Bad Königshofen

Young Carer: Mehr Aufmerksamkeit für pflegende Jugendliche

Letztes Jahr war die 14-jährige Lana Rebhan mit ihrer Situation an die Öffentlichkeit gegangen. Vergangene Woche schilderte die Unterfränkin dem Landtag ihre Probleme.
Lana Rebhan und ihr Vater Jürgen, der wegen seiner Erkrankung auf die Hilfe seiner Tochter angewiesen ist.
Lana Rebhan und ihr Vater Jürgen, der wegen seiner Erkrankung auf die Hilfe seiner Tochter angewiesen ist. Foto: Michael Petzold

Der Wochenkalender von Lana Rebhan ist eng getaktet. Schule, Hausarbeit und die Unterstützung ihres Vaters Jürgen müssen unter einen Hut gebracht werden. Und dann gibt es auch noch die Anfragen von Medien, deren Interesse gewachsen ist, seit die 14-jährige Gymnasiastin im Sommer vergangenen Jahres mit ihrer Situation durch die Installierung einer eigenen Website an die Öffentlichkeit gegangen ist und diese Zeitung über sie berichtet hatte. Lana Rebhan ist ein so genannter Young Carer, das sind Kinder und Jugendliche, die stark in die Pflege eines kranken Elternteils eingebunden sind. Bei Lana ist es ihr Vater, der an der heimtückischen Erbkrankheit Zystennieren leidet, die innere Organe angreift und für plötzliche dramatische Verschlechterungen des Allgemeinzustandes verantwortlich sein kann. Weil ihre Mutter Katharina für den Familienunterhalt sorgen muss, ist die Jugendliche um so mehr gefordert.      

Die Politik ist zwischenzeitlich auf das Thema aufmerksam geworden

Auch die Politik ist auf  die Probleme der Young Carer aufmerksam geworden, von denen es in Deutschland geschätzte 250 000 gibt. Viele Politiker haben sich mit Kommentaren auf ihrer Seite young-carers.de zu Wort gemeldet. Am vergangenen Donnerstag hatte Lana zusammen mit Ralph Knüttel, unterfränkischer Regionalvorstand der Johanniter, Gelegenheit, im Sozialausschuss des Bayerischen Landtages in einem Fachgespräch die Situation der pflegenden Jugendlichen vorzutragen. Das Gespräch kam auf Betreiben der  Grünen-Landtagsabgeordneten Kerstin Celina (Würzburg)  zustande. Knüttel nahm an dem Gespräch teil, weil die Johanniter im August 2018 die website "Superhands" ins Leben gerufen haben, das sich speziell an Teenager richtet, die Angehörige pflegen. 

"Lana war große Klasse", schreibt die Grünenpolitikerin in einem Resümee. So still und aufmerksam habe sie den Ausschuss selten erlebt, als Betroffene habe Lana es geschafft, die Situation darzustellen, wie es kein theoretisches Papier es je könnte. Dazu will Kerstin Celina Anträge zu verschiedenen Themen einreichen. So fordert sie fachlich kompetente Ansprechpartner an jeder Schule, ein jugendgerechtes Informationsportal, auf dem sich pflegende Jugendliche auch untereinander vernetzen können, zusätzliche Haushaltshilfe-Angebote, da die bestehenden nicht greifen würden und ein niederschwelliges Konzept zur psychologischen Unterstützung.      

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Johanniter-Pressesprecher Christoph Fleschutz sieht das Gespräch im Sozialausschuss in München positiv. Die Politiker hätten parteiübergreifend deutlich gemacht, dass hier gehandelt werden müsse. Fortschritte sieht er auch in der Sensibilisierung der Öffentlichkeit, wenngleich noch viel passieren müsse. "Das Thema ist in der Gesellschaft angekommen", sagt  Fleschutz, der auch mit den monatlich durchschnittlich 2000 Zugriffen auf die "Superhands"-Seite zufrieden ist.   

Nur wenige Kommunen und Kreise haben geantwortet 

Etwa ebenso viele  steuern auch Lanas Seite "young-carers.de" an, wie die 14-Jährige sagt. Dort findet sich auch eine Liste mit Kommunen in Bayern und Kreisen außerhalb des Freistaats, die von der Familie Rebhan im vergangenen Jahr angeschrieben wurden, mit der Bitte, mögliche Hilfsangebote zu melden. Mit eher bescheidenem Erfolg. Über 70 Kommunen hatten sie in Bayern kontaktiert, gerade einmal acht hatten geantwortet. Aus dem benachbarten Thüringen war von den 17 angeschriebenen Kreisen überhaupt keine Reaktion eingegangen.       

Lanas persönliche Situation hat sich seit ihrem Gang in die Öffentlichkeit dagegen deutlich geändert, was die mediale Aufmerksamkeit betrifft. Das bayerische Fernsehen hatte über sie berichtet, für den Fernsehsender Arte, der einen Kurzfilm plant, führt sie ein Tagebuch, die Zeitschrift "Auf einen Blick" hat sie für ihren Wettbewerb "Helden des Alltags" nominiert, Interesse zeigen auch die Süddeutsche Zeitung und die Bild. Bundesfamilienministerin  Franziska Giffey hatte sie im vergangenen Oktober zu einem Besuch in die Bundeshauptstadt eingeladen und am 17. Mai erhält Lana im Roten Rathaus von Berlin einen Preis der privaten Pflegeberatung compass. Im nächsten Oktober hält Lana im Kongreßzentrum von Würzburg einen 20-minütigen Vortrag bei der Kindertagung des Psychotherapeuten Bernhard Trenkle.        

In Lanas persönlichem Umfeld hat sich wenig geändert 

Über mangelndes allgemeines Interesse kann sich die Familie Lebhan also nicht beklagen. Etwas anders sieht es im persönlichen Umfeld aus. Hier habe sich eigentlich im Vergleich zum vergangenen Jahr nichts geändert, auch was die Schule betrifft, sagt Lana. Nach wie vor werde sie auf ihre Situation kaum angesprochen. Vater Jürgen, der im Herbst vorigen Jahres einen Herzinfarkt und einen Schlaganfall erlitten hat und von Ärzten reanimiert werden musste, führt die Zurückhaltung auf das "sensible Thema" zurück. "Das wird eben gerne totgeschwiegen."    

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