Bad Neustadt

Wie der Krisenstab die Corona-Herausforderungen bewältigt

Die Corona-Pandemie bringt viele Herausforderungen mit sich. Gerade für Verwaltungen. Wie ist der Landkreis Rhön-Grabfeld aufgestellt?
Gilt für alle in diesen Corona-Zeiten: Hände waschen und sorgfältig desinfizieren.
Gilt für alle in diesen Corona-Zeiten: Hände waschen und sorgfältig desinfizieren. Foto: Fabian Gebert

"Kommunikation ist ein sehr wichtiges Instrument in dieser Situation", weiß Landrat Thomas Habermann. In einem Pressegespräch erläutert er, wie seine Verwaltung sich den ständig wachsenden Herausforderungen der Corona-Krise stellt.

29 Infizierte, zwei Erkrankte sind genesen

Der Krisenstab Corona am Landratsamt Rhön-Grabfeld trifft sich täglich. Er wurde schon Anfang März einberufen. Im Krisenstab wird die aktuelle Fall-Lage diskutiert und nach außen kommuniziert. Am Mittwoch, Stand 15 Uhr, war die Anzahl der bestätigten, mit dem Corona-Virus infizierten Personen in Rhön-Grabfeld auf 29 gestiegen. Diese Zahl teilt sich auf in 26 Menschen in häuslicher Quarantäne, ein Infizierter in stationärer Behandlung, zwei sind mittlerweile genesen und aus der Isolation entlassen.

Andererseits werden in diesem Krisenstab wichtige Maßnahmen eingeleitet, um die rechtsverbindlichen Anordnungen der Regierung umzusetzen. "Das ging am 11. März los mit dem Verbot von Veranstaltungen über Tausend Teilnehmern", erinnert Habermann.

Absolutes Novum: Katastrophenfall für das ganze Land

Als kurz danach die Besuchsrechte in Krankenhäusern und Behinderteneinrichtungen eingeschränkt sowie Schulen und Kindergärten geschlossen wurden, hatte der Krisenstab eine außerordentliche Bürgermeisterdienstbesprechung am Samstag vor der Wahl angeordnet. Am Montag nach der Wahl stellte Ministerpräsident Markus Söder den Katastrophenfall fest. "Das war ein absolutes Novum", sagt Habermann. Bislang seien in diesen Fällen hauptsächlich einzelne Regionen betroffen gewesen, wenn es um Hochwasser oder sonstige Naturgewalten ging. "Dieses Mal ist es das ganze Land", so Habermann. Sofort wurde nach einer gesetzlichen Systematik die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) mit Feuerwehr, Bundeswehr, Polizei, THW, Maltesern, BRK, Rhön-Klinikum Campus und niedergelassenen Ärzten eingerichtet. Sie meldet täglich zweimal (8 und 15 Uhr) die Lage aus dem Landkreis an die Regierung.

Tags darauf nahm die Bürgertelefon-Hotline am Landratsamt den Betrieb auf. Mittlerweile gehen täglich an die 800 Anrufe ein. Und dabei drehe es sich meist um zwei Fragen-Bereiche: Gesundheit und allgemeines Verhalten bei den Ausgangsbeschränkungen. 

Vielfach gefragt: Wer kann sich testen lassen?

Vielfach werde nachgefragt, wer sich testen lassen kann. "Da Röhrchen und Laborkapazitäten knapp sind, gewähren Gesundheitsamt und die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) grundsätzlich nur zwei Zielgruppen den Test: Personen, die in einem Risikogebiet waren und bei denen innerghalb von 14 Tagen nach ihrer Rückkehr Symptome auftreten. Und: Personen, die in direktem Kontakt mit infizierten Personen standen sowie innerhalb von 14 Tagen Symptome zeigen", stellt Habermann klar. Aktuell werde das Gesundheitsamt nur dann über das Testergebnis informiert, wenn dieser positiv ausgefallen sei. Das Gesundheitsamt selbst werde nicht informiert, ob der Test überhaupt eingeleitet wurde oder ob das Ergebnis negativ ist. Betroffene informiert der Hausarzt. "Diese zeitliche Verzögerung ist natürlich ein Schwachpunkt, der für viel Unsicherheit bei Bürgerinnen und Bürgern sorgt", weiß Habermann. 

Dr. Matthias Hahn, Leiter des Gesundheitsamts, verweist dabei aber auch auf die Validität der Testungen: "Ein Test nach dem ersten oder zweiten Kontakttag mit einem Infizierten ist überhaupt nicht aussagekräftig." Verlässliche Ergebnisse habe man erst bei einem Test zwischen dem vierten und sechsten Tag. "Deshalb ist für mich der Test bei der Bundeskanzlerin am vergangenen Wochenende auch eine absolute Null-Aussage", ärgert sich Habermann. 

Private Labore bieten ihre Unterstützung an

Die Laborkapazitäten, die für den Landkreis wichtig sind, werden derweil auch ausgeweitet. Bislang gehen die Teströhrchen an die Uniklinik nach Würzburg, teilweise auch über das Rhön-Klinikum an die dort angeschlossene Uni-Klinik Gießen-Marburg. "Auch private Labore sollen verstärkt angefragt werden", weiß Jörg Geier von der Stabsstelle Kreisentwicklung.

Was die Beschränkungen des öffentlichen Lebens betrifft, bilanziert Habermann: "Nach vereinzelten Disziplinlosigkeiten in den ersten Tagen der Ausgangsbeschränkungen und einer Anzeige gegen einen Gastronomen ist ein großes Maß an Verständnis und Kooperation im Landkreis spürbar." Allerdings betont er, dass es sich bei Zuwiderhandlungen um richtige Strafanzeigen handelt, "die nicht im kosmetischen Bereich angesiedelt sind", urteilt der gelernte Richter.  

Wichtig ist ihm aber, dass er sich bei der gesamten Bevölkerung für die Beachtung der staatlich eingeleiteten Beschränkungen bedankt, besonders aber bei allen Berufsgruppen, die derzeit das System aufrechterhalten. Speziell nennt er das Gesundheitswesen, Lebensmittelproduktion und -verkauf, die Entsorgungsbranche und die Energie- und Wasserversorger. "Das ist existenziell wichtig. Bricht da etwas zusammen, ist wirklich die Hölle los!"

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