Kreuzberg

Würzburg Wallfahrer erklimmen zufrieden den Kreuzberg

454 Wallfahrer, geschätzte vier Tonnen Gepäck: Die Kreuzbergwallfahrt ist eine Großveranstaltung. Für Diskussion sorgte in diesem Jahr ein fehlender roter Mantel.
Vor dem Freialter auf dem Kloster Kreuzberg begrüßte Pater Martin Domogalla die Würzburger Wallfahrer. Foto: Anand Anders

Das „Tal des Todes“ haben sie sich in diesem Jahr gespart: Die Wallfahrer Wigbert Kraus aus Alsfeld in Hessen und Gertrud Dippacher aus Würzburg sind deshalb schon früh in Waldberg, wo die Würzburger Kreubergwallfahrer sich ein letztes Mal stärken, bevor die steile Etappe auf den Kreuzberg folgt. „Man muss sich seine Kräfte einteilen“, sagt Kraus, der zum 15. Mal an der Wallfahrt teilnimmt.

Todestal nennen die Pilger den Streckenabschnitt von Premich nach Waldberg, weil sich dort die Hitze staut. Es geht stets bergauf und man kann das Ende des Tals nicht sehen. Kraus und Dippacher sind daher am Mittwochmorgen vom Nachtlager in Euerdorf bis nach Burkardroth mitgelaufen und haben sich dann in einem Begleitfahrzeug mitnehmen lassen.

"Kniebreche" ist für alle Wallfahrer Pflicht

Für Dippacher ist es bereits die 19. Wallfahrt: „,Einmal oder immer' sagen wir über die Wallfahrt.“ Entweder habe einen die Wallfahrt beim ersten Mal berührt, dann gehe dabei solange man kann. Oder der Funke springe eben nicht über, dann bleibe es bei einem Mal.

Die letzte Etappe des Tages, neun Kilometer die sogenannte Kniebreche hinauf zum Kreuzberg, wollen beide in jedem Fall laufen. „Alle wollen das, das härteste Stück muss sein“, sagt sie. Und genauso sei es Pflicht, beim Einzug in Würzburg dabei zu sein.

Pilgern als Meditation

Das bestätigen Hannah und Felix: Mit 18 und 21 Jahren gehören sie zu den jüngeren Teilnehmern, für sie beginnt jetzt der beste Teil der Wallfahrt. „Jetzt wird es erst so richtig abenteuerlich“, sagt Hannah. Da habe man das Ziel vor Augen und alle Schmerzen seien plötzlich vergessen, fügt Felix hinzu. Hannah ist zum achten Mal dabei, Felix zum elften Mal. In das Wallfahren wurden sie „hineingeboren“, Felix‘ Vater ist als Wallfahrtsleiter mit dabei.

„Es ist jedes Jahr schön, die Leute wiederzusehen“, sagt Hannah. Damit meint sie nicht nur ihre Mit-Wallfahrer, sondern auch die Gastgeber, bei denen sie ihr Nachtquartier finden. Außerdem könne sie beim Laufen besonders gut abschalten. „Ich meditiere dabei und lasse mich von der Menge tragen.“

Damit die Menge sich unbesorgt treiben lassen kann, ist viel Organisation nötig: Hubert Hornung ist als Wallfahrtssekretär für die Unterbringung der Pilger zuständig. Die Wallfahrt beginnt für ihn schon um Pfingsten herum. Er macht in den Übernachtungsorten Termine aus, hält Kontakt mit den Gastgebern. Sein Job wird von Jahr zu Jahr schwieriger: „Viele langjährige Gastgeber können sich aus Altersgründen nicht mehr beteiligen“, erklärt er. Zum Glück habe er aber viel Unterstützung aus den Orten, in denen die Wallfahrt Station macht. „Die Orte werben richtig für uns, das ist eine große Hilfe.“

Feuerprobe für neue Pilgerführer

Mit der Arbeit der neuen Pilgerführer Claudia Lurz aus Holzkirchhausen und Thomas Schenkel aus Essfeld (beide Lkr. Würzburg) ist Hornung sehr zufrieden. Sie lösten in diesem Jahr Klaus Rind ab, der die Würzburger Wallfahrer zuvor 20 Jahre lang angeführt hatte. "Die beiden geben ein gutes Tempo vor und sind sehr pünktlich", so Hornung. Auch von den Wallfahrern würden sie gut angenommen. "Nur der rote Mantel, den Klaus Rind immer getragen hat - der fehlt vielen."

Schenkel hat sich ersatzweise ein rotes Hemd über das weiße Sportshirt gezogen. "Wir hatten ja nur ein Jahr Vorbereitungszeit. So kurzfristig haben wir keinen roten Mantel organisieren können", erklärt er. Lurz und er führen das Feld immer gemeinsam, einer trägt dabei den offiziellen Stab, der andere hat die Uhr im Blick und schaut auf den Plan. Ob das Duo auch 20 Jahre im Amt bleiben wird, wie ihr Vorgänger? Schenkel lacht: "Zusammen werden wir es vielleicht auf 20 Jahre bringen."

Dass mit Claudia Lurz zum ersten Mal eine Frau die Wallfahrt anführt, ist weniger ein Thema, als der fehlende rote Mantel. "Ich freue mich, dass endlich mal eine Frau vorweg geht", sagt die 18-jährige Hannah.

Guardian Peter Martin Domogalla begrüßte sofort die jüngeren Teilnehmer der Wallfahrt und die neuen Pilgerführer Claudia Lurz und Thomas Schenkel (mittig in rot). Foto: Carolin Schulte

Am Ziel ist die Erleichterung groß

Gegen 17 Uhr am Mittwoch sind die Wallfahrer endlich auf dem Kreuzberg angekommen. 86 Kilometer zu Fuß haben sie hinter sich, man sieht ihnen die Erleichterung an. Viele Angehörige haben sich auf den Weg nach oben gemacht, um die Wallfahrer zu begrüßen, sie liegen sich in den Armen.

Auch Wigbert Kraus, der sich morgens noch geschont hatte, um fit für die letzte Etappe zu sein, hat es geschafft. "Ging einfacher als gedacht", sagt er strahlend.

Von Indien auf den Kreuzberg
Patrick Walter aus Würzburg und Jobin Joy Madukkakuzhy aus Indien vor dem Kloster Kreuzberg. Foto: Carolin Schulte
Den vermutlichen längsten Weg auf den Kreuzberg hatte Jobin Joy Madukkakuzhy: Erst am Dienstag ist er aus seiner Heimat Indien in Deutschland angekommen. Beruflich hat er mehrmals im Jahr in Bad Bocklet zu tun, seine Familie ist eng befreundet mit Patrick Walters Familie aus Würzburg. Gemeinsam sind Walter und Madukkakuzhy von Euerdorf mit den Wallfahrern zum Kreuzberg gegangen. "Mein Vater ist vor kurzem verstorben, deswegen wollte ich gerne die spirituelle Erfahrung einer Wallfahrt machen", erklärt Madukkakuzhy seine Motivation. Die Wanderung auf den Kreuzberg habe ihm gut getan, sagt er. "Im nächsten Jahr will ich unbedingt die ganze Strecke mitgehen."

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