Alsleben

Alsleben: Die Linde der Einheit ist in 30 Jahren gut gewachsen

Edgar Staudigel und Kurt Mauer, zwei ehemalige Kommunalpolitiker, vergleichen an der bayerisch-thüringischen Grenze "ihre Linde der Einheit" mit einem guten nachbarschaftlichen Verhältnis.
Foto: Hanns Friedrich | Edgar Staudigel und Kurt Mauer, zwei ehemalige Kommunalpolitiker, vergleichen an der bayerisch-thüringischen Grenze "ihre Linde der Einheit" mit einem guten nachbarschaftlichen Verhältnis.

Wenn Edgar Staudigel aus Gompertshausen in Thüringen und Kurt Mauer aus Alsleben in diesen Tagen zur Linde der Einheit gehen, werden  unweigerlich Erinnerungen wach. "Weißt du noch, was das für ein Fest war…,  wie haben wir uns  gefreut…,  damals wurde diese Linde gepflanzt und gehegt und gepflegt… "

Die beiden ehemaligen Kommunalpolitiker geraten richtig ins Schwärmen, wenn sie die etwa sieben Meter hohe, gut gewachsene Linde betrachten.  "So wie diese Linde gewachsen ist, sind auch unsere Freundschaft und das gemeinsame Miteinander gewachsen", sind sich beide einig.

Die ganze Strecke gelaufen

Kurt Mauer, damals zweiter Bürgermeister der Gemeinde Trappstadt, weiß noch, dass man die offizielle Öffnung der Grenze zwischen Gompertshausen und Alsleben beantragen musste und er erinnert daran, dass die Gäste aus Gompertshausen mit Bussen der Firma Menzel nach Alsleben gefahren wurden. "Ich bin die ganze Strecke gelaufen, das musste einfach sein, um das zu erleben, was niemand für möglich gehalten hat," wirft Edgar Staudigel ein.

Alles sei überraschend gekommen. Immer wieder geht  sein Blick zurück in die Zeit der DDR-Herrschaft. So weiß er, dass 1989 die Veste Heldburg vorgesehen war, um dort Demonstranten, die gegen das Regime waren, unterzubringen.

In der Gemeinde habe man die Grenzöffnung zunächst nicht realisiert, man konnte es nicht glauben. Erst am Wochenende fuhr  Edgar Staudigel mit seiner Familie morgens um 2 Uhr in Gompertshausen los, um über den Grenzübergang Henneberg in den Westen zu kommen. Gegen 7 Uhr war man in Alsleben. "Wir wussten ja nicht, wie man dieses Alsleben erreichen kann, bis wir das Straßenschild  Trappstadt und Alsleben gesehen hatte."

Tränen in den Augen

Alsleben kannte man ja nur vom Gompertshäuser "Weinberg", und da sah man lediglich ein paar Häuser und die Kirchturmspitze. Als dann die Grenzübergänge geöffnet wurden, war natürlich vieles einfacher. So war man beim 11. Kreismusikfest in Alsleben 1990. Kurt Mauer weiß von Bürgern aus Gompertshausen, dass sie beim Deutschlandlied nicht mitspielten, weil sie Tränen in den Augen hatten und sie es noch immer nicht fassen konnten.

Edgar Staudigel ist es übrigens zu verdanken, dass ein Führungsturm mit den Bunkeranlagen an der einstigen innerdeutschen Grenze stehen blieb. "Ich habe mich dafür eingesetzt, um ein Stück deutscher Geschichte zu DDR-Zeiten zu erhalten, denn das war mir wichtig, um der Nachwelt deutlich zu machen, wie das war, als Zaun und Minen uns voneinander trennten."

Noch heute blickt Edgar Staudigel dankbar zurück und erinnert an Kurt Mauer, der ihm mit anderen Kommunalpolitikern "unter die Arme griff, um notwendige Einblicke in die Aufgaben der Gemeinden und der Verwaltungsgemeinschaft zu bekommen". Immer wieder habe er nachgefragt, wenn es um Zuschüsse ging, um Sportförderung, oder um die Flurbereinigung. Hinzu kamen weitere förderwürdige Maßnahmen im Dorf, so vor allem das Programm der Dorferneuerung.

Hilfe bei der Geldbeschaffung

Schmunzelnd erzählt Edgar Staudigel, dass er zum Schluss so fit und clever war, dass es ihm gelang, eine Fördersumme von 400000 Mark für Gompertshausen in Erfurt zu bekommen. "Eigentlich wollten sie mir nur 250000 geben, aber ich bin hart geblieben und habe bekommen was ich wollte." So entstanden die neue Mehrzweckhalle, eine Kegelbahn, die Dorfstraßen wurde ausgebaut und auch für die Anwohner gab es Zuschüsse, wenn sie ihre Häuser "auf Vordermann brachten."

Gompertshausen war unter anderem Landessieger und auch beim europäischen Wettbewerb ganz vorne dabei. "Heute ist Gompertshausen ein schmuckes Dorf," wirft Rosi Mauer ein, und ihr Mann Kurt erinnert daran, dass man mit Edgar Staudigel deshalb auch "Klinken putzen ging."

Bis nach Bonn reiste man, ist dort mit Politikern, unter anderem Bundeskanzler Helmut Kohl, Finanzminister Theo Waigel und vielen anderen namhaften Persönlichkeiten in Kontakt gekommen. Von 1990 bis 1999 war Edgar Staudigel Bürgermeister in der 550 Einwohner zählenden Gemeinde und hat in dieser Zeit das Dorf nach vorne gebracht. Immer wieder bringt er die enge Verbindung mit Alsleben ins Gespräch und erinnerte zum Beispiel daran, dass die Musikerinnen und Musiker der Gompertshäuser Kapelle in Alsleben ausgebildet wurden.

Wie sieht die Zukunft aus?

Wie sieht Edgar Staudigel die Zukunft? Die Jugend wandert ab, weil sie keinen Arbeitsplatz bekommt. Im Ort gibt es nur noch wenige Handwerksbetriebe. Heute hat Gompertshausen 430 Einwohner, verfügt über ein Neubaugebiet und hat im Innerortsbereich keinerlei Lehrstände.

Immer wieder kommen die beiden Politiker aber auch auf das gute nachbarschaftliche Verhältnis zu sprechen, das sich in den vergangenen drei Jahrzehnten entwickelt hat. "Eine gute Nachbarschaft, geprägt von gegenseitigem Vertrauen und Unterstützung ist das Wichtigste,"  sagen sie. Mit Blick auf die hochgewachsene, kräftige Linde nennen sie diese das beste Beispiel für ein gutes nachbarschaftliches Miteinander und das Zusammenwachsen nach drei Jahrzehnten.

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