Bad Neustadt

Wird das Kastenpfand teurer? Das sagen Rhöner Brauereien

Pfandkästen sind ein großer Kostenfaktor für Brauereien. Foto: Schneider

Das Pfand für Bierkästen soll steigen – zumindest wenn es nach dem Verband der Privaten Brauereien Bayerns geht. Zum Einen verweist der Verband auf die gestiegen Kosten für Flaschen und Kästen. Zum Anderen beklagen die mittelständische Brauereien eine gesunkene Bereitschaft der Kunden, Bierkästen schnell wieder zurückzugeben. Bisher liegt der Pfandpreis für einen Kasten ohne Flaschen bei 1,50 Euro. Das soll sich ändern. Das Kastenpfand soll laut Plänen des Verbands zukünftig mindestens sechs Euro kosten. Auch im Landkreis Rhön-Grabfeld unterstützen einige Brauereien dieses Vorhaben.

"Die Erhöhung des Pfands ist existenziell wichtig", sagt Axel Kochinki, Geschäftsführer von Strecks Brauhaus in Ostheim.  "Wir werden da mitmachen." Der Bierkasten kostet im Einkauf ein Vielfaches vom aktuellen Pfandwert. Der Einkaufspreis eines neuen Kunststoffkastens liegt zwischen fünf und sechs Euro. Wenn der Kasten seinen Weg also nicht zur Brauerei zurückfindet, schmerzt das die Bierproduzenten finanziell. Damit das Kreislaufsystem funktioniert, müsse der Pfandsatz so hoch sein, dass der Verbraucher die Notwendigkeit sieht, den Kasten zurückzugeben, so Kochinki. "Nur so können die kleinen Abfüller weiter existieren."  

Mangelnde Rückgabemoral

Die Rückgabemoral der Kunden zu erhöhen, gelingt laut Kochinki nur über den Geldbeutel. Dabei entstehe allerdings kein wirklicher Nachteil für die Konsumenten, da sie ihr Geld wieder zurückbekommen. Der Diplom-Braumeister geht davon aus, dass die neuen Pfandsätze innerhalb eines Jahres eingeführt werden können. Technisch sei das kein Problem. Die Kästen, die neu in Umlauf gebracht werden, könnte man mit einem Aufkleber markieren, damit klar ist, dass sie einen höheren Pfandwert haben. Kochinki: "Ich kann jedem Kollegen nur empfehlen da mitzumachen. Egal wie groß oder wie klein. Wir ziehen alle an einem Strang und kriegen das dann auf die Reihe."

Aber genau hier liegt das Problem. "Da die Marktführer schon angekündigt haben, dass sie das Pfand nicht erhöhen wollen, ist die Situation schwierig", sagt Herbert Brust, Chef von Karmeliter Bräu in Salz. Brust befürchtet, dass die Verbraucher erschrecken könnten, wenn sie sehen, dass für einen Kasten Bier plötzlich zum Beispiel 20 Euro statt 14 Euro auf dem Kassenbon stehen. Er sehe die große Gefahr, die eigenen Kunden an die Konkurrenz zu verlieren, die sich nicht an der Preiserhöhung beteiligt. Wenn die großen Unternehmen mitziehen würden, wäre auch die Entscheidung für die kleinen Brauereien deutlich einfacher, so Brust. 

Der richtige Ansatz

"Der Ansatz ist aber absolut richtig", betont Brust. In den vergangenen Jahren musste seine Brauerei häufig Flaschen und Kästen nachkaufen. "Das muss man alles vorfinanzieren. Da ist ständig Geld unterwegs, das man nicht sieht." Keiner wisse so recht, wo die Kästen hin verschwinden, sagt Brust. Eine Ursache sehen die kleinen Brauereien in Touristen, die das Bier aus der Rhön als Andenken mit nach Hause nehmen. Andere Kunden lassen das Pfand laut Brust über Jahre im Keller stehen. "Teilweise bekommen wir Flaschen zurück, deren Mindesthaltbarkeitsdatum zehn bis 15 Jahre zurückliegt oder deren Etiketten wir schon seit Jahren nicht mehr verwenden." 

Er selbst sei noch unentschlossen, ob er sich an der Pfanderhöhung beteiligen will, sagt der Karmeliter-Chef. "Das ist ein ganz heißes Eisen." In den kommenden Wochen werde er einige Gespräche mit Getränkehändlern führen und sich erkundigen, wie diese zu dem Thema stehen. Bisher habe sich der Handel quergestellt, wenn es um die Erhöhung des Kastenpfands ging, bestätigt Christian Schmitt, Geschäftsführer des Brauhauses Oberstreu. Auch er sieht die finanzielle Belastung durch die verschollenen Kästen und will sich an einer Preiserhöhung beteiligen.

Unterschiedliche Pfandsätze

Die typischen Gegenargumente des Handels seien der Aufwand der mit verschiedenen Pfandsystemen verbunden ist und die Umstellung der Automaten, heißt es von Seiten der Brauereien. "Das lasse ich nicht gelten, mittlerweile gibt es über 70 verschiedene Pfandsätze im Getränkehandel", erwidert Georg Rittmayer, Präsident des Verbands Private Brauereien Bayern. "Sie jammern zwar, aber am Ende werden die Händler mitmachen." Sollten 30 oder 40 Brauereien das Pfand erhöhen, haben die Getränkemärkte sonst nämlich nichts mehr im Laden stehen, so der Verbandspräsident. 

Rittmayer ist zuversichtlich, dass ein großer Teil der mittelständischen Brauereien bei der Pfanderhöhung dabei ist. "Und der Rest wird nachziehen, wenn sie sehen, dass es läuft." Wenn mit den große Unternehmen der Branche keine Einigung erzielt werden kann, werde der Mittelstand die Pfanderhöhung alleine angehen, sagt Rittmayer. Dass die großen Brauereien ein höheres Kastenpfand ablehnen, habe verschiedene Gründe. Unter anderem bekommen sie die Kästen deutlich günstiger, weil sie größere Mengen davon einkaufen. Darüber hinaus vermutet Rittmayer hinter der ablehnenden Haltung der Marktführer eine Verdrängungsstrategie gegen die kleinen Brauereien. 

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