Merkershausen

Zu wenig Messstellen im "Roten Gebiet"

Bauern fürchten, dass ihre Existenz aufgrund von zunehmenden Auflagen und Bürokratie gefährdet ist. Ein Knackpunkt dabei ist die verschärfte Düngemittelverordnung.
Beim Ziehen der geforderten Bodenproben hilft der Kreisbäuerin Margit Ziegler hier der ebenfalls von verschärften Auflagen betroffene Bauer Andreas Gerner, ein Vollerwerbslandwirt aus Birnfeld.
Beim Ziehen der geforderten Bodenproben hilft der Kreisbäuerin Margit Ziegler hier der ebenfalls von verschärften Auflagen betroffene Bauer Andreas Gerner, ein Vollerwerbslandwirt aus Birnfeld. Foto: Regina Vossenkaul

Bauern protestieren, grüne Kreuze mahnen, dass die Existenz von Bauernhöfen durch zunehmende Auflagen und Bürokratie gefährdet ist. Ein besonderer Knackpunkt ist die verschärfte Düngeverordnung in den so genannten "roten Gebieten". Kreisbäuerin Margit Zieglers Hof liegt in Merkershausen, in einem roten Gebiet, das oberhalb eines Grundwasserkörpers von Trappstadt bis Thundorf reicht. Was bedeutet das in der Praxis?

Die Bürokratie erfordert viel Zeit: Rund 15 Stunden pro Woche verbringt Kreisbäuerin Margit Ziegler am Schreibtisch, dazu tragen auch die genauen Dokumentationen der Düngegaben bei.
Die Bürokratie erfordert viel Zeit: Rund 15 Stunden pro Woche verbringt Kreisbäuerin Margit Ziegler am Schreibtisch, dazu tragen auch die genauen Dokumentationen der Düngegaben bei. Foto: Regina Vossenkaul

Margit Ziegler bewirtschaftet ihren Hof mit 140 Hektar, davon sind 110 Hektar Ackerland mit elf verschiedenen Kulturen. 45 Kühe und die eigene Nachzucht gehören dazu. Mindestens 15 Stunden pro Woche verbringt die Kreisbäuerin am Schreibtisch, unter anderem weil jede Düngegabe genau dokumentiert werden muss. In Deutschland gibt es zu viel Nitrat im Grundwasser. Die EU hat deshalb schon mehrmals dringenden Handlungsbedarf angemahnt und mit Strafzahlungen gedroht. Zu den geforderten Maßnahmen gehört auch die Ausweisung der stark nitratbelasteten, also "roten" Gebieten, auch ein Teil der Landkreise Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen ist davon betroffen. Dass es sich hier um ein vieharmes Gebiet handelt und durch die Trockenheit die Verdünnungswirkung durch versickerndes Wasser ausbleibt, spiele anscheinend keine Rolle, empören sich die BBV-Verantwortlichen, Kreisobmann Matthias Klöffel und Geschäftsführer Michael Diestel: "Wir werden auf eine Spirale nach unten gedrückt." Deutschland habe das schlechteste Messstellennetz Europas. Die geringe Messtellendichte führe zu einem Pauschalurteil und lasse es nicht zu, "schwarze Schafe" zu ermitteln, wird beklagt.

Bauern fordern höhere Dichte der Messstellen

Was bedeutet das konkret? Wie eine liegende Acht sieht das hiesige rote Gebiet aus. Ganz am nordöstlichen Rand befinden sich einige Messstellen. Dazu kommen eine in der Nähe der Kleingärten und des Grünabfallplatzes "Breite Wiese" Bad Königshofen, eine in Kleinbardorf und eine in Thundorf. Die Bauern fordern eine höhere Messdichte und kritisieren die vorhandenen Messpunkte als nicht repräsentativ. Fast alle liegen am Rand. Das bedeutet, dass hier auch Einflüsse von außerhalb, teilweise aus Thüringen vorliegen. "Das Versprechen, in Bayern zusätzlich 600 Messpunkte einzurichten, nützt uns aktuell wenig. Das kann noch Jahre dauern", sagt Ziegler. Es gibt genug Brunnen mit der entsprechenden Tiefe, die zusätzliche Daten liefern könnten, beispielweise auf Sportplätzen mit eigener Bewässerung und Aussiedlerhöfen.

Die Karte zeigt das Grundwasserkörper-Gebiet, das von Trappstadt bis nach Thundorf reicht. Die eingezeichneten Punkte sind offizielle Messstellen des Wasserwirtschaftsamtes, die Zahlen zeigen die dort gemessenen Nitratwerte.
Die Karte zeigt das Grundwasserkörper-Gebiet, das von Trappstadt bis nach Thundorf reicht. Die eingezeichneten Punkte sind offizielle Messstellen des Wasserwirtschaftsamtes, die Zahlen zeigen die dort gemessenen Nitratwerte. Foto: BBV

Auch die Biogasanlage in Bad Königshofen hat vier eigene Messstellen mit einem Durchschnittswert von 13,2 Milligramm pro Liter (mg/l) Nitrat, während die oben genannte Breite-Wiese-Messtelle, nur wenige hundert Meter entfernt 54,9 mg/l anzeigt. Mitten im Wasserkörper liegen beispielsweise die Brunnen vom ASV Sulzfeld (5,4 mg/l Nitrat) und des TSV Großbardorf (20,1 mg/l). Es werden aber durch das Wasserwirtschaftsamt keine Durchschnittswerte ermittelt, sondern es gilt: Wenn 20 Prozent der offiziellen Messstellen, in einem Wasserkörper-Gebiet höhere Werte als die zugelassenen 50 mg/l Nitrat aufweisen, wird es zum "roten Gebiet" erklärt. In diesem Fall legen also 1,6 Messwerte die verschärften Auflagen fest. "Das ist ungerecht", sagt Ziegler. "Was kann ein Bauer in Thundorf (Nitratwert dort 15,8 mg/l) dafür, wenn bei Alsleben 55 Milligramm pro Liter gemessen werden? Er kann daran nichts ändern, wird aber mitbestraft."

Verschärfte Düngeverordnung wirkt sich im Alltag massiv aus

Die Folgen der verschärften Düngeverordnung erlebt Margit Ziegler in ihrem Alltag. Für jede Fruchtart müssen auf dem betroffenen Feldstück im Zick-Zack-Muster 15 Erdproben in 30 cm und 15 in 60 cm Tiefe gezogen werden. Das bedeutet 30 Einstiche pro Acker, die Erde wird – nach Tiefe getrennt – in Beuteln gesammelt, eingefroren und dann an das zuständige Labor geschickt. Liegt die Bodenprobe zu warm, entwickelt das Bodenleben zusätzliches Nitrat und die Ergebnisse sind verfälscht. "Das Einklopfen mit dem Hammer geht noch, das Herausziehen ist eine enorme Kraftanstrengung", berichtet die Bäuerin. Was sich widerspreche, sei die Forderung, im Herbst gegen mögliche Erosion bodenbedeckende Pflanzen auszusäen, gleichzeitig gibt es ein Herbst-Düngeverbot. "Wir laugen also den Boden aus und bauen den Humus ab, der CO2 speichert und Bodenlebewesen beinhaltet", so die Bäuerin. Es werde sowieso nur das Nötigste an Düngemitteln ausgebracht, der zusätzlich vorgeschriebene Verzicht auf 20 Prozent kostet den Betrieb ungefähr 100 Euro pro Hektar an Gewinn. Bei 14 000 Hektar im hiesigen roten Gebiet bedeute das einen Verlust von rund 1,4 Millionen Euro, rechnen die BBV-Verantwortlichen vor. Kein Wunder, dass einige Betroffene ans Aufgeben denken.

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