Schmalwasser

Als Totholz bleibt die Alte Eiche von Schmalwasser wichtig

400 Jahre lang hat sie ihren Stamm gen Himmel gereckt. Nun ist die Alte Eiche bei Schmalwasser zu Boden gegangen. Der Naturschutz hat aber weiter ein Auge auf sie.
Riese, vom Alter gefällt: Die so genannte Alte Eiche bei Schmalwasser ist ein Naturdenkmal. Der etwa 400 Jahre alte Baum ist nun endgültig zu Boden gegangen. Aber auch als Totholz-Biotop behält er seinen Status als Naturdenkmal bei.
Riese, vom Alter gefällt: Die so genannte Alte Eiche bei Schmalwasser ist ein Naturdenkmal. Der etwa 400 Jahre alte Baum ist nun endgültig zu Boden gegangen. Aber auch als Totholz-Biotop behält er seinen Status als Naturdenkmal bei. Foto: Gerhard Fischer

Die Alte Eiche steht nicht mehr. Ein meterlanger, ausgehöhlter, schon vermorschter Stamm liegt auf dem Waldboden am östlichen Ortsausgang von Schmalwasser. Jahrhundertelang hat sie sich im Salzforst gen Himmel gereckt. Generationen von Wanderern und Spaziergängern haben bei ihr Rast gemacht, Familienfotos wurden an ihr geschossen. Doch jetzt hat die Zeit den ehrwürdigen Baum gefällt.

Früher standen an der Stelle eigentlich drei wuchtige Eichen, die Gegend oberhalb der so genannten Gänswiese in der Abteilung Gänsberg hieß deshalb schon immer "Bei den drei Eichen". Ein großes Gebiet um Schmalwasser herum soll einst uralter Eichenbestand gewesen sein, steht in der Ortschronik zu lesen, die Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert 2006 zum 500. Dorfjubiläum herausgebracht hat.

Kultstätte in der Nazizeit

Darin wird auch von der Bedeutung der drei Eichen geschrieben, die die Nazis mit ihrem Germanen-Kult den Baumriesen geben wollten. Die Nazis hatten sich die drei Eichen als "Dingstätte" nach dem Vorbild der Germanen auserkoren. Am 21. März 1934 stellte der NSDAP-Regierungsbeauftragte für Naturschutz in Unterfranken, Dr. Hans Stadler, die drei "tausendjährigen Eichen", wie sie von den Nazis genannt wurden, unter Naturschutz. Außerdem wurde die Fläche rundum gerodet für den neuen Kultplatz. Zeitungsberichte aus der damaligen Zeit schrieben den Bäumen ein Alter von 2000 Jahren und mehr zu. Schon damals wurde berichtet, dass in der einen, ausgehöhlten Eiche zwei Erwachsene aufrecht nebeneinander stehen könnten. 

In der von Reinhold Albert verfassten Ortschronik für Schmalwasser aus dem Jahr 2006 wird auf die Alte Eiche in der Abteilung Gänsberg am Ostrand von Schmalwasser eingegangen.
In der von Reinhold Albert verfassten Ortschronik für Schmalwasser aus dem Jahr 2006 wird auf die Alte Eiche in der Abteilung Gänsberg am Ostrand von Schmalwasser eingegangen. Foto: Gerhard Fischer

Die Ortschronik von Schmalwasser zeigt die bis in unsere Zeit verbliebene Eiche mit ihrem massigen Stamm. Viele Schmalwasserer erinnern sich, dass entweder Familienfotos gemacht wurden oder sich junge Ehepaare vor der Eiche ablichten ließen. Von der jetzt gefällten Eiche wurden sogar Rindenstücke genommen, damit die Enkelkinder etwas Rhöner Muttererde im Glas aufheben können.

Stück für Stück entsteht neues Leben aus dem Totholz der Alten Eiche von Schmalwasser.
Stück für Stück entsteht neues Leben aus dem Totholz der Alten Eiche von Schmalwasser. Foto: Gerhard Fischer

Kreisgartenfachberater Georg Hansul weiß von dem Baum. Er selbst kümmert sich aber in erster Linie um Naturdenkmale, die sich innerhalb von Ortschaften befinden, wohingegen sich die Untere Naturschutzbehörde um die Naturdenkmale in freier Natur kümmert. Im Naturdenkmal-Kataster des Landkreises ist der Baum unter der Nummer 2602 aufgelistet. Seit dem 29. Mai 1951 steht sie unter Naturschutz. Demnach handelt es sich exakt um eine Traubeneiche (Quercus petraea). Ihr Alter wird mit rund 400 Jahren angegeben.  

Auf der Liste der Naturdenkmäler

"Ich kenne den Baum schon länger und habe sein Ableben mitbekommen", so Dieter Weisenburger, Fachreferent für Naturschutz bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes. "Der Baum ist weiterhin ein sehr wertvolles Totholz-Biotop und bleibt daher auch als toter Baum als Naturdenkmal geschützt", betont der Fachmann. Etwa 90 bis 100 Naturdenkmale betreut seine Behörde. "Die Alte Eiche habe ich regelmäßig einmal im Jahr besucht", so Weisenburger. Grund- und somit Baumeigentümer sind die Bayerischen Staatsforsten, vertreten durtch das Forstamt Bad Brückenau.  

"Tot ist der Baum genauso wertvoll wie lebend", betont Weisenburger, denn viele Lebewesen finden darin jetzt Brutstätten Nahrung oder Rückzugsmöglichkeiten. Vor einigen Jahren wurden rund um die Eiche schon einmal Fichten entnommen, um dem Baum mehr Licht zu verschaffen. "Es ist ja ein außergewöhnliches Exemplar mit seiner markanten Knolle", so der Fachmann weiter.

So hatte Dieter Weisenburger von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt die Alteiche noch 2011 dokumentiert.
So hatte Dieter Weisenburger von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt die Alteiche noch 2011 dokumentiert. Foto: Dieter Weisenburger

Auch als Totholz wird die Alte Eiche weiterhin von der Unteren Naturschutzbehörde begleitet. "Wir werden weiter kontrollieren. Es könnte auch sein, dass noch einmal umstehende Bäume beseitigt werden, wenn es für das Totholz und die Abbauprozesse von Vorteil ist", so Weisenburger weiter.

Die Schmalwasserer Eiche ist auch bei Baumfreunden keine Unbekannte. So gibt es im Internet die Seite "www.monumentale-eichen.de", auf der der Baum aus dem Salzforst aufgelistet ist. Dort wurde die Eiche 2016 erfasst und als etwa 300 Jahre alt beschrieben mit einem Stammumfang von 5,85 Metern.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Schmalwasser
  • Gerhard Fischer
  • Das dritte Reich
  • Forstämter
  • Germanen
  • Leben und Lebewesen
  • Nationalsozialisten
  • Naturdenkmale und Sehenswürdigkeiten im Bereich Natur
  • Naturschutz
  • Naturschutzbehörden
  • Reinhold Albert
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
1 1
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!