LANGENLEITEN

Zwischen Teig und Tesla

Familienbetrieb: In der Bäckerei Metz in Langenleiten packt die ganze Familie mit an. Vollkommen auf regenerative Energien setzt Chef Thomas Metz (Zweiter von links), sogar ein e-mobiler Tesla gehört zum Fuhrpark. Ehefrau Sonja Metz (mit dem kleinen Benedikt) und ihre Schwiegereltern Wolfgang und Brigitte Metz unterstützen nach Kräften. Foto: Gerhard Fischer

Die Bäckerei Metz ist ein kleiner Familienbetrieb in Langenleiten in den Walddörfern. Zumindest eine Brotsorte dürften viele Unterfranken schon gekostet haben: das Kreuzbergbrot. Das Brot im Kloster stammt nämlich aus Langenleiten.

Es geht also um alte Rezepte und lange Traditionen in Langenleiten. Aber auch um regenerative Energien, Strom-Autarkie und E-Mobilität. Denn Chef Thomas Metz wandelt die bald 100 Jahre alte Bäckerei Stück für Stück zum energiebewussten Betrieb um.

„Das Umdenken bei mir hat schon während der Meisterschule angefangen“, sagt Bäckermeister Thomas Metz, der 2016 den Betrieb von Vater Wolfgang übernommen hat. In vierter Generation wird bei der Familie Metz gebacken. „Zuerst habe ich die Backöfen modernisiert“, erzählt Thomas Metz. Jetzt haben sie jetzt die doppelte Kapazität, der Energieverbrauch ist aber gleich geblieben.

Wettbewerbsvorteil für Großbäckereien

Doch das war nur der erste Schritt zu einer umweltbewussteren Produktion, die letztendlich zum Wettbewerbsvorteil für einen mittelständischen Betrieb wird. „Die Großbäckereien haben einen Vorteil vor uns handwerklichen Betrieben. Die bekommen die EEG-Umlage für erneuerbare Energien wegen ihrer großen Verbrauche zurückerstattet. Das ist immerhin rund ein Drittel der Stromkosten“, erklärt Thomas Metz.

„Auch, was das Backen betrifft, wollte ich etwas verändern. Wir verzichten vollständig auf Fertigbackmischungen und Zusatzstoffe wie Verdickungsmittel oder andere Stoffe mit den berüchtigten E-Nummern“, betont Metz. „Das war eine Gewissenssache. Und es ging darum, noch mehr auf heimsche Produkte zu setzen aus der Region“, fügt Metz an, der mit Vater und zwei Mitarbeitern den Betrieb führt.

300 Quadratmeter Fotovoltaik

Im November letzten Jahres hat die Familie Metz noch einen großen, weiteren Schritt in Richtung einer nachhaltigen Energieversorgung getan. Auf dem Dach der Backstube wurden fast 300 Quadratmeter Fotovoltaikflächen verlegt, außerdem wurde ein Blockheizkraftwerk installiert. „Das musste im November fertig werden, denn im Dezember wurde unser drittes Kind Benedikt geboren“, schmunzelt Chefin Sonja Metz. „Eine Woche während der Installation war das Haus kalt“, erinnert sich Thomas Metz.

„Die energieintensiven Backöfen werden wir nicht energieautark betreiben können. Aber der nächste Schritt wird eine Umstellung vom Öl auf umweltfreundliches Gas sein“, kündigt der Bäckermeister an. Der Strom für die Kühlgeräte oder für die Beleuchtung im Lebensmittelladen wie auch des kleinen Cafés, das gerne von Wanderern besucht wird, kommt nachhaltig von der Sonne.

Großes Aufhebens macht Metz darum nicht, mit all den Maßnahmen zur umweltfreundlichen Produktion wird eigentlich nicht offensiv geworben, auch wenn er durchaus einer der Vorreiter in der Branche ist. immerhin hat er vor Kollegen bei der Handwerkskammer schon einen Vortrag über die Modernisierung seiner Stromversorgung gehalten.

Ein Tesla als erster Schritt

Im Hof steht ein weiterer Teil seiner betrieblichen Energiewende. Ein weiß glänzender Tesla Modell S gehört seit eineinhalb Jahren zum Firmenbestand. „Der Strom für das Fahrzeug kommt von der Fotovoltaikanlage, ich nutze es dank der beiden Kofferräume auch für Transportdienste“, erzählt Metz. „Aber ich schaue mich gerade nach einem e-mobilen Lieferfahrzeug um“, ergänzt er. Einen Streetscooter der Deutschen Post habe er schon Probe gefahren.

Selbsthilfegruppe für e-mobile Bäcker

„Es gibt eine Selbsthilfegruppe von Bäckern in Deutschland, die mit Anbietern von E-Mobilen zusammenarbeiten. Aber ein Modell für meinen Bedarf gibt es noch nicht. Es müsste in etwa die Größe eines Sprinters haben“, spekuliert Metz. Aber ein stromgetriebenes Fahrzeug sei für überschaubare Lieferfahrten seines Betriebs ideal. Neben dem Hauptgeschäft in Langenleiten werden noch der Laden in Sandberg sowie der Fachmarkt Werner in Bischofsheim beliefert, das Kloster Kreuzberg freilich nicht zu vergessen und Kunden in Bad Kissingen und Schweinfurt.

2023 ist 100-jähriges Betriebsjubiläum im Hause Metz in Langenleiten. Zeit, die die Familie Metz gewiss für weitere Innovationen nutzen wird.

Neue Öfen für das gute, alte Handwerksbrot: In den letzten Jahren wurde viel modernisiert in dem Langenleitener Familienbetrieb, den es seit bald 100 Jahren gibt. Die Stromversorgung erfolgt über die Fotovoltaikanlage und das eigene Blockheizkraftwerk. Im Bild (v. links) Wolfgang Metz, Thomas Metz, Sonja Metz sowie die Bäckerei-Mitarbeiter Patrik Sinner und Kazim Mohsen. Foto: Gerhard Fischer
Alles Gute kommt von oben: Auf fast 300 Quadratmetern Fotovoltaikfläche über der Langenleitener Backstube gewinnt die Bäckerfamilie Metz Strom für ihren Laden mit angeschlossenem Café, für die Kühlanlagen sowie den firmeneigenen Tesla Modell S. Foto: Thomas Metz

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