BAD NEUSTADT

Zwei Wochen Arrest für sexuellen Übergriff

Gericht

Der übermäßige Alkoholgenuss bei einem alljährlichen Frühlingsfest im Landkreis spielte nicht zum ersten Mal eine Rolle bei einer Verhandlung vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Bad Neustadt. Der Tatvorwurf diesmal lautete: sexueller Missbrauch widerstandsunfähiger Personen.

Zeugen: Total prall

Weit nach Mitternacht hatte ein junger Mann im vergangenen Frühjahr einen Zustand erreicht, den Zeugen jetzt als „total prall“ beschrieben. Ein anderer leicht alkoholisierter Mann, damals 19 Jahre alt, bot dem Betrunkenen, den er erst kurz zuvor kennengelernt hatte, an, bei ihm zu übernachten und schleppte ihn mit weiterer Hilfe dorthin. Mit dem Hinweis auf die Verschmutzung forderte der Quartiergeber seinen Gast auf, die Oberbekleidung auszuziehen.

Als beide im Bett lagen, berührte der angeklagte junge Mann das Geschlechtsteil seines Gastes und ignorierte dabei die abwehrenden Handbewegungen, zu denen der stark Alkoholisierte trotz seines Zustands noch fähig war. Der Täter machte mehrere Fotos, eins davon zeigt deutlich die Gegenwehr. Ruhe bekam das Opfer erst, als es einen Brechreiz vortäuschte – ein Umstand, der vor Gericht zu Überlegungen führte, ob zum Tatzeitpunkt die Widerstandsunfähigkeit wirklich gegeben war. Aber die Promillehöhe von 1,7 – dieser Wert ist zurückgerechnet, vermutlich lag er noch höher – und die Schilderungen der Gesamtumstände ließen daran keinen Zweifel. Die beiden Betroffenen sagten im Übrigen unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus.

Für die Bewertung des Übergriffs und die Feststellung, ob beim Angeklagten unabhängig von seiner sexuellen Ausrichtung sogenannte schädliche Neigungen vorliegen, wurden auf Antrag der Nebenklage-Vertreterin weitere Handy-Fotos ausgewertet, die nackte Unterkörper von anderen jungen Männern zeigten. Sie seien ihm von anderen Schwulen geschickt worden, sagte der Angeklagte dazu. Einen Hinweis auf schädliche Neigungen gaben sie nach Auffassung des Gerichts nicht.

Da die Tat im jugendtypischen Umfeld des Festes erfolgte, legte der Vertreter der Jugendgerichtshilfe nahe, bei dem bisher unbescholtenen Heranwachsenden mit „geradem“ Lebenslauf Jugendstrafrecht anzuwenden.

Die Staatsanwältin forderte einen Dauerarrest von zwei Wochen, die Zahlung von 500 Euro, drei psychotherapeutische Gespräche im Hinblick auf die Übergriffssituation sowie die Einziehung des Handys. Sie wies außerdem auf die Verletzung des höchst persönlichen Lebensbereichs durch die Fotos hin. Eine empfindliche Strafe nach Erwachsenenstrafrecht hielt die Nebenklage-Vertreterin für angemessen. Die Anwältin des Beschuldigten forderte Freispruch, da sich beim Opfer zu viele Erinnerungslücken und Widersprüche gezeigt hätten.

Gericht: Schuldig

Das Gericht sprach den Angeklagten schuldig; Urteil: Dauerarrest von zwei Wochen und eine Zahlung von 500 Euro an den Kreisjugendring. Das Handy bleibt eingezogen.

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