WÜLFERSHAUSEN

Wülfershäuser Traditionsgasthaus schließt am 30. November

Hört nach 15 Jahren als Wirt der Wülfershäuser Brückenschenke auf: Udo Maly, der sich ins Privatleben zurückziehen wird. Foto: Alfred Kordwig

Das Gasthaus war nicht nur bei den Einheimischen beliebt. Auch aus den umliegenden Dörfern kamen die Gäste, darunter viele Stammtischler, gerne in die Vitus-Brückenschenke in Wülfershausen, um in uriger Atmosphäre einen gemütlichen Abend zu verbringen.

In den vergangenen 15 Jahre wurde die Wirtschaft mit ihrer langen Geschichte von Udo Maly geführt, der unlängst 60 Jahre alt wurde. vor etwa einem Jahr hatte er beschlossen: Nach diesem runden Geburtstag ziehe mich ins Privatleben zurück.

Maly: „Gut, wenn man rechtzeitig aufhört“

Jahrhunderte alt: die Brückenschenke in Wülfershausen (links) mit dem angegliederten Gebäude, in dem unter anderem der Schützenverein seinen Trainingsraum hat. Foto: Alfred Kordwig

„Es ist immer gut, wenn man rechtzeitig aufhört, um das Erlebte in guter Erinnerung zu behalten“, deutet Udo Maly an, dass es keine finanziellen Gründe waren, die Wülfershäuser Brückenschenke Ende November zu schließen. „Die Kneipe lief eigentlich immer gut und ich konnte mit den Einnahmen ganz passabel leben“, erzählt der gelernte Koch, der vor seinem Einstieg in die Gastronomie sein Geld etliche Jahre als Berufskraftfahrer verdiente. Mitausschlaggebend fürs Aufhören sei gewesen, dass auch zwei langjährige und zuverlässige Servicekräfte nicht mehr zur Verfügung standen.

Immer gerne Kneipenwirt gewesen

Leicht fällt Udo Maly das Zusperren der Brückenschenke nicht. Er betrieb die Kneipe als Unterpächter der Central-Getränke Wülfershausen, die die Immobilie wiederum von der Gemeinde gepachtet hat. „Ich habe den Job als Kneipenwirt immer gerne gemacht und möchte die Zeit nicht missen.“ Besonders viel Spaß habe das Organisieren von Plattenpartys mit Musik von den 70ern bis heute in seiner Kneipe gemacht. „Die letzte Auflage wird es am 17. November geben“, kündigt der passionierte Oldtimer-Fan den Termin für die letzte Party-Veranstaltung in der Brückenschenke an, der hofft, bald einen neuen Betreiber zu finden. „Ich würde mich darüber jedenfalls sehr freuen.“

Im Ortskern keine Wirtschaft mehr

Auch Wülfershausens Bürgermeister Wolfgang Seifert möchte, dass der Betrieb in der Brückenschenke so schnell wie möglich weitergeht. Denn mit der Schließung der Kneipe am 30. November wird es im Ortskern von Wülfershausen kein Wirtshaus mehr geben und als Einkehrmöglichkeit nur noch das Restaurant„Weißer Turm“ am nördlichen Ortsrand bleiben. Es gebe durchaus die Chance, dass ein Nachfolger von Udo Maly gefunden werden kann. „Gespräche mit Interessenten wurden bereits geführt“, sagt Seifert.

Es gibt Interessenten

Central-Getränke bestätigt, dass bereits vielversprechende Kontakte mit potenziellen neuen Betreibern geknüpft wurden. „Uns ist sehr daran gelegen, dass die Brückenschenke weiter besteht und sie nach Möglichkeit auch grundlegend renoviert wird“, so Ingrid Gensler-Lang, Ehefrau von Firmenchef Werner Lang.

Blick auf die lange Wülfershäuser Wirtshaus-Geschichte

Aus den Unterlagen von Kreisheimatpfleger Reinhold Albert (Sternberg) geht hervor, dass es ursprünglich in Wülfershausen nur eine Gemeindewirtschaft gab, die von der Gemeinde jeweils wohl immer für drei Jahre verpachtet wurde. In einer Dorfordnung aus 16./17. Jahrhundert heißt es zur „Schenkstatt": „Es hat die Gemeind eine Schenkstatt, die verlegen sie aus ihrem gemeinen Keller und hat sonsten niemand allda Gastung zu halten oder auszuschenken." In Wülfershausen war dann lediglich noch Weinanbauern gestattet, zu gegebener Zeit eine Heckenwirtschaft zu unterhalten. 1602 wurde laut Gemeinderechnung die Wirtsstallung hergerichtet, ebenso wurde ein neuer Ofen in der oberen großen Stube angeschafft. 1669 wurde ein neuer Brunnen vor dem Wirtshaus aufgestellt. 1708 kam dann zum so genannten oberen Wirtshaus, dem Gemeindewirtshaus, ein weiteres Wirtshaus in Wülfershausen dazu, nämlich das sogenannte Angerwirtshaus. Beide Wirtshäuser mussten für das Schildrecht alljährlich ein Zinshuhn an die Herrschaft, also das Kloster St. Stephan in Würzburg, abführen.

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