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Willmars: Sturm, Käfer und Trockenheit machen dem Wald zu schaffen

Nadelbäume machen mit fast 70 Prozent den größten Teil des Willmarser Gemeindewaldes aus. Die Bestände sind daher anfälliger für die Negativ-Folgen des Klimawandels.
Nadelbäume machen mit fast 70 Prozent den größten Teil des Willmarser Gemeindewaldes aus. Die Bestände sind daher anfälliger für die Negativ-Folgen des Klimawandels. Foto: Eva Wienröder

Der Forst war ein wichtiges Thema bei der Sitzung des Gemeinderates. Während Julian Grundhuber und Forstdirektor Wilhelm Schmalen vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bad Neustadt noch einmal das abgelaufene Waldjahr Revue passieren ließen, stellte Andree Link, der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Obere Rhön, die seit dem Jahreswechsel für den Gemeindewald zuständig ist, die Vorgehensweise für 2020 vor.

Wilhelm Schmalen sprach zunächst die Turbulenzen des Holzmarktes an. Sturmwürfe und starker Käferbefall in Kombination mit zwei Trockenjahren haben zu enormen Schäden in den Wäldern und in der Folge europaweit zu einem Überangebot an Holz mit einem einhergehenden drastischen Preisverfall geführt. Erschwerend hinzu komme, dass die Fachfirmen ausgebucht seien und es kaum freie Kapazitäten für die Aufarbeitung gebe.

Keine neuen Pflanzungen

„Wir hätten uns alle ein besseres Jahr gewünscht“, sagte Julian Grundhuber, der gerade in seinem letzten Jahr als zuständiger Revierleiter gerne Erfreulicheres berichtet hätte. Aufgrund der widrigen Witterung hatte man im Gemeindeforst keine reguläre Planung umsetzen können. Jugendpflegemaßnahmen wurden auf 0,8 Hektar betrieben. Pflanzungen hat man infolge der Trockenheit keine vorgenommen.

Im knapp 82,50 Hektar umfassenden Gemeindeforst war man ausschließlich mit dem Einschlag von Schadholz infolge von Trockenheit, Wind und Käferbefall beschäftigt. Insgesamt sind dabei rund 195 Festmeter (fm) angefallen. An einen ausgeglichenen Haushalt oder gar an einen Gewinn war da nicht zu denken. Nach aktuellem Stand bewegt sich das Defizit bei knapp 10 000 Euro, gut 3000 Euro werden noch an Holzgeldern erwartet.

Keine großflächigen Schadensereignisse

Bei allem Unglück könne man froh sein, dass es keine großflächigen Schadensereignisse gegeben hat. So sei auch eine Aufforstung nicht unbedingt notwendig, wie Grundhuber anführte.

Forstdirektor Schmalen nutzte die Gelegenheit, um noch einmal anschaulich die Entwicklung der letzten Jahre in Unterfranken anhand von Diagrammen der Waldklimastation Würzburg im Hinblick auf Niederschlagsmenge, Lufttemperatur und verfügbaren Wasservorrat im Boden aufzuzeigen. Der Amtsvertreter lenkte den Blick schließlich noch auf die Forsteinrichtung, und was seit Beginn der Laufzeit in den Jahren 2013 bis 2019 von der Planung umgesetzt wurde.

Gute Mischung von Baumarten von Vorteil

„Es gibt kein Allheilmittel“, lautete Schmalens Antwort auf die Frage aus dem Gemeinderat, wie man dem Wald denn helfen könne. Gemeinsam mit seinem Kollegen Grundhuber und FBG-Geschäftsführer Link vertritt er die Auffassung, dass eine gute Mischung von Baumarten von Vorteil ist.

Mit dem Rückzug der staatlichen Beförsterung in den Kommunalwäldern zum Jahreswechsel 2019/ 2020 hat die FBG Obere Rhön auch die Leitung für den Willmarser Wald übernommen. Eine detaillierte Einschlagsplanung nach Nutzungsarten und Flächen für den Forstbetriebsplan sei in Anbetracht der momentanen Situation nicht möglich und wenig sinnvoll, wie Link deutlich machte. Schließlich hätten die Wetterextreme der beiden letzten Jahre deutlich gezeigt, wie schnell Planungen zunichte gemacht werden können. So sei es fraglich, ob man die Vorgabe der Forsteinrichtung mit einem jährlichen Hiebsatz von 350 Fm umsetzen könne.

Ökosystem Wald

Die Laubbaumbestände machen lediglich 32 Prozent des Gemeindewaldes aus. Das Groß von 68 Prozent liegt bei den Nadelhölzern, davon 31 Prozent Fichte. Große wirtschaftliche Gewinne lassen sich aufgrund der Waldstruktur nicht erzielen, wie Link deutlich machte. „Aber wir dürfen den Wald nicht nur als Holzlieferanten sehen, er hat so viele andere Funktionen“, so der FBG-Leiter. Er nannte Aspekte des Ökosystems Wald, von denen der Mensch profitiert, wie Schutz, Reinhaltung von Boden, Wasser und Luft, Freizeit und Erholung und Tourismus. In diesem Zusammenhang verwies er auf die besondere Verantwortung, die man für den Wald habe, um ihn für die nächsten Generationen zu erhalten.

Bürgermeister Reimund Voß wollte es nicht versäumen, sich bei den beiden Verantwortlichen des AELF für die Unterstützung in den vergangenen Jahren zu bedanken und Andree Link ein glückliches Händchen zu wünschen. Für Julian Grundhuber hatte er als Aufmerksamkeit für die geleistete Arbeit ein kleines Präsent – aus Holz versteht sich.

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