Niederlauer

Workshop in Niederlauer: Dorfläden sind mehr als reine Einkaufsgeschäfte

Ganz wichtig war den Dorfladenbetreibern beim Workshop-Tag vor der Corona-Krise der persönliche Kontakt mit den Lieferanten, um sich im persönlichen Gespräch über aktuelle Angebote zu informieren und die Zusammenarbeit weiter auszubauen.
Ganz wichtig war den Dorfladenbetreibern beim Workshop-Tag vor der Corona-Krise der persönliche Kontakt mit den Lieferanten, um sich im persönlichen Gespräch über aktuelle Angebote zu informieren und die Zusammenarbeit weiter auszubauen. Foto: Manfred Mellenthin

Die Wichtigkeit und der gesellschaftliche Mehrwert von Dorfläden im ländlichen Raum sind derzeit in aller Munde. Doch wie sieht in Zukunft die Nahversorgung außerhalb der Ballungszentren aus? Wie kaufen die Menschen in kleinen Dörfern ein? Welchen Heimatwert liefern die kleinen Läden? Genau diese Fragen waren für Johannes Graf und seine Mitarbeiter vom Lebensmittelgroßhandel „Igros“ in Salz bei Bad Neustadt noch vor der Corona-Krise der Anlass, um alle zu versammeln, die sich jeden Tag mit Dorfläden beschäftigen.

Betreiber, Träger und Angestellte aus fast 50 Dorfläden tauschten sich vor der Corona-Krise mit Gleichgesinnten aus ganz Nordbayern und Südthüringen beim ersten Dorfladen-Workshop-Tag aus. Sie nahmen viel Nützliches aus der Veranstaltung mit. So gaben Experten und Berater Tipps für das ästhetische Einrichten der Ladenregale, zeigten den richtigen Hygiene-Umgang mit Wurst und Käse oder erklärten die Kniffe im Steuersystem. Neben einem Wettbewerb, welcher Dorfladen aus den gleichen Produkten die schönste Präsentation zaubert, fanden auch Führungen durch das Stammhaus und das Lagerzentrum in Salz statt.

Gleis 13 wird zum Dorfladen für einen Tag  

Extra für diesen Tag wurde in die Eventhalle Gleis 13 in Niederlauer ein komplett ausgestatteter Dorfladen gebaut – mit Kasse, Kühlregal, Kosmetikartikeln und sogar einer Frischwursttheke. Das von Graf ausgegebene Ziel war, dass die Besucher sich inspirieren lassen: „Wir wollten gemeinsam mit den Besuchern in der Praxis arbeiten – nicht in der Theorie“, erzählt Graf.  Zum großen kulinarischen Angebot stellte die Graf-Gruppe ein Kassensystem vor, welches speziell für die Anforderungen im Dorfladen-Alltag entwickelt wurde.

Johannes Graf erläuterte beim Dorfladentag vor der Corona-Krise die Vorteile des angebotenen Kassensystems für Betreiber von Dorfläden, denen für die Nahversorgung im Ort eine immer größere Bedeutung zukommt.
Johannes Graf erläuterte beim Dorfladentag vor der Corona-Krise die Vorteile des angebotenen Kassensystems für Betreiber von Dorfläden, denen für die Nahversorgung im Ort eine immer größere Bedeutung zukommt. Foto: Manfred Mellenthin

Dazu erfuhren die Veranstalter von den täglichen Herausforderungen ihrer Gäste und von individuellen Ideen der einzelnen Dorfläden. Was heute alles zu solch einem kleinen Dorfladen gehört, zeigte die Vielfalt der Aussteller. Neben regionalen Produzenten, etwa von Eiern, Gewürzen oder Kaffee, waren auch eine Werbeagentur, eine Ladenbaufirma, der Dorfladen-Berater Volker Hahn und ein Berater für erneuerbare Energien vertreten – schließlich kann der Stromverbrauch der kleinen Einzelhändler oftmals auch über eine Photovoltaikanlage gedeckt werden.  

Rolle der Dorfläden verändert sich

„Der Dorfladen ist im Wandel. Zwar steht er auch im Konkurrenzdruck mit den Supermärkten und Discountern, spricht aber ein ganz anderes Klientel an. Einkaufswagen vollpacken, an der Kasse zahlen, am Parkplatz einpacken und wegfahren ist nicht das Geschäftsprinzip eines Dorfladens. "Natürlich muss auch gewinnorientiert gearbeitet werden, an erster Stelle steht aber, die Nahversorgung vor Ort zu gewährleisten und auch soziale Kontakte zu ermöglichen“, stellt Graf die gravierenden Unterschiede heraus. Johannes Graf ist überzeugt, dass der Dorfladen weit mehr als ein „Laden im Dorf“ ist, sondern im immer stärkeren Maße ein Treffpunkt, eine Anlaufstelle für das soziale Leben im Dorf sein wird.

Als eine tolle Veranstaltung bezeichnete Bernd Luff aus Großeibstadt, der in Oberlauringen einen Igros-Dorfladen betreibt, den ersten Dorfladentag in Niederlauer. „Gerade für vor kurzem gegründete oder sich in der Planung befindende Dorfläden war das Event eine hervorragende Ideenbörse, wie man sich als Nahversorger im Ort etablieren kann und welche Möglichkeiten man hat“, findet Luff. Für ihn selbst als „alten Hasen“ mit 15-jähriger Berufserfahrung war der persönliche Kontakt mit Lieferanten und Anbietern aber deutlich wichtiger. „Man kennt sich oft nur durch den telefonischen Kontakt, im persönlichem Gespräch kann man besser weitere Möglichkeiten ausloten und Dinge ansprechen, die etwas nachjustiert werden könnten“, so Bernd Luff.

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