Junkershausen

Aus der Asche wächst etwas Wunderbares

Biohof May: Christian und Rebekka May geben ihr Großstadtleben auf und übernehmen den Hof der Eltern.
Mit viel Herzblut für Tiere und Natur wohnen und leben Christian und Rebekka May seit Anfang des Jahres in Junkershausen.
Foto: Markus Büttner | Mit viel Herzblut für Tiere und Natur wohnen und leben Christian und Rebekka May seit Anfang des Jahres in Junkershausen.

Wow Honey, heute war ein guter Tag! Erschöpft von Erledigungen, Besprechungen und Planungen, aber dennoch sichtlich zufrieden nimmt Christian May neben seiner Ehefrau Rebekka auf einem kleinen Bänkchen auf dem Bauernhof in Junkershausen Platz, um mit ihr in den Sonnenuntergang zu blicken.

Ein voller Tag liegt hinter ihnen. Die beiden wohnen seit Anfang des Jahres wieder im beschaulichen Junkershausen – nach sechs Jahren Großstadtleben in Frankfurt am Main. Von 730 000 Einwohnern zu 119 Nachbarn. Von der Anonymität der Großstadt hin zum gemeinsamen Miteinander auf dem Land.

Nach dem verheerenden Großbrand auf dem Biohof von Dietmar und Klara May in der Nacht zum 10. November 2015, bei dem viele Tiere ihr Leben lassen mussten und das Wohnhaus durch den engagierten Einsatz von Feuerwehren, THW und Bauern erhalten werden konnte, ist einiges passiert auf dem Hof.

Das junge Paar hat sich dazu entschieden, den Hof wiederaufzubauen und mit neuen Ideen weiterzuführen. Keine leichte Entscheidung. „Die Zeit bis zum Entschluss, den Hof meiner Eltern weiterzuführen, war die schwierigste Zeit in meinem Leben“, erinnert sich der studierte Diplom-Agraringenieur.

„Ich war zu dieser Zeit sehr verunsichert, da feststand, dass ich in Kürze Pro Natur, die Firma meines Chefs, übernehmen sollte. Und nun also der Bauernhof meiner Eltern in Junkershausen. Ohne Rebekkas Unterstützung wäre dieser Weg absolut undenkbar und indiskutabel gewesen.“

Einige Gründe spielten für den Jungbauern eine wichtige Rolle: Zum einen spürte er eine tiefere Verwurzelung im heimatlichen Rhön-Grabfeld als in die Frankfurter Metropole. Zum anderen war ihm bewusst, dass der Hof ohne Nachfolger keine Zukunft haben würde. Letztlich sah er es aber auch als einmalige Chance an, in der heutigen Zeit einen Bauernhof neu denken, planen und realisieren zu können. Diese Aspekte ließen am Ende keine Zweifel mehr an diesem mutigen Schritt.

„Die Entscheidung für den Hof haben wir getroffen, weil wir diese Riesenchance gesehen haben, gemeinsam hier in der Region etwas ganz ganz Wunderbares aufzubauen. Nicht nur für uns als Einzelperson, als Paar oder Familie, sondern auch etwas größer gesehen für andere Leute. Und das ist doch irgendwie eine schöne Sache, wenn man so eine Chance hat“, ergänzt die frisch gebackene Rhönerin Rebekka.

Rebekka May, gebürtige Kwon, stammt aus aus Gießen und hat koreanische Wurzeln. Sie musste nicht lange überlegen, als sie mit Christian ihre berufliche Zukunft diskutierte: „Eines Abends kam Christian auf mich zu und fragte, ob wir nach Junkershausen ziehen wollen und ich konnte mir, ohne zu zögern, nichts Schöneres vorstellen, als Biobäuerin zu sein.“

Seitdem hat sie ihren Job als Pressereferentin für die Frankfurter Bürgerstiftung an den Nagel gehängt und kümmert sich nun mit Hingabe dem ersten Projekt des neuen Hofes: ihre 225 freilaufenden Hühner, welche außerhalb von Junkershausen auf einer großen Wiese grasen und gackern und ihre Eier im Hühnermobil legen.

In einem kleinen „Eierhäusle“ mitten in Junkershausen können nun rund um die Uhr die Produkte vom Bauernhof eingekauft werden. Das Häusle ist immer geöffnet und die Kunden bezahlen ihre Produkte in eine kleine Kasse, was natürlich auch ein hohes Vertrauen gegenüber den Kunden voraussetzt.

Doch nicht nur Eier können im Eierhäusle und im Hofladen eingekauft werden, sondern auch hofeigene Nudeln, Dinkelmehl und der bereits jetzt bei vielen Kunden beliebte Dinkelreis. Dieser Reis, aus selbst angebautem Dinkel hergestellt, kann wie normaler Reis gekocht werden, braucht aber deutlich weniger Ressourcen als der industriell hergestellte Reis aus Asien.

Vor kurzen erst kam ein junger Gourmetkoch auf den Hof, um sich für sein Restaurant in der Frankfurter Innenstadt von eben diesem Dinkelreis zu überzeugen und sich damit einzudecken.

Neue Schweineställe

Natürlich wissen Rebekka und Christian auch, dass sie sich mit den Herzensprodukten Eiern und Dinkelreis nicht über Wasser halten können. So sind noch für den Spätherbst die ersten vorbereitenden Baumaßnahmen für die neuen Holz-Schweineställe und die Getreidehalle geplant. Viele kleine und große Baustellen auf dem Biohof May.

Aber was treibt in Zeiten von sinkendem Verantwortungsbewusstsein ein junges Paar an, sich einer solchen Aufgabe zu stellen? „Wir sind fest davon überzeugt, dass die Leute hier in der Region gute Lebensmittel wollen und das auch zu schätzen wissen. Die Menschen haben hier wie überall gute Lebensmittel verdient“, sagt May.

Und diese könnten nur gut sein, wenn die Tiere artgerecht gehalten und die Produkte im Einklang mit der Natur erzeugt werden. „Wir können qualitativ hochwertige Lebensmittel nur durch eine ökologische Wirtschaftsweise hervorbringen. Denn sie schützt die Bienen, schont unser Grundwasser und fördert die Artenvielfalt in unserer Heimat“, fasst Christian May die große Aufgabe zusammen.

Langsam kehrt Ruhe am Hof ein. Die Sonne senkt sich hinter den Ruinen des alten Stalles und im Abendrot werden die Erledigungen des folgenden Tages besprochen. „Puh, das ist ganz schön viel morgen. Aber das wird gut. Honey, Morgen wird gut.“

Wie durch ein Wunder wurde das Wohnhaus (im Hintergrund) von den Flammen des Großbrandes verschont.
| Wie durch ein Wunder wurde das Wohnhaus (im Hintergrund) von den Flammen des Großbrandes verschont.
Das Eierhäusle ist immer geöffnet. Hier gibt es Eier, Reis und Mehl.
| Das Eierhäusle ist immer geöffnet. Hier gibt es Eier, Reis und Mehl.
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