Mellrichstadt

Akrobatik, Löwen und Clownerie unterm Zirkuszelt

„Grüße vom Bauernhof“ nannte sich dieser Programmteil, vorgeführt von Stephanie Probst und ihrem Partner Sergiu. Sie traten mit Ziegen und Eseln auf.
Foto: Fred Rautenberg | „Grüße vom Bauernhof“ nannte sich dieser Programmteil, vorgeführt von Stephanie Probst und ihrem Partner Sergiu. Sie traten mit Ziegen und Eseln auf.

Früher mochte es der Zirkus leichter gehabt haben, als fantastische Sensationen und Giganto-Effekte aus Fernsehen und Film noch nicht auf die Menschheit einströmten. Doch wer am Wochenende die Aufführungen des Zirkus Probst auf Mellrichstadts Streuweise besucht hatte, konnte als Freund zirzensischer Kunst getrost konstatieren: Bei solcher artistischer Perfektion kann der Zirkus spielend mit den modernen Medien konkurrieren und auch in Zukunft bestehen. Ohne zu hanebüchenen Tricks greifen zu müssen. Sondern mit Kultur zu punkten, mit Schönheit, mit Kunstfertigkeit, mit Farben und Musik, mit Frohsinn, mit bunter Abwechslung, mit mehr als einem Hauch von Exotik, kurz: Mit einem Programm, das die Herzen der Besucher im Nu gewinnt und für zwei höchst unterhaltsame Stunden fesselt.

Bunte Mischung

Das Programm „Fantastico“, mit dem dieser Zirkus zurzeit durch Deutschland tourt, bot das alles: eine Mischung aus traditionell-zirzensischen und modernen Elementen. Tradition: Das heißt beim Zirkus Probst ganz besonders die Demonstration von Tieren wie edlen Pferden durch die Juniorchefin Stephanie Probst; von Zebras, Dromedaren und Kamelen, schwergewichtigen afrikanischen Rindern und leichtfüßigen Lamas, Domäne des Chefs Reinhard Probst. Löwen und Tiger gehören dazu, vom Tierlehrer Tom Dieck Junior spektakulär vorgeführt. Der Zirkus Probst ist ein Tierzirkus, zweifellos. Mit einem australischen Emu, mit zwei mächtigen Ligern, dieser Mischung aus Löwe und Tiger, mit dem Zebroid „Jambo“ und Tieren wie Ziegen und Eseln beim Programmteil „Grüße vom Bauernhof“ wird dieser Eindruck noch verstärkt.

Ratten auf dem Kopf

Moderne Teile im Programm waren dagegen die Darbietungen des Clown-Paars Slobi und Olga, die nun wirklich andere Wege gingen als mit dem langweiligen Harlekin; wenn ihnen garfieldartige Katzen und Ratten auf dem Kopf herumtanzen, wenn sie selber artistisch jonglieren; wenn Slobi eine Neuauflage der mechanischen Puppe Coppelia in die Manege schleppt (bei der man sich fragt, wie die bezaubernde Darstellerin in den unmöglichsten Positionen immer die Steifheit einer Schaufensterpuppe beibehalten kann). Irgendwo zwischen klassisch und modern waren die waghalsigen Kunststücke von Tamara Khurchudova am Trapez angesiedelt, die unter das Zeltdach schwebte und dabei unglaubliche Jonglagen ausführte. Sie trat auch als rotierende Riesenleuchtqualle auf, optische Eindrücke von neuartiger Faszination vermittelnd.

Auch die herrlich komischen Verrenkungen und Sprünge von Jim Bim vom Sprungbrett in das Trampolin-Schwimmbecken hätte man früher nie sehen können. Sie lösten besonders bei den Kindern Heiterkeit aus, während sich mancher Erwachsener fragen mochte, wie ungeheuer schwer es eigentlich sein muss, Luftschrauben und Saltos so auszuführen, dass sie leicht und schwerelos aussahen. Jongleure sind gewiss traditionelle Teile in jedem Zirkusprogramm. Doch wie Viktoria und Viktor Kosnyrov ihre Riesenhanteln durch die Luft wirbelten, das hatte vermutlich noch keiner der Besucher gesehen. Eine Augenweide von anmutiger Bodenakrobatik bei größter Perfektion, die an den Eiskunstlauf ohne Schlittschuhe erinnerte, boten die Zwei vom Duo Infinitum. Geradezu atemberaubend aber waren ihre Kunststücke an den Seidenstrapaten. Auch hier: höchste Eleganz trotz größter körperlicher Anstrengung bei dem Spiel zweier Liebender unter der Zirkuskuppel.

250 Jahre Zirkustradtion

Moderator Mathijs te Kiefte hatte es angesagt: Das diesjährige Programm seines Zirkus war auch als Hommage gedacht an die Ursprünge des Zirkus vor 250 Jahren, ein Jubiläumsprogramm also. Es wusste sich mit großem Erfolg der Zirkustradition verpflichtet, aber es war zugleich ein Programm, das nicht nur in unsere Zeit passt, sondern in die Zukunft weist. Und das nicht zuletzt auch wegen der Art, wie die Zirkusleute mit ihren Tieren umgehen. Denn dafür waren sie von Tierärzten immer wieder gelobt worden.

Pferde und exotische Tiere hat der Zirkus-Chef Reinhard Probst dressiert. Zu den hier zusehenden Pferden, Wattussi-Rindern, dem Dromedar und dem Kamel kamen wenig später noch Lamas, Zebras, ein Zebroid und ein Emu hinzu.
Foto: Fred Rautenberg | Pferde und exotische Tiere hat der Zirkus-Chef Reinhard Probst dressiert. Zu den hier zusehenden Pferden, Wattussi-Rindern, dem Dromedar und dem Kamel kamen wenig später noch Lamas, Zebras, ein Zebroid und ein Emu hinzu.
Slobi hält natürlich keine Puppe in den Armen, auch wenn es seine Partnerin Olga perfekt versteht, eine solche nachzuahmen.
Foto: Fred Rautenberg | Slobi hält natürlich keine Puppe in den Armen, auch wenn es seine Partnerin Olga perfekt versteht, eine solche nachzuahmen.
Auch wenn ihn seine Tiger hier anfauchen: Raubtierlehrer Ton Dieck Junior war sich mit ihnen einig, ebenso mit seinen Löwen und Ligern.
Foto: Fred Rautenberg | Auch wenn ihn seine Tiger hier anfauchen: Raubtierlehrer Ton Dieck Junior war sich mit ihnen einig, ebenso mit seinen Löwen und Ligern.
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