BAD NEUSTADT

Wortwitz in lässiger Entschleunigung

Virtuos in Wortwitz und an den Saiten: Willi Astor begeisterte in er Bad Neustädter Stadthalle.
Virtuos in Wortwitz und an den Saiten: Willi Astor begeisterte in er Bad Neustädter Stadthalle. Foto: Gerhard Fischer

Einen Abend mit Willi Astor muss man vom Ende her denken, von der Zugabe aus. „Neptun“ heißt das Stück, mit dem sich Willi Astor aus der Stadthalle Bad Neustadt verabschiedet. Sphärische Gitarrenklänge, viel Hall und Echo, eine bezaubernd-schwebende Tauchfahrt in eine vorgestellte Unterwasserwelt.

Wunderbarer Gitarrist

Das sind die Momente, die einem vor Ohren führen, dass Willi Astor zu den ganz großen Gitarristen in Deutschland gehört. Und dass er ein Liedermacher ist, dessen Worten man weiter lauschen will, das zeigte er im vorletzten Stück, „Einfach sein“. Zufriedenheit mit den kleinen Dingen, das Glück finden im gelungenen Moment: Die einfachen Wahrheiten sind es, die der im Konsumrausch erstickende Mensch finden muss.

„Einfach sein“ war so etwas wie das Motto dieses Willi-Astor-Abends. Angenehm entschleunigt führte Astor durch sein Programm, ging erst einmal für ein paar lange Minuten von der Bühne in die erste Reihe, wo es ein Gold-Ehepaar und eines aus Rödelmaier zu einiger Berühmtheit für einen Abend schafften. Die viel gepriesene neue Stadthalle erschien Astor zwar als „surrealistische Garage“, aber das Publikum sei eines der besten der letzten 40 Jahre gewesen.

Wortwitz und Albernheiten

Dann folgte Wortwitz um Wortwitz und eine Reihe von meist nur sekundenlangen Persiflagen, deren Gitarrenbegleitung allerdings bis zur Pause nur schlecht zu hören war. Der „Sex Bomb“-Hit wurde zum Zahnarzt-Song „Sechs Plomb“ und vieles mehr. Klar, dass bei Willi Astor die Heimatschnulzen-Musik zur „volksdümmlichen Musik“ erklärt wird und der Schädeltoni auf der Zitzenalm ins Halbdebile schunkelt.

Am schönsten sind freilich die Geschichen, die Willi Astor erzählt, zum Beispiel aus seiner Berliner WG mit vielen Berühmtheiten: Brad Pit brät für die WG, beim Schmusen stört Giselles Bündchen und viele weitere schräge Wortspiele sorgen für entspannt harmlose, heitere Kurzweil. In einer Stadt wie Bad Neustadt darf freilich das „Lied für Franken“ nicht fehlen, eine schöne Verballhornung respektive Liebeserklärung an das fränkische Idiom.

Alles in allem ein toller Abend in der voll besetzten Stadthalle. Und nachdem Astor einen Narren an Rödelmaier gefressen hat, dürfte einem Wiedersehen nichts im Wege stehen.

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