Kreuzberg

Abflug nach Südost

Trockenübung: Flautezeiten können auf dieser Gleitschirmschaukel überbrückt werden, die Adolf Groß aus Bischofsheim an der neuen Startrampe gebaut hat.
Foto: Klaus Neumann | Trockenübung: Flautezeiten können auf dieser Gleitschirmschaukel überbrückt werden, die Adolf Groß aus Bischofsheim an der neuen Startrampe gebaut hat.

Die Himmel erzählen deine Herrlichkeit, vom Werk deiner Hände kündet das Firmament. Wer emporsteigt, kann die Natur bewundern und sich daran erfreuen!“

Pater Stanislaus hat den passenden Psalm gefunden für diesen Platz am Kreuzberg. Der Blick schweift Richtung Süden. Keine Buche verstellt ihm da die Sicht aufs weite Land. Es wölbt sich von Sandberg über Waldberg und Langenleiten hinweg über den Salzforst. Dieses Einsehen hat man sonst nur vom Steinernen Meer unterhalb des Kreuzberg-Gipfels.

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Nun kann der geneigte Rhön-Wanderer diesen herrlichen Blick schon etwas tiefer genießen. Auf dem Rundweg Nummer drei bleiben die Fußgänger seit einiger Zeit verwundert stehen, rasten am wuchtigen Tisch, sitzen auf der kantigen Holzbank und den geschwungenen Holzsitzen – und können sich gar nicht sattsehen an der ungewohnt offenen Ferne auf der Südseite des Kreuzbergs.

„Zwei Dinge wollten wir realisieren: Umweltverträgliche Sportarten fördern, ohne einen wuseligen Freizeitpark zu bauen und einen Aussichtspunkt Richtung Süden. Beides ist uns hier bestens gelungen!“ Bischofsheims Bürgermeister Udo Baumann traf ebenso wie Pater Stanislaus den Kern dieses Projekts bei der offiziellen Segnung der Startrampe Südost des Gleitschirmclubs Kreuzberg. Die 40 Mitglieder des jungen Vereins haben ein gerüttet Maß am Bau dieses Platzes beigetragen. Und das durchaus auch im besten Sinne zum Eigennutz. „Über 1000 Arbeitsstunden haben wir in die Anlage investiert“, bilanziert Vorsitzender Uli Klebl. Den Kreuzbergfliegern steht nun neben den Nordost- und Nordwest-Startmöglichkeiten am Käuling und am Arnsberg auch ein Südhang für ihre Abflüge offen – seit Freitag mit kirchlichem Segen versehen.

Heimatverbunden auch in luftiger Höhe: In den Landkreis-Farben schwebt Michael Köberlein hernieder nach Sandberg.
Foto: Fotos (4): M. Nöth | Heimatverbunden auch in luftiger Höhe: In den Landkreis-Farben schwebt Michael Köberlein hernieder nach Sandberg.
„Hier wärmt die Sonne nahezu den ganzen Tag, die Basaltsteine heizen sich auf und sorgen für beste Thermik“, doziert Uli Schmeck. Der Sonderschullehrer aus Schwalmstadt in Hessen hat die weiteste Anfahrt aller Vereinsmitglieder. Aber er nimmt die 120 Kilometer einfach gerne auf sich. Findet er doch hier einen jungen Verein, der so richtig nach seinem Geschmack ist. „Da packt jeder an, wenn's ums Helfen geht“, lobt er. In der Tat schafften die 40 Frauen und Männer Beachtliches im vergangenen Jahr. „Obwohl sich manches Mal tiefe Falten in meine Stirn eingruben“, erinnert sich Uli Klebl. Aber wenn sich die Frau seines Stellvertreters Joachim Stöhr als Landschaftsarchitektin um Gutachten kümmert, die Stadt Bischofsheim mit den Forst- und Naturschutzbehörden für den nötigen Rückenwind der Kreuzbergflieger sorgten und die Entbuschung mit Großgerät und vereinten Kräften im Steilgelände unfallfrei ausging, waren Klebls Falten schnell geglättet wie der Gleitschirm, der sich aufbäumt im Südwind. „Ich sage aus tiefsten Herzen danke für diese tatkräftige Unterstützung“, freut sich Klebl aufrichtig.

Der von Baumann als Motor dieser Aktion ausgezeichnete Bischofsheimer musste auch keine große Überzeugungskraft aufwenden, um das Vorhaben zu realisieren. „Das ist eine gute Geschichte, die nicht nur unsere Stadt, sondern auch die ganze Region bereichert“, urteilt Bischofsheims Bürgermeister.

Segen: Mit Weihwasser besprengt Pater Stanislaus den Ort.
| Segen: Mit Weihwasser besprengt Pater Stanislaus den Ort.
Von vielen Wanderern und auch Wallfahrern sei dem Bürgermeister schon großes Lob gezollt worden für diesen herrlichen Platz. Einzig sein Sandberger Kollege habe etwas Bedenken geäußert, erzählt Baumann augenzwinkernd. Nun könne man das „Elend“ seiner Gemeinde unverstellt überblicken.

Diese Befürchtungen teilen die Gleitschirmflieger überhaupt nicht. Im Gegenteil. Sie schwärmen ebenso wie die Passanten von ihrem Start- und von ihrem Landeplatz in Sandberg. Selbst bei anhaltender Flaute biete der Blick gerade auf die Walddörfer und das dahinterliegende Frankenland wohltuende Entspannung und Besinnung auf Gottes Natur – genauso wie es Pater Stanislaus im Psalm vorgetragen hat.

„In der Luft spürt man die Nähe Gottes!“

Pater Stanislaus bei der Segnung

Und wer sich emporschwingt in die Höhe, dem hat der Franziskanerpater ebenfalls eindrucksvolle Worte mit auf den Flug gegeben: „In der Luft spürt man Gottes Nähe, holt sich Kraft für die Landung, die in Dankbarkeit Dir gegenüber münde!“

Eine verschworene Gemeinschaft: Der Gleitschirmclub Kreuzberg.
| Eine verschworene Gemeinschaft: Der Gleitschirmclub Kreuzberg.

Und die ist wirklich angebracht angesichts des Spiels mit den Elementen. „Gefährlich ist nur das, was man nicht beherrscht“, sagt dazu Uli Klebl. Er bezeichnet diese Startrampe gerne auch als die anspruchsvollste nördlich des Alpenhauptkamms. Bei genügend Thermik könne man sich schnell einige schöne Meter über den Sendemast emporschwingen, hat je nach Windrichtung die Möglichkeit, bis nach Kulmbach oder Marburg zu fliegen – was seinem Kollegen Uli Schmeck auch schon gelungen ist.

Ein Straßendorf wie es im Buche steht: Sandberg aus der Vogelperspektive.
| Ein Straßendorf wie es im Buche steht: Sandberg aus der Vogelperspektive.
Dem erfahrenen Flieger vertraut man sich gerne an bei einem Tandemflug. Seine ruhige Stimme zählt bis drei und los geht's in die Höhe – allerdings erst rückwärts Richtung Wald. Eine starke Böe, Schmeck bricht den Start ab, die Landung auf dem Basaltschotter ist abrupt. „Also versuchen wirs rückwärts!“ Schmeck richtet den Schirm im Wind auf, dreht seinen Passagier in die Abflug-Richtung – und los gehts im Laufschritt. Nach gefühlten drei Metern schwebt man in der Luft. Unten huschen Büsche und Buchen vorbei. Sie werden immer kleiner. Der Blick weitet sich, man sitzt sicher und lauscht den Gesängen der Lüfte. Und der sonoren Stimme Schmecks. „Gehts gut? Jetzt bekommen wir Höhe!“ Der Luftmesser piepst. Erstaunliches tut sich auf unter den hängende Füßen: Ein Karree mitten im Wald, und darin weiden Kühe.

Trockenübung: Flautezeiten können auf dieser Gleitschirmschaukel überbrückt werden, die Adolf Groß aus Bischofsheim an der neuen Startrampe gebaut hat.
Foto: Klaus Neumann | Trockenübung: Flautezeiten können auf dieser Gleitschirmschaukel überbrückt werden, die Adolf Groß aus Bischofsheim an der neuen Startrampe gebaut hat.
Der Flug könnte immer so weitergehen. Doch Uli Schmeck lenkt ein: „Oben wartet noch ein Fluggast. Wir müssen runter.“ Die Landung – ein Klacks. Auf der Sandberger Wiese sagt er: „So, das war die Premiere als Tandem-Flug von unserer Startrampe!“ Pater Stanislaus Worte von der Dankbarkeit hallen deutlich nach.

  

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