RHÖN-GRABFELD

Windkraft aus der Vogelperspektive

Bedrohter Greifvogel: Der Rotmilan ist einer der seltenen Tiere in der Rhön, die durch Windkraft nicht gestört werden sollen. Foto: Horst Bertzky

Die Planungen für den Ausbau der Windkraft in der Region sind derzeit recht hochfliegend. Allerdings sind wohl manche davon auch vom Absturz bedroht. Denn spätestens, wenn sich zum Beispiel die Rotoren und seltene Vogelarten in die Quere kommen könnten, ist die Freiheit der Windkraftplaner über den Hügeln von Rhön und Grabfeld nicht grenzenlos. Und seltene Vogelarten gibt es in der Region bekanntlich besonders viele.

Vor allem Tiere der Offenlandschaft sind nach Angaben der Vogelschutzwarte des Landes Brandenburg, die eine zentrale Fundkartei verwaltet, vom „Vogelschlag“ an deutschen Windkraftanlagen betroffen. Im Freistaat sind es in erster Linie Greifvögel und Großeulen, denen Rotorblätter oft gefährlich werden.

Im Bayerischen Winderlass vom Dezember 2011 sind deshalb 26 Vogelarten aufgezählt, deren Horstgewohnheiten, saisonales Flugverhalten und Nahrungssuche über mehrere Monate gutachterlich in Augenschein genommen werden müssen, bevor in Nähe ihrer Reviere Windkraftanlagen genehmigt werden dürfen.

Denn eins ist klar, der Artenschutz hat bei derartigen Vorhaben höchste Priorität. Kenner der Materie glauben, dass bei der Genehmigung von Rotoren sogar in Bezug auf sensible Kriterien, wie die vorgeschriebenen Abstände zur Wohnbebauung, möglicherweise wahrnehmbaren Geräuschen oder die Ausweisung von Abstandsflächen unter bestimmten Vorzeichen kleinere Abweichungen möglich bleiben. Nicht aber beim Artenschutz.

Sollten auch nur wenige Baumfalken oder Wiesenweihen das künftige Windrad vielleicht bei der Nahrungssuche umkreisen, könnte das für die Planung einer Anlage das endgültige Aus bedeuten.

Rotmilan und Wespenbussard

Und die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich finden, ist nicht gering. Auf der Liste „kollisionsgefährdeter Vogelarten“, die im Bayerischen Winderlass neben Koloniebrütern aufgelistet sind, finden sich zwölf Vogelarten, von neun davon gibt es Brutbestände im Landkreis: Schwarzstorch, Wiesenweihe, Rohrweihe, Schwarzmilan, Rotmilan, Baumfalke, Wanderfalke, Wespenbussard und Uhu.

„Der Landkreis ist eben mit vielen sehr seltenen Vogelarten ausgestattet, kommentiert das Dieter Weisenburger von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt. Ohne dass der Schutz von Rohrweihe, Schwarzmilan, Baumfalke, Wanderfalke, Wespenbussard oder Uhu zu vernachlässigen wäre, steht für ihn in puncto Windkraft der Rotmilan besonders im Blickpunkt. Deutschland beherberge die größte Population dieser weltweit vom Aussterben bedrohte Greifvogelart. Und in Deutschland wiederum liege sein Hauptverbreitungsgebiet in der Rhön. Auf 20 bis 30 Brutpaare schätzt Weisenburger den Bestand, der sich über den ganzen Landkreis verteilt.

Wald, feuchte Flächen und Wasser lieben die seltenen Schwarzstörche. Und diese Voraussetzungen finden etwa sieben Brutpaare auch über den gesamten Landkreis verteilt. Eine dritte wichtige Vogelart, die Wiesenweihe findet sich nur auf den großen Ackerflächen des Grabfelds.

Dementsprechend ist es nicht problemlos, im Landkreis Flächen für Windparks zu finden. Bei allen bisherigen Planungen sieht Weisenburger Konflikte. Die würden, seiner Einschätzung nach, allerdings noch wesentlich größer, wenn man nicht – wie bisher – praktisch nur im Osten des Landkreises, sondern im westlichen Teil planen würde.

Dabei ist es nicht so, erläutert Weisenburger, dass das Vorkommen eines Brutpaares den Bau von Windanlagen ausschließt. Aber es werden Gutachten fällig, in denen zum Beispiel die Flugkorridore des Vogels vom Brutplatz zu den Plätzen, wo er sich Nahrung beschafft, untersucht werden, um das Tötungsrisiko zu ermitteln. Es solle sichergestellt werden, dass es ihren Beständen nach dem Bau von Windanlagen nicht schlechter geht als vorher.

Zugvögel beobachten

Nicht vergessen darf man auch die Zugvögel, die auf ihren Wegen ins Sommer- und Winterquartier regelmäßig den Landkreis überqueren, so Weisenburger weiter. Und gerade entlang von Rhön und Saale gebe es sehr vielfältige Zugbeobachtungen, auch wenn man den Stellenwert noch nicht einordnen könne.

Neben Kiebitzen und Goldregenpfeifer nennt Weisenburger als Beispiel Kraniche, die auf ihrem Weg von Nordeuropa nach Süden durchs Saaletal kommen.

Die mehrere hundert Tiere umfassende Gruppen fliegen bei ungünstiger Witterung sehr tief und könnten dann mit den Rotoren der Windanlagen kollidieren. Anderseits stünden die Vögel unter Beobachtung. Sobald der große Zug beginne, werde das gemeldet und die Windanlagen in den Flugkorridoren müssten ausgeschaltet werden.

Schlagworte

  • Artenschutz
  • Windenergie
  • Windkraftwerke
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!