-Orgelharmonium, gebaut in der Harmoniumfabrik Schiedmayer, kaiserl. u. kgl. Hoflieferanten, Stuttgart." Diese Originalrechnung fand sich in der Orgel der Hauskapelle des Elisabethaspitals in Bad Königshofen. Die Orgel wird in den kommenden Monaten von der Orgelbaufirma Hey in Urspringen grundlegend saniert. Möglich wurde dies durch eine Bad Königshofener Familie, die die gesamten Renovierungskosten übernahm. Das wurde bei einer Sitzung des Spitalrats unter dem Vorsitzenden, Landrat Thomas Habermann, bekannt. Damit konnte die Orgelbaufirma Hey das wertvolle Instrument nun abbauen und zur Generalsanierung nach Urspringen transportieren.

Das Harmonium in der Spitalkirche wurde in den vergangenen Tagen von Christian Hey Stück für Stück auseinander gebaut. Zur Dokumentation wurden die einzelnen Schritte immer wieder fotografiert. Foto: Hanns Friedrich

Stück für Stück wurde das Instrument auseinander gelegt und immer wieder sah man die staunenden Blicke von Christian Hey. Bei der Orgel handelt es sich um das Modell 126 Nr. 36758, liest man auf der Rechnung. Die Orgel ist in einem Eichengehäuse, ausgestattet mit Druckluftsystem und 27 Pedal-Tasten. Außerdem hat sie 8 Zügereihen, 17 Register, 5 Oktaven, 2 Manuale, 2 Kniehebel und 2 Kollektivtritte. Hierzu eine gesonderte Pedalbank in Eiche, Preis laut Katalog 1900 Mark.

Ein Firmenschild an der Orgel des Elisabethaspitals nennt die Firma Schiedmayer. Sie war eine der bekanntesten Harmoniumbauer um 1900. Foto: Hanns Friedrich

Kreisheimatpfleger Reinhold Albert, der die in altdeutscher Schrift verfasste Rechnung übersetzte, schätzt den Preis umgerechnet auf rund 7000 Euro. Mit der gefundenen Rechnung steht auch fest, dass das Instrument im Jahr 1905 gebaut wurde. Begeistert ist Orgel- und Harmoniumbaumeister, Restaurator Herbert Hey aus Urspringen. "Es ist ohne Zweifel, nicht nur aus denkmalpflegerischer Sicht, als sehr wertvolles und erhaltenswertes Werk einzustufen."  Allein durch die vorhandenen Fußpedale, wie man sie von den Orgeln kennt, ist das Harmonium in der Spitalkirche eine Besonderheit.

Der Mercedes unter den Instrumenten

Auf einem kleinen Schild ist der Name "Schiedmayer" zu lesen. "Das Harmonium ist der Mercedes unter diesen Instrumenten des Unternehmens," sagt Herbert Hey. Die Firmengeschichte Schiedmayer geht weit zurück, weiß der Harmoniumbaumeister. Julius und Paul Schiedmayer, die jüngeren Söhne Schiedmayers, gründeten 1853 in Stuttgart die Werkstatt für Harmoniumbau. Dort baute man bald auch Klaviere und ausgefallene Kombinationsinstrumente wie die Schiedmayer-Scheola. "Das ist eine Mischung von Orgel, Harmonium und Celesta," sagt  Herbert Hey und nennt auch selbstspielende  mechanische Instrumente. Die erste Form des Harmoniums war das Druckwindharmonium, so genannt, weil der Ton durch den Druck der im gefüllten Schöpfbalg befindlichen Luft erzeugt wird, welche durch die Kanzellen und Zungen gedrückt, diese zum Schwingen bringt.

Historisch auch diese Rechung, die in der Orgel des Elisabethaspitals gefunden wurde. Sie ist der Beweis, dass das Instrument von Schiedmayer gebaut wurde Foto: Hanns Friedrich

Schiedmayer zählte zu den besten Harmoniumbauern der Welt. Deshalb nennt Herbert Hey das Harmonium der kleinen Hauskapelle auch eine Rarität, da es heute solch ein Instrument so gut wie nicht mehr gibt. In den kommenden Monaten wird die Harmonium-Orgel zerlegt und auch die "Zungen" soweit als nötig ausgebaut und gereinigt. "Stumme Zungen werden dann auch wieder gangbar gemacht," sagt Herbert Hey. Das Harmonium der Hauskapelle im Elisabethaspital nennt er ein kostbares Möbelstück, das im Rahmen der Renovierung aufgearbeitet werden muss.  Dazu gehören auch schreinertechnische Arbeiten. Herbert Hey zusammenfassend: "Wenn das schöne Harmonium restauriert wird, steht für die Gottesdienste in der Kapelle wieder ein würdiges und klangschönes Instrument zur Verfügung.

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