Aubstadt

Aubstadt: Online-Christmette aus dem Wohnzimmer in die Wohnzimmer

Im Pfarrhaus von Aubstadt richten die beiden Pfarrer Julia und Florian Mucha Laptop und Mikrofon für den Zoom-Gottesdienst am Heiligen Abend her.
Foto: Hanns Friedrich | Im Pfarrhaus von Aubstadt richten die beiden Pfarrer Julia und Florian Mucha Laptop und Mikrofon für den Zoom-Gottesdienst am Heiligen Abend her.

Jonas Wachenbrönner sitzt an Heiligabend an der Orgel in seinem Zimmer in Aubstadt, hinter ihm auf einem Bügelbrett der Laptop, von dem aus er sich in den Gottesdienst zuschalten kann. Einige Häuser weiter bereiten sich Wolfgang Abschütz und Gustav Raab für ihren Liveauftritt vor. Im Pfarrhaus von Aubstadt richtet Pfarrer Florian Mucha das Mikrofon aus, schließt den Laptop an, während seine Frau Julia vor der Kamera Platz nimmt. Kurz vor Gottesdienstbeginn werden Innen und Außenaufnahmen aus den Kirchen Aubstadt, Gollmuthhausen und Rappershausen eingespielt. Dann begrüßt Pfarrerin Julia Mucha die Gottesdienstbesucher am Bildschirm. Dieses Jahr wurde der Gottesdienst an Heiligabend für Aubstadt, Gollmuthhausen, Rappershausen und Hendungen Corona-bedingt nämlich online gefeiert.

Eine Überraschung gab es eingangs für den Organisten, Jonas Wachenbrönner, denn er hatte am 24. Dezember Geburtstag und so waren erst einmal Geburtstagswünsche angesagt. Dann aber eröffnete Julia Mucha den Gottesdienst, den sie zusammen mit ihrem Mann Florian hielt. Wann bin ich dran? Schnell schaut Jonas Wachenbrönner auf seine Anweisungen und stellt fest, dass erst Wolfgang Abschütz und Gustav Raab mit einer Einspielung vorgesehen sind. Im weiteren Verlauf des Bildschirm-Gottesdienstes kündigt Pfarrerin Julia Mucha das nächste Lied an. In seinem Arbeitszimmer schaltet sich Jonas Wachenbrönner mit einem Klick dazu und ist damit online, bevor er wieder zurück ins Pfarrhaus gibt.

Besser online als gar nicht 

"Es hat schon was," sagt er und meint, dass man so die neuen Medien gut nutzen könne, um Menschen vor dem Coronavirus zu schützen." Beim Blick auf die Statistik an diesem Abend stellt er fest, dass sich an die 80 Gäste aus Aubstadt, Rappershausen und Gollmuthhausen zugeschaltet haben. "Ich finde das wirklich eine gute Sache, vor allem, weil wir auch viele ältere Zuschauer haben, die über Laptop oder Tablet den Gottesdienst mit verfolgen, eben besser als gar nichts."

Aber,  wie kam es eigentlich dazu? Das Aubstädter Pfarrerehepaar Julia und Florian Mucha berichten von der Gemeinde Willmars, wo solche Zoom-Gottesdienste schon länger gefeiert werden. Als die Inzidenzzahlen anstiegen, wurde mit den KirchenvorsteherInnen beschlossen, es am 1. Advent einmal auszuprobieren. Bereits beim ersten Zoom-Gottesdienst hatten sich 40 Haushalte zugeschaltet, beim dritten stieg die Zahl auf über 60 und an Heiligabend steigerte sie sich nochmals auf mehr als 80. Oftmals freuen sich die Gemeindemitglieder, dass sie wieder mal ihrer Pfarrer sehen oder auch die Mitwirkenden. Florian Mucha: "Es können Menschen teilnehmen, die aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund ihres hohen Alters nicht mehr in die Kirchen gegangen sind."

In seinem Arbeitszimmer in Aubstadt sitzt Jonas Wachenbrönner an seiner Hausorgel. Noch ist er nicht dran, aber im Gottesdienst sind Wolfgang Abschütz und Gustav Raab an der Reihe.
Foto: Hanns Friedrich | In seinem Arbeitszimmer in Aubstadt sitzt Jonas Wachenbrönner an seiner Hausorgel. Noch ist er nicht dran, aber im Gottesdienst sind Wolfgang Abschütz und Gustav Raab an der Reihe.

Julia Mucha ergänzt: "Familien, denen es zu stressig ist, am Sonntagmorgen alle Familienmitglieder kirchenfertig zu kriegen, können stressfrei Gottesdienst mitfeiern." Mittlerweile gibt es auch Zuschauer von außerhalb, die sich über einen Link, der auf der Seite der evangelischen Kirche Aubstadt abrufbar ist, zuschalten.

Für Julia und Florian Mucha ist es wichtig, Kontakt zur Gemeinde zu halten und das ist in Coronazeiten eben über den Bildschirm möglich. Natürlich fehlt aber auch ganz viel, so der große Christbaum, das "Traditionelle", die Stimmung in der geschmückten Kirche, das gemeinsame Singen der Lieder, das gegenseitige "frohe Weihnachten"-Wünschen… "Wir freuen uns schon jetzt auf die Zeit nach Corona…" Die digitale Welt könne Vieles kompensieren, könne aber nicht die persönliche Begegnung ersetzen."

Natürlich hat es viel Zeit, vor allem in der "Findungsphase" gekostet, bis alles funktionierte. Die Pfarrersfamilie achtet auf die entsprechende Deko und dazu gehört eine Patchwork-Decke im Hintergrund, ein Weihnachtsgeschenk aus dem vergangenen Jahr von der Mutter von Florian Mucha. Weihnachtsstimmung ist aber auch in der Kirche von Aubstadt, wo traditionell die Krippe aufgestellt und beleuchtet ist, ebenso die beiden Türme von Aubstadt. Wie es weiter geht? Julia und Florian Mucha sind auf Einschränkungen vorbereitet. Zunächst plant man Zoom Gottesdienste bis Mitte Januar, "dann werden wir weiter sehen." Beide Pfarrer hätten sich nie vorstellen können, einmal Gottesdienste im Pfarrhaus zu feiern und diese dann online zu stellen. Damit das möglich wurde, waren viele Helfer eingespannt, damit in Zeiten von Covid 19 die Kirchengemeinde von Aubstadt, Gollmuthhausen sowie Rappershausen mit Hendungen, Zoom-Gottesdienste feiern können.

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