HÖCHHEIM

"Windpark auf der Höhe": Erfahrungen anderer nutzen

Es geht voran: mit dem gemeinsamen Projekt der vier FWR-Energie-Genossenschaften Eibstadt, Ottelmannshausen, Aubstadt und Höchheim. Die Karte mit den Gemeindegebieten schauen sich an (von links) Bürgermeister Michael Hey (vorn), Thomas Hartmann, Siegfried Stürzel, Wolfgang Ruck, Andreas Koob und Bürgermeister Wolfgang Abschütz.
Es geht voran: mit dem gemeinsamen Projekt der vier FWR-Energie-Genossenschaften Eibstadt, Ottelmannshausen, Aubstadt und Höchheim. Die Karte mit den Gemeindegebieten schauen sich an (von links) Bürgermeister Michael Hey (vorn), Thomas Hartmann, Siegfried Stürzel, Wolfgang Ruck, Andreas Koob und Bürgermeister Wolfgang Abschütz. Foto: Vossenkaul

Eine Zwischenbilanz zogen am Freitag Vorsitzende und Aufsichtsräte der FWR Energie Aubstadt e.G. Dorfgenossenschaft und der FWR Energie Großgemeinde Höchheim e.G. im Höchheimer Rathaus. Die Energie-Genossenschaften Eibstadt, Ottelmannshausen, Aubstadt und Höchheim wurden Anfang September gegründet (wir berichteten) mit dem Ziel, kommunale Energieprojekte umzusetzen. Erstes gemeinsames Projekt wird der „Windpark auf der Höhe“ zwischen Höchheim und Großeibstadt sein. Dafür laufen seit einiger Zeit die Anfragen an die Grundstückseigentümer wegen der notwendigen Nutzungsverträge.

Das Konzept der Agrokraft GmbH, die ein fertiges Genossenschaftsmodell geliefert hat, mit dem Grundeigentümer, Gemeinden und Anleger gut leben können, haben die Genossenschaften übernommen und können so unter anderem von den Erfahrungen aus anderen Projekten wie „Windpark zwischen Streu und Saale“ profitieren. Das wirkt sich auch auf die Projektierungskosten aus, die normalerweise zwischen acht und 15 Prozent der Investitionskosten betragen. Durch die Zusammenarbeit mit der Agrokraft können sie auf höchstens vier Prozent gedrückt werden.

„Wir glauben, dass 80 Prozent der Bevölkerung das Genossenschaftsmodell befürwortet“, sagte Aubstadts Bürgermeister Wolfgang Abschütz, der als Vorsitzender bei der FWR Energie Aubstadt aktiv ist. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Mitglieder der Genossenschaften haben direkt oder durch ihre Vertreter Mitbestimmungsrecht – und das auf Dauer, denn die Dorfgenossenschaften gründen gemeinsam eine Betreibergenossenschaft. Dadurch besteht keine Gefahr, dass der Windpark an einen auswärtigen Investor verkauft wird und die Wertschöpfung nicht in den Kommunen bleibt.

Das FWR-Genossenschaftsmodell, für dessen Entwicklung Michael Diestel und Mathias Klöffel als Vertreter der Agrokraft GmbH gerade mit dem Georg-Salvamoser-Preis ausgezeichnet worden sind, sieht außerdem vor, dass der Wind-Mehrertrag den Kommunen zu Gute kommt, die das Geld in Kindergärten, Vereine und soziale Projekte stecken können. Das bedeutet, auch die Bürger, die sich nicht durch den Kauf eines Anteils an der Windkraftanlage beteiligen können, profitieren indirekt von den Einkünften.

Das FWR-Modell bringt eine größere Akzeptanz in der Bevölkerung, darüber sind sich die Aufsichtsräte und Vorstände einig. Es gilt, die Ressource Wind dezentral und im Sinne der Bürger einzusetzen. In Aubstadt seien bereits rund 60 Prozent der notwendigen Flächen gesichert, informierte Abschütz. Insgesamt seien zwei Drittel der Grundeigentümer schon mit dabei. Appelliert wurde an alle angeschriebenen Grundbesitzer, ihre Verträge unterzeichnet zurückzugeben, damit das Projekt weiter voranschreiten kann. Wenn noch Informationsbedarf besteht, können die Vorsitzende und Aufsichtsräte oder die Bürgermeister vor Ort kontaktiert werden.

Der Regionalplan, in dem mögliche Flächen für die Windkraft festgehalten sind und der momentan bei den Gemeinden ausliegt, wird wohl nicht nur bis zum 31. Dezember, sondern noch länger diskutiert werden können, weil einige Vorschriften zur Zeit überdacht werden, informierte Abschütz. Das betrifft beispielsweise die Abstände eines Windkraftwerks von dem vorgefundenen Nest einer bedrohten Vogelart.

Das ornithologische Gutachten für den „Windpark auf der Höhe“ steht an, die Durchführung wird ein Jahr dauern. Als hinderlich für das große interkommunale Gemeinschaftsprojekt sehen die Vorsitzenden und Aufsichtsräte die Bemühungen um Grundstücke im Windkraftnutzungsgebiet durch eine neu gegründete Firma mit Sitz in Wülfershausen an. Wenn sich zwei Interessenten um das gleiche Gebiet bemühen, kann es passieren, dass sich beide bis zur Handlungsunfähigkeit einschränken oder die idealsten Standorte nicht genutzt werden können und man auf weniger ergiebige Standorte ausweichen muss, hieß es. Das senke in einem windarmen Gebiet die Rentabilität.

Einen Blick in die Zukunft warf Abschütz. Die Strompreise werden sicherlich in den kommenden Jahren steigen. Momentan sind die Einkünfte aus der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien – aus Wind, Sonne und Biomasse – durch das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) festgelegt. In Zukunft könnte es lukrativer sein, den erzeugten Strom direkt auf dem Strommarkt zu verkaufen, das könnte eventuell gemeinsam mit dem Windpark zwischen Streu und Saale geschehen, um bessere Preise zu erzielen.

Es gibt noch viel zu tun für die vielen ehrenamtlich arbeitenden Vertreter der Genossenschaften. Gern gesehen sind auch weitere Mitglieder, denn die Energie-Genossenschaften können auch andere Projekte anschieben und freuen sich über jeden, der bei dem gemeinsamen Werk mitmacht.

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