Frickenhausen

Womit die Bäume im Wald zu kämpfen haben

Kennzeichnung eines Baumes, der das Gelege eines Schwammspinners aufweist. Foto: Brigitte Gbureck

Weil das Thema Baumschädlinge die Bürger von Frickenhausen interessiert, hatte die Jagdgenossenschaft mit Jagdvorsteher Klaus Reß zu einer Waldbegehung eingeladen. In der Flurabteilung Weißer Rain begrüßte er neben ca. 40 Teilnehmern Revierförster Julian Grundhuber, zuständig für den Staatsforst und Privatwaldungen, und Förster Michael Merkel von der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG), der für den Stadtwald zuständig ist.

Der erste Haltepunkt war bewusst gewählt, weil im Hang eine stärkere Buche steht, die tot ist, begann Michael Merkel seine Ausführungen. Denn neben der Kiefer leide auch das Laubholz am Borkenkäfer. Man spreche von der Eichenfraßgesellschaft, dazu gehörten Eichenprozessionsspinner, Schwamm- und Frostspinner. Zusammen mit anderen Schädlingen sei das eine schlechte Kombination.

Wenn alles zu grünen beginnt

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners, des Schwammspinners und des Frostspinners schlüpfen nacheinander im Zeitraum von April bis Juni. Das ist in etwa der Zeitraum, in dem alles zu grünen beginnt, erfuhren die Teilnehmer. Die Bäume vertragen demnach relativ viel Verbiss an den Blättern. Aber wenn noch andere Schädlinge da sind und der Frostspanner dazu kommt, dann würden die Bäume das nicht mehr schaffen. Nach dem ersten Kahlfraß hätten sie allerdings die Möglichkeit, noch einmal auszutreiben. Der Eichenprozessionsspinner sei mittlerweile ein bayernweites Problem. Wenn jedes Tier 200 Eier legt, explodiere die Population.

Am zweiten Haltepunkt klärte Julian Grundhuber auf, dass der Befall mit unterschiedlicher Intensität bereits beim Sämling los geht, schon da könnten die Blätter abgefressen werden. Wenig Belichtung, feuchtes Klima, damit geht es weiter mit Schwamm- und Eichenprozessionsspinnern bzw. Frostspinnern. Bei der großen starken Eiche kommt noch der Prachtkäfer dazu, so Grundlhuber. Die Eiche sei aber die Baumart, der es hier im Wald am besten gehe. Das habe viel mit der Güte des Standortes zu tun. In der Buchleite habe sie tolle Bedingungen, Boden, dicke Buchen, Riesenkronen.

Förster Julian Grundhuber (Zweiter von links) beschreibt den Unterschied zwischen Schwammspinner und Eichenprozessionssp... Foto: Brigitte Gbureck

Weiter oben im Gelände werde es dann immer dürrer. Das liegt daran, dass der Boden immer weniger wird, erklärte Grundhuber. Auf der Kuppe sei Steinbruch mit weniger Boden, weniger Wasserhaltefähigkeit, Trockenheit. Was die Zukunft angeht ist Grundhuber entspannt hinsichtlich Buche, Eiche und anderer Edelbaumarten. Es werde über sehr warme, sehr trockene und schwache Standorte geredet. Der Käfer werde zeigen, was die Zukunft bringt. Bei den Nadelhölzern auf dürren Standorten habe er nur begrenzte Hoffnung, dass sie im nächsten Jahr noch stehen. Bei Fichte und Kiefer sehe es schlecht aus. Um einen zukunftsfähigen Wald zu erhalten rät Grundhuber, auf  Edellaubholz, Eiche und Buche zu setzen. Sein Rat lautet: Laubholz und mischen.

Riesenproblem für die Eiche 

Am nächsten Haltepunkt zeigte der Revierförster den Unterschied zwischen Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner auf. Der Schwammspinner stelle ein Riesenproblem für die Eiche, aber keines für den Menschen dar. Das Weibchen ist ein heller Falter, das die Eier legt. Das Männchen sieht genauso, nur etwas dunkler aus. Weibchen können gut fliegen, die Männchen flattern und sitzen am Baum, sind eher träge Falter. Der Name rührt daher, dass das Weibchen Eier an den Stamm des Baumes legt und sie mit seinem schwammartigen Gewebe abdeckt. Der Schwammspinner frisst nicht allein an der Eiche, er frisst alles, so Grundhuber.

Die Entwicklungszeit der Raupe beträgt sechs bis zwölf Wochen, erklärte der Revierförster. Eine Raupe vertilgt dabei etwa einen Quadratmeter Laub. Wenn die Eiche im April/Mai kahl gefressen wird, bildet sie einen Johannistrieb und wird wieder grün. Wenn sie aber vorgeschädigt ist, sterben 20 bis 30 Prozent der Bäume, erklärte Grundhuber. Wenn mehrere Schädlinge nacheinander kämen, müsse als Ultima Ratio vom Hubschrauber aus gespritzt werden. Dann werde aber auch alles andere tot gespritzt. Julian Grundhuber hat ein Schwammspinner-Monitoring angelegt. Er hat zehn Bäume mit Gelegen entsprechend markiert und beobachtet die Entwicklung.

Gefährliche Brennhaare

Den Eichenprozessionsspinner ist graubraun und sieht wollig aus, erklärte der Forstmann. Er legt Eier an die Bäume, die Larven machen ein Gespinst. Im Sack sind kleine Kugeln. Im Gelege häuten sich die Raupen mehrfach. Die Larven haben Brennhaare, ab der dritten Häutung ist ein Nervengift drauf. Das könne beispielsweise Ausschläge oder Atemnot verursachen.

Für die Eiche stellen die Gespinste in der Regel kein großes Problem dar, weil es meistens nur wenige Gelege sind, so Grundhuber. Sie wandern wie in einer Prozession den Stamm hinauf, daher der Name, erklärte er. Vergangenes Jahr habe es eine ganz massive Zunahme des Spinners gegeben, berichtete Julian Grundhuber. Der Frickenhäuser See wurde deswegen abgesaugt, 23 Gelege waren im Bereich Liegewiese zu finden. Die Raupe frisst nur Eiche, so der Förster. 2018 seien Frickenhausen, Mittelstreu Rehberg, Sondheim/Grabfeld und Bahra betroffen gewesen. Im Wald soll nichts gegen den Eichenprozessionsspinner unternommen werden, erklärte er. Verantwortlich für die Entsorgung seien die Waldeigentümer. Vorsicht geboten sei beim Brennholzmachen. Denn die Brennhaare sind bis zu sieben Jahre gefährlich.

Nach diesen kompetenten und fachlich versierten Ausführungen lud Klaus Reß alle Waldbegeher ins Schützenhaus ein. Diese Waldbegehung kann als ein Stück Waldschutz gesehen werden, die den Interessierten Einblick in den Wald und seine Schädlinge gegeben und sie zu besonderer Wachsamkeit aufgerufen hat, waren sich alle einig.

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