Meiningen

Ansgar Haags letzte Runde als Intendant

Die Spielzeit 2020/21 des Staatstheaters Meiningen wurde der Krisensituation angepasst. Unser Bild zeigt Ansgar Haag.
Die Spielzeit 2020/21 des Staatstheaters Meiningen wurde der Krisensituation angepasst. Unser Bild zeigt Ansgar Haag. Foto: Siggi Seuß

Natürlich konnte die Programmkonferenz des Staatstheaters Meiningen in diesem Frühjahr nicht stattfinden. Der knapp 180 Seiten starke Katalog zur Spielzeit 2020/21 ist zwar verfügbar, wurde jedoch angesichts der Unwägbarkeiten der Corona-Krise komplett überarbeitet. Im Internet ist der veränderte und eingeschränkte Spielplan zu finden, unter www.meininger-staatstheater.de (ohne Gewähr, versteht sich).

Sicher ist: Es ist die letzte Spielzeit, die Intendant Ansgar Haag verantwortet (ein ausführliches Interview erschien vor kurzem in dieser Zeitung). Haag leitet das Haus seit 2005 und übergibt mit Beginn der übernächsten Saison die künstlerische Leitung an Jens Neundorff. Der gebürtige Ilmenauer ist seit 2012 Intendant des Theaters Regensburg und begann seine Karriere Anfang der 1990er Jahre als Dramaturg am Meininger Theater.

Die interessanteste Neuerung für Theaterfreunde und solche, die es werden wollen: Ab nächster Spielzeit soll es eine Theater-Card geben, die kostengünstig mehrfache Theaterbesuche ermöglicht – ohne die langfristig Terminplanung eines Abonnements. Darüber hinaus versichert Ansgar Haag, die von Wissenschaftlern empfohlenen und von der Bundes- und Landesregierung verordneten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu unterstützen: „Als Intendant sehe ich es als meine Pflicht im Sinne des Erhalts unserer Demokratie, jetzt zum Staat zu stehen und die Entscheidungen positiv mitzutragen.“

Das sieht im Konkreten so aus, dass es einen „Plan A“ gibt, mit einem gegenüber dem ursprünglich vorgesehenen Programm erheblich reduzierten Spielplan. Vorausgesetzt, die staatlichen Verordnungen zur Eindämmung des Coronavirus für den Bereich der Theater gelten nicht über den 31. August hinaus und die Landkreise haben ab September – je nach Gefährdungslage der Region – eine größeren Spielraum für Eigenentscheidungen.

Daher nun der Blick auf den Stand 18. Juni: Für die Monate September und Oktober liegt ein neuer eingeschränkter Spielplan vor. Gespielt wird mit den Verhältnissen angepassten Stücken, mit erheblich reduziertem Ensemble (besonders bei Chor und Orchester) und vor ebenso reduziertem Publikum. Die Abos werden in beiden Monaten ausgesetzt. Karten müssen direkt gebucht werden und können gegebenenfalls mit Gutscheinen bezahlt werden. Es empfiehlt sich, rechtzeitig zu buchen.

Plan A ab November

Ab November will man dann mit „Plan A“ beginnen, mit dem der reguläre Abobetrieb wieder aufgenommen wird. Gerechnet wird gemäß der augenblicklich gültigen Abstandsregeln vorerst mit maximal 200 Zuschauern im Großen Haus, da der 3. Rang gesperrt bleibt, bis die Klimaanlage mit verbesserter Aerosolabsaugung ausgestattet ist. Das sollte die wichtigste Publikums-Säule – die augenblicklich 4300 Abonnenten – allerdings nicht verunsichern. Und in der Tat: Trotz Corona-Krise und unsicherer Planung der nächsten Spielzeit haben überraschend wenige Theaterfreunde ihr Abonnement gekündigt, weniger noch als im vergangenen Jahr. Ansgar Haag: „Das Wichtigste für mich als Intendant ist es, unseren Abonnenten ein sicheres Gefühl zu geben, dass alle Termine ihrer Abo-Gruppen genauso stattfinden wie sie in unserem goldenen Jahresheft veröffentlicht sind.

Zur Einhaltung der Termin-Treue ab November mussten allerdings einige Titel geändert werden, da wir über Monate hinweg weder proben noch spielen konnten.“ Statt der Wiederaufnahme von Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ gibt es Sternheims „Die Kassette“. Die Welturaufführung der Oper „Gespenster“, die Torstein Aagaard-Nilsen nach Ibsens gleichnamigem Drama im Auftrag des Meininger Staatstheaters komponierte, wird auf April 2021 verschoben. Dafür entfällt die geplante Oper „The Tempest“.

Wie auch immer: Wie schon im Spielzeitalmanach verkündet, werden sowohl im Schauspiel als auch im Musiktheater Werke vorgestellt, „die uns Menschen zeigen, die auf unterschiedlichste Weise versuchen, die Welt gerechter, besser und lebenswerter zu machen. Das geschieht mit Humor, aber auch mit Sarkasmus und politischem Ernst.“ Theater wichtiger denn je Angesichts der Corona-Krise und ihrer vermutlich schwerwiegenden gesellschaftlichen Folgen gewinnen die Leitmotive des Theaters noch größere Bedeutung als in normalen Spielzeiten. Theaterkultur wird wichtiger denn je, um immer wieder kundzutun, was Menschlichkeit und Gerechtigkeit für das Überleben einer zivilisierten Gesellschaft bedeuten.

Wichtigster Personalentscheid neben dem Intendantenwechsel: Nach 33 Jahren am Haus geht Maria Zoppeck, die Leiterin des Puppentheaters, in den Ruhestand. Nachfolgerin wird mit Beginn der neuen Spielzeit Kora Tscherning. 

Weitere Informationen über Tel. 03693-451 222 oder www.meininger-staatstheater.de

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