BAD NEUSTADT

"ausgerechnet" in Rhön-Grabfeld: Harsche Kritik an BR

Die Kritik an einem Filmbeitrag des Bayerischen Fernsehens über den Kreis Rhön-Grabfeld reißt auch nach dessen Ausstrahlung nicht ab.
Filmreife Leistung? Die BR-Reportage „Rhön-Grabfeld – Der Ort, an dem keiner leben will?“, die Volontäre des Bayerischen Fernsehens im Juni unter anderem auch in Sulzfeld drehten, stößt nach der Ausstrahlung am Montagabend auf überwiegende Kritik. Unser Bild entstand beim Dreh mit Sulzfelds Bürgermeister Jürgen Heusinger (Zweiter von links). Foto: Alfred Kordwig

Für allerhand Aufregung hatte bereits im Vorfeld der Filmbeitrag "ausgerechnet" des Bayerischen Fernsehens gesorgt, der mit dem provokanten Untertitel „der Ort, in dem keiner wohnen will?“ vor allem Lokalpolitiker aufgeschreckt hatte. Am Montagabend ging die Sendung nun über den Bildschirm – und bestätigte die Befürchtungen.

Allen voran ließ der Kreischef kein gutes Haar an der Sendung. Thomas Habermann gab von London aus seinen Kommentar ab, nachdem er sich den Film, wie er sagte, nachts dreimal angesehen hatte. Die Auswahl der einzelnen Beiträge sei gezielt erfolgt, „um eine vorgefasste Meinung zu bestätigen“, kritisiert Habermann.

Schwerpunkte waren ein – zumindest in den Aufnahmen – schlecht besuchter Regionalmarkt in Bad Königshofen, die schleppend wirkende Eröffnung eines Cafés in Mellrichstadt, ein ebenfalls besucherarmes Sommerfest in Heustreu sowie die Insolvenz einer Schreinerei in Niederlauer.

Die Auswahl suggeriere eine schlechte Situation des Landkreises, außerdem sei die Darstellung „polemisch und tendenziös“, bemängelt Habermann. Er wundere sich, dass der BR eine solche Sendung produziere, die vollkommen einseitig über den Landkreis berichtet und ihn der Lächerlichkeit preisgebe. „Wir waren der Versuchscampus für journalistische Anfänger.“ Auch wenn er das Thema nicht überbewerten wolle, werde er es nicht auf sich beruhen lassen und an den Chefredakteur schreiben.

Dass er mit seiner Meinung nicht allein sei, bestätige auch eine E-Mail von dem ihm gut bekannten Kultusminister Ludwig Spaenle, der ihm geschrieben hat: „Habe gerade im BR eine üble tendenziöse Reportage über Rhön-Grabfeld gesehen, die Elan, Witz, Wissen und Struktur der Rhön runtermacht.“ Habermann selbst urteilt: „Schade, lieber BR, bei uns bist du nicht dahoam!“

Ähnlich aufgebracht ist auch Sulzfelds Oberhaupt Jürgen Heusinger, der eine Hauptrolle in dem halbstündigen Bericht einnahm. Im Vorfeld habe er sich nicht äußern wollen, weil er den fertigen Film nicht kannte, aber nun sei er enttäuscht.

Auch Heusinger aufgebracht

Aus dem vielen Material sei das herausgezogen worden, das den Aufbau eines Regionalmarktes in Bad Königshofen erfolglos erscheinen lasse. Viele Dinge seien weggelassen worden, „die offensichtlich nicht ins Bild der Journalisten passen“. Der Regionalmarkt stehe erst am Anfang, aber diese Aufnahmen, auf denen mehr Besucher zu sehen waren, seien gar nicht gesendet worden. Die positiven Ansätze und die Erfolge der Grabfeld-Allianz seien auch nicht berücksichtigt worden. Eine positive wirtschaftliche Entwicklung der Region sei nicht zur Rede gekommen.

Geradezu entsetzt ist auch Reinhold Seuffert, der nach seiner Ansicht im Film so dargestellt worden sei, als ob seine Schreinerei überhaupt nicht mehr existiert. Er habe dem Team mehrfach erklärt, dass er noch einen zweiten Betrieb besitzt, auf den er sich nun konzentriere, „das ist überhaupt nicht berücksichtigt worden“.

Er sei auch immer wieder auf die unerfreulichen Aspekte einer Insolvenz angesprochen worden, dass der Betrieb weiterhin existiert, sei nicht erwähnt worden. Er erwäge nun auch rechtliche Schritte, da der Beitrag seinen Ruf schädige.

Gelassene Café-Besitzerin

Eine Spur gelassener sieht die Café-Betreiberin die Sendung. Der Beitrag über sie erwecke den Eindruck, als ob in Mellrichstadt und in ihrem Café absolut „nichts los“ sei, sagt Barbara Kraft. Dabei laufe der Betrieb inzwischen recht gut. Das Team war aber gerade einmal wenige Tage nach der Eröffnung da, als die Gäste erst noch zögerlich kamen.

Sie kann aber auch die Kritik Habermanns nachvollziehen, weil der Gesamtbeitrag ihrer Ansicht nach tatsächlich sehr einseitig gewesen sei. „Für mich persönlich war die Sendung aber Werbung.“

Auch Alicia Menninger, die als Mitorganisatorin des Heustreuer Fests zu Wort kam, sieht die Sendung nicht so dramatisch wie der Kreischef. Er habe Recht mit seiner Kritik, „aber wir sind dabei noch recht gut weggekommen“.

Trotzdem sei sie enttäuscht von den Fernsehmachern. Ihr sei versichert worden, dass der Beitrag positiv wirken soll und darin gezeigt werde, dass in den Dörfern etwas für die Jugend getan werde. Dass dann am Ende vor allem die anderen Beiträge „ziemlich negativ sind“, habe sie stark getroffen.

Verhaltene Kritik: Barbara Kraft und ihr Sohn Louis betrachten den Beitrag des Bayerischen Fernsehens vor allem als Werbung für ihr Café in Mellrichstadt. Foto: Eckhard Heise

Schlagworte

  • Bad Königshofen
  • Jürgen Heusinger
  • Ludwig Spaenle
  • Schreinereien
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
28 28
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!